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Bernd Hoffmann erpresst – Laptop-Krimi landet vor Gericht

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Jakob Drechsler
Bernd Hoffmann war in seiner Zeit als HSV-Boss im ICE bestohlen worden.

Bernd Hoffmann war in seiner Zeit als HSV-Boss im ICE bestohlen worden.

Foto: Imago/Oliver Ruhnke

Dem damaligen HSV-Boss wurde Anfang des Jahres im ICE ein Notebook mit vertraulichen Inhalten gestohlen. Was dem Angeklagten droht.

Hamburg. Es war ein großer Schreck für Bernd Hoffmann, als er an jenem Dienstag im Januar bemerkte, dass er im ICE bestohlen wurde. Besonders pikant: In der beim Halt am Hamburger Hauptbahnhof entwendeten Tasche befand sich unter anderem der Laptop des damaligen Vorstandsvorsitzenden des HSV. Mit den vertraulichen Inhalten auf dem Notebook sollte Hoffmann schließlich erpresst werden. Gegen die Zahlung von 5000 Euro, so die Forderung eines Unbekannten, würde der Fußball-Funktionär sein Arbeitsgerät zurückerhalten.

HSV-Boss zur Scheinübergabe im Volkspark

Hoffmann ging in Absprache mit der Polizei zum Schein darauf ein und begab sich exakt eine Woche nach dem Diebstahl, am 21. Januar dieses Jahres, zur verabredeten Geldübergabe im Schatten des Volksparkstadions an der Sylvesterallee. Dabei klickten die Handschellen, die anwesenden Beamten nahmen den mutmaßlichen Erpresser Farouk S. fest. Am kommenden Donnerstag wird der Fall am Amtsgericht in Altona verhandelt. Dann muss sich der 27-Jährige wegen Hehlerei und Erpressung verantworten (Aktenzeichen: 3413 Js 78/20).

Hoffmann-Erpresser droht lange Haftstrafe

Und das Urteil könnte Farouk S. empfindlich treffen: Dem vorbestraften Angeklagten drohen neben einer Geldstrafe im Extremfall bis zu fünf Jahre Haft. "Das Strafmaß hängt auch vom Aussageverhalten und den Lebensumständen des Angeklagten ab", sagt Staatsanwaltschafts-Sprecherin Nana Frombach. Neben vier weiteren Zeugen ist auch Bernd Hoffmann selbst zum Prozess geladen. Ob der 57-Jährige auch tatsächlich erscheinen wird, muss hingegen abgewartet werden.

Anklage auch gegen Laptop-Dieb erhoben

Geklärt werden muss indes auch noch sowohl die Frage, wie Farouk S. überhaupt an Hoffmanns Laptop geraten konnte, als auch, wie er auf den damaligen HSV-Chef kam. "In der Tasche war etwas, was auf den Eigentümer hinwies", hatte Hoffmann selbst wenige Tage nach dem Vorfall im NDR-Radio gesagt.

Und was ist mit dem mutmaßlichen Dieb? Nachdem im Januar die Festnahme eines Verdächtigen vermeldet worden war, heißt es nun seitens Staatsanwaltschaft und Gericht, dass das Notebook von Unbekannten gestohlen worden war. Nach Abendblatt-Informationen ist inzwischen aber auch gegen den mutmaßlichen Laptop-Dieb, der sich in einer Unterkunft in Boostedt bei Neumünster aufgehalten haben soll, Anklage erhoben worden. Ein Termin für eine Gerichtsverhandlung steht allerdings noch nicht fest.

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Auch ein Journalist als Zeuge geladen

Licht ins Dunkel bringen könnten die geladenen Zeugen. Unter ihnen ist auch ein Journalist, dem Farouk S. die vertraulichen Laptop-Daten angeboten haben soll. Außerdem werden drei Polizisten befragt: Der Beamte, bei dem Hoffmanns Anzeige einging sowie die Kollegen, die bei der Festnahme im Rahmen der inszenierten Übergabe respektive bei der Durchsuchung der Wohnung des Diebstahl-Verdächtigen anwesend waren.

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