Zweite Liga

"Richtig guter Fußball": HSV spielt gegen Rückrunden-Fluch

| Lesedauer: 7 Minuten
Alexander Berthold

Youtube: HSV-Check nach Sieg gegen paderborn

Beschreibung anzeigen

3:1 über Paderborn: Der überragende Sonny Kittel und Moritz Heyer schossen die Tore für den Hamburger SV. Die Analyse auch im Video.

Hamburg. Die Erleichterung war groß bei den Spielern des Hamburger SV, als Schiedsrichter Daniel Siebert am Sonnabendnachmittag nach 94 Minuten und neun Sekunden den Schlusspfiff ertönen ließ. Die Mannschaft von Daniel Thioune gewann das erste Heimspiel der Rückrunde gegen den Bundesliga-Absteiger SC Paderborn mit 3:1 (2:1). Die Treffer für die Hamburger erzielten Moritz Heyer (8. Minute) und Sonny Kittel (22., 53.).

Durch den 12. Saisonsieg bleiben die Hamburger auch nach dem 19. Spieltag auf Platz eins. Die Rothosen sind nun seit neun Spielen ungeschlagen und spielt erfolgreich gegen den "Rückrunden-Fluch" der vergangenen Jahre an. "Ich glaube, das war ein richtig gutes Fußballspiel. Wir haben genau das bekommen, was wir vom SC Paderbron erwartet hatten. Das waren intensive 90 Minuten, vor allem in der Arbeit gegen den Ball", lobte Trainer Thioune und ergänzte: "Das war eine richtig gute Mannschaftsleistung. Ich freue mich für das ganze Team, dass wir heute gegen einen richtig guten Gegner drei Punkte einfahren konnten. Und ich freue mich, dass ich ein in der Breite so gutes Team habe."

Trainer Thioune verzichtet auf Rotation

Für die Hamburger war es die dritte Partie innerhalb einer Woche. Trotzdem verzichtete Thioune auf eine große personelle Rotation. Im Vergleich zum 0:0 am Dienstagabend bei Fortuna Düsseldorf rückte lediglich Bakery Jatta für Khaled Narey in die Anfangsformation.

Boldt kritisiert Querelen rund um das Präsidium

Vor der Partie äußerte sich Sportvorstand Jonas Boldt zu den Streitigkeiten im Präsidium des HSV e.V. Der ehemalige Leverkusen hat – wenig überraschend – wenig Verständnis für das Chaos fernab des grünen Rasens. „Ich bin zwei Jahre hier, und immer wenn es sportlich gut läuft, kommen Störfeuer rein. Das verwundert mich. Im e.V. gibt es Meinungsverschiedenheiten, aber für den sportlichen Bereich ist die HSV AG zuständig“, sagte Boldt, der seinen Blick anschließend aber nur auf sportliche Themen richten wollte.

Von Beginn an entwickelte sich im Volksparkstadion eine temporeiche Partie, die vor allem der HSV dominierte. Allein in den ersten sieben Minuten erspielte sich die Thioune-Elf drei Eckbälle. Da überraschste es nicht, dass die Hamburger in der achten Minute auch durch einen ruhenden Ball in Führung ging. Eine butterweiche Ecke von Jeremy Dudziak verlängerte Topstürmer Simon Terodde auf den zweiten Pfosten, wo Moritz Heyer nur noch einköpfen musste. "Es ging heute viel hin und her. Das war harte Arbeit und wir haben uns den Sieg über 90 Minuten verdient. Ich hab bei meinem Treffer auf die Chance gelauert und mich gefreut, getroffen zu haben", sagte Torschütze Heyer.

Die weiteren Partien vom Sonnabend

  • Holstein Kiel - Eintracht Braunschweig 3:1
  • Jahn Regensburg - Darmstadt 98 1:1

Leistner muss früh verletzungsbedingt runter

Nur sieben Minuten nach der Führung musste der HSV einen ersten Rückschlag hinnehmen. Abwehrchef Toni Leistner musste mit muskulären Problemen vorzeitig vom Platz. Für den Routinier kam Amadou Onana, der die Position vor der Abwehr übernahm. Torschütze Heyer rückte von der „Sechs“ in die Innenverteidigung.

