Teroddes Doppelpack zu wenig

Verrücktes 3:3! Wie der HSV den Sieg in Aue herschenkte

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Der HSV legt im Fernduell um die Aufstiegsplätze vor, spielt phasenweise bärenstark und ist trotzdem enttäuscht. Dudziak verletzt.

Aue. So richtig wusste keiner im Erzgebirgsstadion, warum der phasenweise eine Klasse besser spielende HSV am Freitagabend nicht als Sieger vom Platz ging. 3:3 (3:1) trennten sich die Hamburger von Aue. Ein unnötiger Punktverlust im Aufstiegsrennen, durch den trotzdem die Tabellenführung vorerst ausgebaut wurde. Denn die Konkurrenz um Bochum (2.), Kiel (3.) und Fürth (4.) ist erst in den kommenden Tagen im Einsatz.

Doch wirklich freuen konnte sich darüber keiner vom HSV – weder die Spieler noch die Verantwortlichen oder die Fans. Denn nach einer spielerisch bärenstarken ersten Hälfte und den Toren von Simon Terodde (2) und David Kinsombi hätte sich die Mannschaft von Trainer Daniel Thioune mit einem Sieg belohnen müssen.

HSV-Check: die Analyse des 3:3 in Aue im Video

Torspektakel im Erzgebirge: die HSV-Analyse nach dem 3:3

HSV: Terodde und Thioune enttäuscht

„Die erste Halbzeit war richtig gut von uns, die zweite Halbzeit war allerdings schlecht", resümierte der starke Torjäger Terodde, der nun bereits 19 Saisontreffer erzielt hat. „Wir können das 4:1 machen, dann ist das Spiel entschieden. Doch stattdessen kriegen wir das 3:2. Es ist sehr enttäuschend für uns, insbesondere nach dieser starken ersten Halbzeit."

Sein Trainer Thioune teilte diese Enttäuschung. „Die Punkteteilung tut heute ein bisschen mehr weh. Wir haben den Gegner dominiert und verdientermaßen viele Tore erzielt", sagte der Coach. In dieser Phase habe es ihm „großen Spaß gemacht", von außen zuzugucken. Doch dann folgte eine „unglückliche" zweite Halbzeit, wegen der sich das Unentschieden wie „zwei verlorene Punkte" anfühlten.

Hat sich der HSV in einer starken ersten Hälfte möglicherweise übernommen? „Wir sind ein hohes Tempo gegangen in der ersten Halbzeit, konnten das aber über 90 Minuten nicht halten", räumte Thioune ein.

Tabellenspitze 2. Bundesliga
1. FC Schalke 04 34 / 72:44 / 65
2. Werder Bremen 34 / 65:43 / 63
3. HSV 34 / 67:35 / 60
4. Darmstadt 98 34 / 71:46 / 60
5. FC St. Pauli 34 / 61:46 / 57

HSV-Remis in Aue weckt böse Erinnerungen

Die Art und Weise des kurios zustandegekommenen Remis in Aue weckte Erinnerungen an die 2:3-Heimpleite des HSV vor zwei Jahren gegen Darmstadt 98, woraufhin sieben sieglose Spiele folgten und der sicher geglaubte Aufstieg noch verspielt wurde. Auch damals führte der HSV bereits mit 2:0 nach einer ebenfalls starken Vorstellung – bis das Team einen Gang zurückschaltete. Genauso wie an jenem Freitagabend in Aue.

Wenngleich die Hanseaten diesmal zumindest nicht als Verlierer vom Platz gingen. Und auch der Aufstieg ist natürlich noch nicht verspielt. Dennoch dient die Partie als Warnsignal für die kommenden Wochen.

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Dabei begann in Aue alles nach Maß für den HSV, der mit Gideon Jung für den verletzten Toni Leistner begann (Thioune: „Gideon hat sich das verdient."). Schon nach 13 Minuten jubelten die Gäste über die Führung durch Terodde, der einen Jatta-Ball (halb Schuss, halb Flanke) über die Linie drückte. Wenige Sekunden nach der Führung hätte Moritz Heyer – nach Vorlage von Terodde – beinahe direkt im Anschluss auf 2:0 erhöht, doch der defensive Mittelfeldspieler scheiterte am Pfosten (16.). Sechs Minuten später machte es schließlich Kinsombi besser (22.).

HSV bekommt kuriosen Elfmeter

Als alles nach einem Schützenfest für den HSV aussah, kam Aue wie aus dem Nichts zum Anschlusstreffer nach einem Konter, abgeschlossen von Jan Hochscheidt (26.), der Torhüter Sven Ulreich verlud. Der Startschuss für die Wende? Vorerst nicht, denn es gab schließlich noch Terodde, der per Elfmeter den alten Abstand wieder herstellte.

Kurios: Der Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Florian Badstübner erfolgte wenige Sekunden, bevor HSV-Kapitän Tim Leibold aus einer Vorteilssituation den Ball in den Winkel jagte. Doch durch den verfrühten Pfiff des Unparteiischen durfte der Treffer nicht zählen und so verwandelte Terodde einen Elfmeter, der eigentlich gar keiner war. Denn Fandrich traf im Zweikampf gegen Kittel den Ball. Sei's drum.

HSV verpasst 1:4, Aue gleicht aus

Kurz nach der Pause verkürzte allerdings Aues Fandrich auf 2:3 nach einem überflüssigen Ballverlust in der Vorwärtsbewegung von Bakery Jatta, der im Mittelfeldzentrum ins Dribbling ging, anstatt seine freien Mitspieler anzuspielen (50.). Vorausgegangen war ein Pfostenschuss des eingewechselten Aaron Hunt (Dudziak verletzte sich) – es wäre das 1:4 gewesen (49.). Stattdessen kam Aue noch zum 3:3 durch den sehenswerten Volleyschuss von Florian Krüger (61.), obwohl der HSV die klar bessere Mannschaft war.

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In der Schlussphase entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, die Hamburger wirkten jedoch geschockt ob der hergeschenkten Führung. Ein Tor sollte trotz einiger Chancen nicht mehr fallen. Und so muss sich der HSV nach einer schwachen zweiten Halbzeit hinterfragen, wie es zu diesem unnötigen Punktverlust in Aue kommen konnte.

Die Statistik:

  • Aue: Männel – Breitkreuz (46. Bussmann), Gnjatic, Gonther, John-Patrick Strauß – Fandrich, Samson – Zolinski (76. Nazarov), Hochscheidt (90.+2 Härtel) – Testroet, Krüger (83. Zulechner). – Trainer: Schuster
  • HSV: Ulreich – Gyamerah, Jung, Ambrosius, Leibold – Heyer (81. Onana) – Kinsombi, Dudziak (42. Hunt) – Jatta (81. Narey), Terodde, Kittel. – Trainer: Thioune
  • Tore: 0:1 Terodde (14.), 0:2 Kinsombi (22.), 1:2 Hochscheidt (26.), 1:3 Terodde (30.), 2:3 Fandrich (50.), 3:3 Krüger (61.)
  • Schiedsrichter: Florian Badstübner (Windsbach)
  • Gelbe Karten: Samson (3) – Ambrosius (4).
  • Torschüsse: 10:7
  • Ecken: 0:6
  • Ballbesitz: 35:65 Prozent

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