1:1 in Nürnberg

HSV-Trainer Thioune stellt zwei Forderungen an seine Profis

Niedersachsen-Wochen werden zeigen, ob der HSV mit dem 1:1 in Nürnberg zufrieden sein kann oder man mehr erwarten muss.

Hamburg/Nürnberg. Auf dem Weg in die Kabine bekam Daniel Thioune am Sonntagvormittag einen Zuruf. „Ein Punkt ist ein Punkt“, sagte ein HSV-Fan auf dem Trainingsgelände im Volkspark. „Der Punkt kann am Ende noch viel wert sein“, rief Thioune zurück.

Der Cheftrainer drückte damit die Stimmungslage aus, die am Tag nach dem 1:1 (1:1) in Nürnberg bei den Hamburgern zu spüren war. „Wir sind mit dem Gefühl nach Hause gefahren, dass mehr möglich gewesen wäre. Aber wir sind mit dem Punkt zufrieden, weil die Nürnberger uns das Leben schwer gemacht haben“, sagte Sportdirektor Michael Mutzel mit einer Nacht Abstand.

Mit 30 Punkten nach 15 Spielen steht der HSV weiterhin an der Tabellenspitze. Er ist seit fünf Spielen ungeschlagen und liegt weiter auf Aufstiegskurs. Trotzdem wurde über die Einordnung des Spiels und die gezeigte Leistung kontrovers diskutiert. Darf man mit einem Punkt auswärts bei einer guten und ambitionierten Mannschaft, die vor zwei Jahren noch in der Bundesliga spielte, zufrieden sein? Oder muss man als Beobachter vor allem fußballerisch mehr erwarten als das, was der HSV im Max-Morlock-Stadion zeigte?

HSV-Trainer Thioune übt vorsichtige Kritik

Am treffendsten drückte es Trainer Thioune am Sonnabend direkt nach dem Spiel aus: „Es war sicher nicht das schönste Spiel für die Zuschauer. Trotz des hohen Ballbesitzes waren wir nicht so zwingend wie in den vergangenen Wochen. Es war sicherlich nicht das, was wir uns gewünscht hätten. Da geht bei allen mehr.“

Thioune hatte in Nürnberg eine Woche nach dem 3:1 gegen Regensburg erstmals in dieser Saison die identische Startelf aufgeboten. Anders als gegen die Bayern aus der Oberpfalz schaffte es der HSV bei den Bayern aus Mittelfranken aber nicht, den Gegner mit Tempo zu bespielen. Nürnberg stand tief und kompakt, wartete auf Umschaltmomente und Fehler im Aufbau des HSV.

Ex-HSVer Nürnberger bestraft Fehler

Und die kamen. Der ehemalige HSV-Jugendspieler Fabian Nürnberger hätte Nürnberg nach einem Fehlpass von Stephan Ambrosius schon früh in Führung bringen können, traf aus 18 Metern aber nur die Latte (10.). Vier Minuten später machte es Nürnberg (und Nürnberger) besser, als der frühere Hamburger einen schnellen Konter über Robin Hack zum 1:0 abschloss. „Nürnberg hat das gemacht, was uns nicht gefällt. Die Verantwortlichen kennen unsere Mannschaft gut und haben sich gut vorbereitet“, sagte Mutzel hinterher.

Durch Ex-Co-Trainer Tobias Schweinsteiger, der den gesperrten Robert Klauß an der Seitenlinie vertrat, sowie Ex-Trainer Dieter Hecking, der als Sportvorstand das Spiel auf der Tribüne verfolgte, wusste der Club, wie man den HSV ärgern kann. „Nürnberg stand sehr passiv. Sie haben auf unsere Fehler gelauert. Dadurch sah unser Spiel etwas statisch aus“, sagte Simon Terodde, der in der 33. Minute den besten Hamburger Angriff über David Kinsombi, Tim Leibold und Bakery Jatta in unnachahmlicher Terodde-Manier vollendete.

Was der HSV vom Auftritt in Nürnberg lernen kann

Im zweiten Durchgang kontrollierte der HSV das Spiel, kam aber kaum mehr gefährlich zum Abschluss und vermied es, durch eigene Fehler den Gegner zu erneuten Konterchancen kommen zu lassen. Trotzdem wäre Nürnberg nach einem Fehler von Moritz Heyer und einem riskanten Pass von Torhüter Sven Ulreich beinahe zum 2:1 gekommen, doch der Keeper machte den Fehler gegen Manuel Schäffler wieder wett (63.).

Es war kein Spiel, von dem man in Zukunft mal seinen Kindern erzählen wird. Es war aber ein Spiel, das den Verantwortlichen gleich auf mehreren Ebenen Erkenntnisse brachte. Auch wenn all diese Erkenntnisse nicht sonderlich neu sind. Dass der HSV meist dann schwächer spielt, wenn sich eine Zufriedenheit einschleicht. Dass er Probleme hat, aus der Defensive heraus ein technisch sauberes Spiel aufzubauen, wenn er früh gepresst wird. Und natürlich, dass er alles dafür tun sollte, den Körper von Torjäger Terodde bis zum 23. Mai mit den maximal möglichen Mitteln zu pflegen und zudem rechtzeitig die Frage um seine offene Zukunft zu klären.

HSV-Trainer Thioune fordert mehr Tempo und Struktur

Zudem bleibt die Erkenntnis, dass 30 Punkte nach 15 Spielen zwar im Saisonschnitt zum Aufstieg reichen, die Tabelle zu diesem Zeitpunkt aber noch wenig Rückschlüsse zulässt. Vor einem Jahr hatte der HSV zum selben Zeitpunkt 29 Punkte, ein Jahr davor sogar 31 Punkte. Wo der Club nach jeweils 34 Spielen landete, ist bekannt. Damit der HSV in diesem Jahr auch am Ende oben steht, wird er sich steigern müssen. Auch das weiß der Coach. „Wir können strukturierter und mit mehr Tempo nach vorne spielen. Das können wir dann gerne nächste Woche tun.“

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In den Niedersachsen-Wochen gegen Thiounes alte Liebe Osnabrück und anschließend in Braunschweig sollte der HSV gewinnen. Nur dann können die Hamburger mit dem Punkt in Nürnberg zufrieden sein. Und nur dann kann er am Ende noch sehr viel wert sein.