Beflügelt durch die Führung legte der HSV nach. Nach einem Konter wurde Dudziak 25 Meter vor dem Tor gefoult. Den fälligen Freistoß jagte Sonny Kittel mit Vollspann als Aufsetzer in die Maschen. Ein Traumtor. Nach dem 2:0 zog sich der HSV allerdings zunehmend zurück und überließ Paderborn das Feld.

HSV gegen Paderborn – die Statistik

Michel bestraft zu passiven HSV

Und das wurde bestraft. Die immer selbstbewusster auftretenden Gäste drängten den HSV in die Defensive. Nach einem starken Konter konnte Paderborns Torjäger Sven Michel in der 41. Minute aus kurzer Distanz zum Anschlusstreffer kommen. Die Hamburger wirkten in der Phase vor der Pause viel zu passiv und konnten froh sein, mit einer 2:1-Führung in die Pause zu kommen.

Zweite Halbzeit beginnt mit kaputtem Tornetz

Die zweite Halbzeit begann mit Verzögerung, weil der Schiedsrichterassistent ein Loch im Tornetz in dem Gehäuse vor der Südtribüne festgestellt hatte. Ein fleißiger Helfer flickten die Maschen mit einem Kabelbinder. Mit rund vier Minuten Verspätung ging es weiter. Paderborn war auch zu Beginn des zweiten Durchgangs die auffälligere Mannschaft. Die Hamburger taten sich schwer, den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren zu lassen.

Die erste Großchance hatte aber der HSV. Nach einer schönen Kombination über David Kinsombi und Dudziak scheiterte der Ex-St.-Paulianer in der 49. Minute an Leopold Zingerle im SCP-Kasten. Auch die zweite Gelegenheit nach dem Wechsel hatten die Gastgeber. Jatta schickte in der 50. Minute Terodde auf die Reise, der aber zulässig gegen Zingerle vergab.

HSV-Einzelkritik

Jatta wie ein Schneesturm - Dudziak zärtlich zum Ball

Kittel krönt traumhafte Kombination zum 3:1

Doch die Hamburger wurden immer stärker. Eine sensationelle Kombination über Jatta, Terodde und Dudziak schob Kittel in der 53. Minute platziert zum 3:1 ein. Ein Brustlöser? Eher nicht! Dennis Srebeny hatte nach Patzer von Onana in der 57. Minute den Anschlusstreffer auf dem Fuß, doch Sven Ulreich parierte souverän. So richtig Ruhe bekamen die Hamburger gegen leidenschaftlich anlaufende Paderborner nicht in ihr Spiel. Nach einem Ballverlust von Moritz Heyer bewahrte in der 69. Minute erneut Ulreich den HSV vor dem zweiten Gegentor, als er den Schuss von Srbeny stark hielt.

Paderborn zeigt großartige Moral trotz Rückstand

Paderborn rannte unermüdlich an und stellte die Hamburger immer wieder vor Probleme. Der HSV schaffte es in der Phase nicht, die Partie vom eigenen Tor fernzuhalten. Trainer Thioune brachte in der 75. Minute Manuel Wintzheimer für den leicht angeschlagenen Jatta. Und eben jener Wintzheimer vergab in der 81. Minute die Mega-Chance zum 4:1, als er frei vor dem Paderborner Tor kläglich den Torhüter anschoss.

Nur acht Minuten später verpasste es erneut der zuletzt glücklose Stürmer, den Deckel endgültig draufzumachen, als sein Schuss noch auf der Linie geklärt wurde.

Es sollten zwei Fehlschüss gewesen sein, der keinen Einfluss mehr auf das Ergebnis hatte. Am Ende brachte der HSV die 3:1-Führung über die Zeit und verteidigte die Tabellenführung in der Zweiten Liga. "Wir mussten heute 90 Minuten für den Sieg kämpfen. Es war eine intensive Partie und wir hätten sicherlich das ein oder andere Tor mehr erzielen können, aber am Ende zählen in erster Linie die drei Punkte", erklärte Rechtsverteidiger Jan Gyamerah.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: HSV