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Daniel Thioune tüftelt an der nächsten Taktik-Überraschung

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David Kinsombi (r.) ist auf dem Platz der verlängerte Arm von HSV-Trainer Daniel Thioune, wenn es um taktische Änderungen geht.

David Kinsombi (r.) ist auf dem Platz der verlängerte Arm von HSV-Trainer Daniel Thioune, wenn es um taktische Änderungen geht.

Foto: Witters

In Aue muss der HSV am Freitag mit schwierigen Platzverhältnissen rechnen. Trainer Thioune hat bereits Ideen.

Hamburg. Der Blick auf die Wettervorhersage in Sachsen dürfte den Busfahrern des HSV am Donnerstag gut gefallen haben. Sowohl für die sechs Stunden lange Anreise zum Auswärtsspiel des HSV an diesem Freitag beim FC Erzgebirge Aue (18.30 Uhr/Sky und Liveticker auf abendblatt.de) als auch für die Rückfahrt in der Nacht auf Sonnabend sind Temperaturen oberhalb der Fünf-Grad-Grenze angesagt. Kein Schnee, kein Glatteis. Eine gute Nachricht für Zeugwart Miroslav Zadach, der den HSV-Tross coronakonform zusammen mit dem Team eines externen Busunternehmens mit zwei Fahrzeugen nach Aue brachte.

Daniel Thioune dürfte die Wetterprognose dagegen weniger gut gefallen. Fünf Grad und Regen sind für den Freitagabend vorhergesagt. Schon vor dem Anpfiff dürfte klar sein, dass der Rasen im Erzgebirgsstadion einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Matchplan des Trainers haben wird. Thioune ist bekannt dafür, seine taktischen Ideen während der Busfahrt auszutüfteln. Zusammen mit seinen Co-Trainern Merlin Polzin und Hannes Drews wird es dieses Mal auch um die Frage gehen: Was ist der ideale Matschplan?

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Dass es am Freitagabend matschig und rutschig werden könnte, zeigten bereits die Bilder des jüngsten Heimspiels der Auer gegen die Würzburger Kickers vor einer Woche. Nach einem heftigen Schneefall konnte der Rasen nur mit Mühe wieder in einen spielfähigen Zustand geräumt werden. In vielen Szenen hoppelte der Ball über das Spielfeld. „Wir wissen, dass der Platz vielleicht nicht die Qualität hat, die wir hier Tag für Tag im Training haben, aber die Platzverhältnisse würde ich niemals als Entschuldigung gelten lassen“, sagte Thioune vor der Abreise und nahm seinen Spielern schon vorab jegliches Alibi für den Fall eines Stolperns.

HSV: Wie Thioune auf die Anarchie-Taktik im Hinspiel kam

Doch der Fußballlehrer weiß auch, dass ein gepflegter Spielaufbau von hinten heraus am Freitagabend vermutlich nicht die zielführendste Taktik sein wird. „Natürlich ist es schwieriger, ein scharfes Flachpassspiel zu haben, wenn der Ball häufig verspringt. Aber es gibt genug Möglichkeiten, Tore zu schießen.“

Thioune wird sich wieder etwas einfallen lassen, wie er bei den heimstarken Auern bestehen will. So wie beim 3:0-Sieg im Hinspiel, als dem Trainer ein taktisches Meisterstück gelang und er die Mannschaft von Trainer Dirk Schuster mit einer Anarchie-Taktik verwirrte. Vorlage für diese Idee war ausgerechnet das bislang letzte Spiel des HSV in Aue.

Vor ziemlich genau einem Jahr hatten die Hamburger dort sang- und klanglos mit 0:3 verloren. Die Taktik von Dirk Schuster sollte eine Blaupause sein für viele andere Zweitligisten. Weil der HSV unter Trainer Dieter Hecking zu leicht auszurechnen war, reichte den Gegnern in der Regel eine einfache Manndeckung über den ganzen Platz, um die Hamburger auszucoachen. Entsprechend entwarf Thioune vor dem Hinspiel einen Gegenentwurf, damit sich Schuster nicht so leicht auf den HSV einstellen konnte.

Der Matschplan von HSV-Coach Thioune

Ein zweites Mal dürfte dieser Verwirrungsplan aber nicht funktionieren. Ein neuer Matchplan muss her, damit der Tabellenführer auch im möglichen Matsch seine Serie von neun Spielen ohne Sieg ausbauen kann. Dass der HSV in dieser Saison grundsätzlich auch auf den typischen Zweitligaplätzen durchsetzungsfähig ist, hat er bereits unter Beweis gestellt. So wie in Braunschweig, Darmstadt oder auch in Karlsruhe, wo der aktuell wohl schlechteste Rasen der Liga liegt.

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Die Hamburger sind in dieser Saison die mit Abstand zweikampfstärkste Mannschaft (53,42 Prozent gewonnene Zweikämpfe) von allen. Laut des Portals CIES Football Observatory ist der HSV mit 4,7 Schüssen für einen Torerfolg aktuell sogar das effektivste Team Europas – direkt vor Bayern München (5,3). Eine Statistik, die untermauert, dass sich der HSV in den Kategorien Gier und Wille tatsächlich gesteigert hat und sich nicht mehr allein auf seine individuellen Qualitätsvorteile verlässt.

Und genau diese Faktoren werden in Aue wieder wichtig sein, wenn lange Bälle durch die Luft fliegen oder flache Bälle auf dem Boden verspringen. „Wir stellen uns darauf ein“, sagt Thioune ganz pragmatisch. Als Trainer, der jahrelang selbst in der Zweiten und Dritten Liga gespielt hat, kennt er ohnehin den noch immer besten Matschplan: „Dann müssen wir uns halt ordentliche Stollen anziehen.“

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

  • Aue: Männel – Gonther, Samson, Breitkreuz – Fandrich, Gnjatic – Strauß, Hochscheidt, Nazarov, Krüger – Testroet.
  • HSV: Ulreich – Gyamerah, Heyer, Ambrosius, Leibold – Onana – Kinsombi, Dudziak – Jatta, Terodde, Kittel.

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