Fußball

Belastungsprobe: Der HSV im Stresstest

Im Mai trafen sich Aaron Hunt (r.) und Fürths Branimir Hrgota zum Start des stressigen Restprogramms

Im Mai trafen sich Aaron Hunt (r.) und Fürths Branimir Hrgota zum Start des stressigen Restprogramms

Foto: imago

Innerhalb einer Woche spielen die Hamburger in Fürth, gegen Aue und gegen Würzburg. Belastungsprobe für neu formierten Kader.

Hamburg.  Um 19.10 Uhr hob der HSV am Freitagabend ab. Eurowings-Flug EW 7050 brachte die Hamburger von Fuhlsbüttel nach Nürnberg. Am heutigen Sonnabend steht nur wenige Kilometer weiter im Sportpark Ronhof das Auswärtsspiel bei Greuther Fürth (13 Uhr/Sky und im Liveticker auf abendblatt.de) an. Dass sich der HSV für das Flugzeug als Reisemittel entschieden hat, bezeichnet man heutzutage als Belastungssteuerung. Nachdem das bislang letzte Ligaspiel in Paderborn (4:3) fast drei Wochen zurückliegt, müssen die Hamburger nun gleich drei Partien innerhalb von sieben Tagen bestreiten.

Am Sonnabend in Fürth, vier Tage später im Volksparkstadion gegen Erzgebirge Aue und wiederum drei Tage später erneut zu Hause gegen die Würzburger Kickers. Durch das verschobene Spiel gegen Aue stehen die Hamburger vor ihrem ersten großen Stresstest der Saison.

„Wir wären natürlich lieber im Flow geblieben“, sagte Trainer Daniel Thioune vor dem erst dritten Saisonspiel. Die Situation wird zusätzlich erschwert, weil mit Kapitän Tim Leibold (Adduktorenzerrung), Innenverteidiger Stephan Ambrosius (Quarantäne) und Außenverteidiger Josha Vagnoman (Bänderriss) gleich drei Abwehrspieler fehlen, die am ersten Spieltag noch in der Startelf standen. Zudem fällt Mittelfeldspieler David Kinsombi aufgrund von Wadenproblemen auch in Fürth noch aus. „Die maximale Stabilität ist bei uns noch nicht gegeben“, sagte Thioune.

Auch die Kaderzusammenstellung wird auf die Probe gestellt

Angesichts der Belastung in der kommenden Woche wird nun auch die Kaderzusammenstellung auf die Probe gestellt. Ist der HSV in der Lage, den erstmaligen Ausfall von Linksverteidiger Leibold zu kompensieren? Reicht die Breite im Kader aus, um auf mögliche weitere Ausfälle reagieren zu können? Aktuell hat der Trainer noch genug Optionen, um in der Defensive Lösungen zu finden. Vor allem die Verpflichtung des polyvalenten Moritz Heyer, der in Fürth voraussichtlich Leibold links hinten ersetzen wird, stellt sich bereits zum frühen Zeitpunkt der Saison als notwendige Entscheidung heraus.

Wie wahrscheinlich ist ein Abgang von HSV-Vorstand Boldt?

Auch der Verbleib von Gideon Jung dürfte Thioune gut passen. Der Defensivallrounder, der sich in der abgelaufenen Transferperiode lange mit einem Wechsel beschäftigt hatte, könnte schon in Fürth wieder in der Startelf stehen. Genau wie Routinier Aaron Hunt, der sich während der Länderspielpause im Training und im Test gegen den FC Fredericia (Dänemark) empfohlen hatte und in dieser Woche auch von seinem Trainer gelobt wurde.

Als Kapitän wird Hunt den HSV aber nicht mehr anführen. Vieles deutet darauf hin, dass Toni Leistner in seinem ersten Ligaspiel nach seiner Sperre den verletzten Leibold vertritt. Leistner teilt sich das Amt des Vizekapitäns seit dieser Saison mit Klaus Gjasula. Dem Albaner droht nach seinem schwachen Spiel zuletzt in Paderborn allerdings erstmals die Ersatzbank.

Nach dem Spiel in Fürth wird der HSV mit dem Bus nach Hamburg zurückreisen

Thioune muss vor dem Dreierpack gegen Fürth, Aue und Würzburg auch entscheiden, ob er bei seiner Aufstellung rotieren will oder an einer festen Formation festhält. Seine Vorgänger hatten beim HSV mit ihrem Rotationsprinzip in englischen Wochen keine guten Erfahrungen gemacht. So lagen die Hamburger vor ziemlich genau einem Jahr unter Dieter Hecking nach einem spektakulären 6:2-Sieg gegen den VfB Stuttgart souverän an der Tabellenspitze. Drei Tage später ließ Hecking im Pokalspiel gegen denselben Gegner ordentlich rotieren. Der HSV verlor 1:2, schied aus dem Pokal aus, und auch die gute Stimmung war wieder gedämpft. Richtig schlecht wurde diese, als der HSV wiederum drei Tage später beim Tabellenletzten Wehen Wiesbaden trotz Überzahl in der Nachspielzeit den 1:1-Ausgleich kassierte. Heckings Mannschaft sollte sich in der Hinrunde von diesem Rückschlag nicht mehr richtig erholen.

Thioune: So will der HSV in Fürth gewinnen
Thioune: So will der HSV in Fürth gewinnen

Vor zwei Jahren war es Christian Titz, der in den drei Spielen innerhalb einer Woche fast jede Position veränderte, die man verändern konnte. Am Ende der Woche gab es eine 0:5-Heimniederlage gegen Jahn Regensburg, über die Titz schließlich stürzte. Thioune wird daher gewarnt sein, wie er die kommende Woche gestaltet. Insbesondere das Heimspiel gegen Aue wurde beim HSV als eines der Schlüsselspiele definiert.

Klar ist schon jetzt, dass die Hamburger in der kommenden Woche keinen freien Tag einlegen. Das lässt der enge Spielplan auch gar nicht zu. Nach dem Spiel in Fürth wird der HSV mit dem Bus nach Hamburg zurückreisen und am Sonntag mit der Vorbereitung auf das Aue-Spiel beginnen.

In Fürth fing damals alles an

Erinnerungen wurden in der Mannschaft am Freitag wach an den Mai. Mit der Reise nach Fürth begann für den HSV damals der bislang letzte große Stresstest mit neun Spielen in sechs Wochen. Es waren die Wochen, die mit dem 2:2 in Fürth begannen und Ende Juni mit dem 1:5 gegen Sandhausen endeten. Die Wochen, in denen der HSV den Aufstieg durch die vielen entscheidenden Gegentore in der Nachspielzeit verpasste. In Fürth fing damals alles an, als die Hamburger zunächst einen Rückstand in ein 2:1 drehten, dann aber trotz vieler Chancen die vorzeitige Entscheidung verpassten. Mit der letzten Aktion glichen die Franken nach einer Ecke aus.

Am Freitagnachmittag ließ Thioune noch unmittelbar vor der Abreise im Volkspark Standardsituationen trainieren, ehe es mit dem Bus zum Flughafen ging. Am Sonnabend in einer Woche wird der Trainer nach dem Spiel gegen Würzburg wissen, wie stressfähig seine neue Mannschaft ist. Schon jetzt weiß er sicher, dass in dieser Saison noch einige Stresstests folgen werden. ​