Schnelltest

Führt die Bundesliga das Corona-Testverfahren des HSV ein?

| Lesedauer: 4 Minuten
Kai Schiller und Henrik Jacobs
HSV-Mannschaftsarzt Götz Welsch reagierte am Sonnabend nach den positiven Corona-Befunden bei den Würzburger Kickers schnell.

HSV-Mannschaftsarzt Götz Welsch reagierte am Sonnabend nach den positiven Corona-Befunden bei den Würzburger Kickers schnell.

Foto: Tim Groothuis / WITTERS

Die neuen PCR-Tests einer Hamburger Firma verhinderten die Absage des Spiels gegen Würzburg. Es könnte ein Präzedenzfall sein.

Hamburg. Am Sonntagmorgen gönnte sich Götz Welsch ein bisschen Qualitätszeit. Der HSV-Mannschaftsarzt schlief aus und genoss anschließend ein paar Stunden mit seiner Familie. Das komplette Kontrastprogramm hatte Welsch am Morgen zuvor erlebt: Der geballte Stress ging los, als er am Sonnabend um kurz vor 8 Uhr morgens einen Anruf seines Würzburger Kollegen Dirk Böhm erhielt.

Der Kickers-Mannschaftsarzt berichtete seinem HSV-Kollegen, dass er in der Nacht zum Sonnabend um 1 Uhr die Testresultate aus dem Augsburger Labor bekommen habe, nach denen drei Würzburger Corona-positiv seien: Abwehrchef Douglas (32) sowie die Co-Trainer Philipp Eckart (30) und Kurtulus Öztürk (40). Alle drei seien isoliert worden – wobei nun die Frage im Raum stünde, ob die Partie gegen den HSV noch stattfinden könnte.

Welsch reagierte umgehend und setzte alle Hebel in Bewegung, einen zweiten Fall Aue zu verhindern. Zur Erinnerung: Das HSV-Heimspiel gegen den FC Erzgebirge war drei Wochen zuvor ausgefallen, weil nach zwei positiven Corona-Fällen, die sich später als falsch herausstellten, nicht mehr rechtzeitig genug Nachtests veranlasst werden konnten.

Vor HSV-Spiel gegen Würzburg: Hotelrestaurant wird zum Corona-Labor

Nachdem nun Welsch beim HSV-Labor Lademannbogen zunächst niemanden erreichte, hatte er bei Thomas Wüstefeld, dem Geschäftsführenden Gesellschafter der Medizintechnik- und Biotech-Firma sanaGroup, mehr Glück. Die Hamburger Firma arbeitet bereits seit Wochen in Kooperation mit dem HSV an einem sogenannten Fasttrack-PCR-Test, einem schnellen und autarken PCR-Test. Wüstefeld bot sofort seine Hilfe an und fuhr zusammen mit Welsch das Equipment ins Kickers-Mannschaftshotel Lindner am Tierpark Hagenbeck.

Bevor dort allerdings das Hotelrestaurant zum mobilen Labor umfunktioniert wurde, mussten zunächst die Corona-Taskforce der DFL und das Gesundheitsamt in Würzburg ihr Einverständnis geben. Während Kickers-Arzt Böhm sich um das Gesundheitsamt kümmerte, übernahm Welsch die DFL. Am Telefon überzeugte der HSV-Doc die DFL-Ärzte von der Vorgehensweise, zunächst einen herkömmlichen Antigen-Schnelltest und anschließend den neuen Fasttrack-PCR-Test zu machen. Doppelt hält besser – kostet aber auch Zeit.

So arbeiteten sich die beiden Ärzte zunächst mit den Schnelltests, deren Resultate nach 15 Minuten feststehen, Spieler für Spieler durch. Nach ausschließlich negativen Ergebnissen wurden auch die sanaGroup-Tests durchgeführt, deren Resultate aber erst feststanden, als die Kickers mit Genehmigung der DFL bereits auf dem Weg in den Volkspark waren. Die erstaunlichen Ergebnisse: Auch die drei vom Augsburger Labor zunächst positiv getesteten Würzburger waren negativ, blieben aber zur Sicherheit in Quarantäne.

HSV besiegt Würzburg – Bilder des Spiels:

Falsche Corona-Testergebnisse durch Überlastung?

Fälle wie diese hatten sich in den vergangenen Wochen gehäuft. So kam es unter anderem auch in Aue, beim 1. FC Heidenheim und beim FC Bayern München vor, dass Spieler wie Serge Gnabry zunächst positiv und später dann doch negativ getestet wurden. Laut HSV-Arzt Welsch wäre die mögliche Erklärung, dass die Labore wegen der gestiegenen Inzidenzen längst an die Grenzen ihrer Testkapazitäten gestoßen seien. Auch dieses Problem könnte durch den neuen Fasttrack-PCR-Test behoben werden.

Mit dem mobilen Testgerät, das nicht größer als eine Brotbox ist, können bis zu 21 Menschen gleichzeitig auf das Sars-Cov-2-Virus sowie auf Influenza A und B getestet werden. Diese Proben müssen dann nicht mehr ins Labor geschickt werden. Sieben bis elf Arbeitsschritte, die manuell im Labor ausgeführt werden und fehleranfällig sind, könnte man sich so sparen.

Lesen Sie auch:

All das soll nun offenbar auch die Verantwortlichen der DFL beeindruckt haben. Bereits an diesem Montag soll die Corona-Taskforce der DFL tagen – und dabei auch über den Hamburger Fasttrack-PCR-Test sprechen. Neben dem HSV hatten bereits auch der FC St. Pauli, der VfL Wolfsburg und Hertha BSC großes Interesse an dem neuen Test gezeigt. Nach dem Würzburg-Spiel könnte der Test nun sogar für alle Bundesligaclubs eingeführt werden – nicht nur zur Freude von HSV-Arzt Welsch.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: HSV