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Tim Leibold: „Unser Teamgeist wird entscheidend sein“

HSV-Kapitän Tim Leibold beim Foto-Shooting des Hamburger Abendblatts

HSV-Kapitän Tim Leibold beim Foto-Shooting des Hamburger Abendblatts

Foto: Andreas Laible / Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Der neue HSV-Kapitän spricht über seine künftige Rolle und Ballast der Vorsaison. Im Podcast wird er zudem von Uwe Seeler überrascht.

Hamburg. An der Seite von Jonas Boldt verfolgte Tim Leibold am Donnerstagmittag das Testspiel des HSV gegen den FC Fredericia. Der Kapitän und der Sportvorstand der Hamburger hatten sich im zweiten Stock der Alexander-Otto-Akademie einen trockenen Ort ausgesucht, von dem aus sie den 4:3 (2:2)-Sieg gegen den dänischen Zweitligisten im Hamburger Dauerregen verfolgen konnten. Auf dem neuen Hybridrasen des Trainingsplatzes III gewann der HSV beim Debüt von Torhüter-Neuzugang Sven Ulreich durch Tore von Sonny Kittel (2), Bakery Jatta und Bobby Wood.

Weil Leibold wegen einer Adduktorenzerrung nicht dabei sein konnte, übernahm Innenverteidiger Toni Leistner in seinem ersten Spiel seit dem Dresden-Eklat die Kapitänsbinde. Ob Linksverteidiger Leibold rechtzeitig zum nächsten Ligaspiel bei Greuther Fürth am Sonnabend in einer Woche wieder fit wird, ist offen. „Es gibt noch Hoffnung. Der Heilungsprozess läuft gut. Ich wäre schon gerne dabei“, sagt Leibold, als er kurz vor dem Spiel mit dem Abendblatt im Podcast „HSV - wir müssen reden“ zusammensitzt, um erstmals über seine neue Rolle als Kapitän zu sprechen.

Trainer Daniel Thoune machte Leibold zum Kapitän

Vor vier Wochen wurde der 26-Jährige von Trainer Daniel Thioune zum neuen Spielführer ernannt, nachdem das Team zunächst den Mannschaftsrat gewählt hatte. „Der Trainer hat mir gesagt, dass er es sich gut vorstellen kann mit mir als Kapitän. Ich habe die Aufgabe dankend angenommen“, sagt Leibold, der zum ersten Mal seit der U16 beim SGV Freiberg eine Mannschaft als Kapitän führt.

HSV - wir müssen reden: diesmal mit Tim Leibold

In der Mannschaft erfährt Leibold eine hohe Akzeptanz. Vor allem auch nach seiner starken Premierensaison beim HSV, in der er keine Spielminute verpasste und 19 Torvorlagen gab. In seinem zweiten Jahr will er nun auch abseits des Platzes noch mehr Verantwortung übernehmen. Ein Wechsel im Sommer kam für ihn gar nicht erst infrage. „Nach dem verdienten Nichtaufstieg war mir schnell klar, dass ich es mit dem HSV in der neuen Saison besser machen will“, sagt Leibold. „Die Kapitänswahl war nun das i-Tüpfelchen für mich.“

HSV: Was in der Saison 2019/2020 gefehlt hat

Leibold will auch dafür sorgen, dass die Stimmung in der Kabine im Vergleich zur Endphase der vergangenen Saison wieder besser wird. „Natürlich gucke ich, dass wir in der Kabine eine gute Stimmung haben und sich das entwickelt, was uns am Ende der letzten Saison ein bisschen gefehlt hat. Wir müssen den Teamgeist über die gesamte Saison aufrechterhalten. Das ist nicht immer einfach. Aber der Teamspirit ist gerade in der Zweiten Liga entscheidend.“ Leibold erinnert sich, wie die Stimmung in der Kabine in der Endphase immer schlechter wurde, als der HSV in den Schlussminuten gegen Fürth, Stuttgart, Kiel und Heidenheim den Aufstieg verspielte.

„Die vielen Nackenschläge haben uns einen Knacks gegeben. Da ist auch das Vertrauen untereinander verloren gegangen. Das hat man am Ende schon gemerkt“, erzählt Leibold ganz offen. „Die vielen späten Gegentore machen natürlich etwas mit dir persönlich, aber auch mit der Mannschaft. Da konnten wir uns am Ende nicht mehr gegen stemmen.“

Neue Führungsspieler kamen auch von außen

Nach den zwei Siegen zum Saisonstart war die Stimmung zuletzt wieder deutlich besser. In seiner Rolle als Kapitän will Leibold dafür sorgen, dass das auch so bleibt. Auf, aber auch abseits des Platzes. Seine erste Amtshandlung als Spielführer: Leibold lud die gesamte Mannschaft zum Essen ein. „Ich bin ein fröhlicher Mensch, der mit jedem in der Mannschaft gut auskommt. Deswegen passe ich in die Rolle wohl gut rein.“

Leibold ist gerne mal für ein „Späßle“, wie er als Schwabe sagt, zu haben. Als Kapitän will er sich in dieser Hinsicht aber nicht verändern. „Gerade im Training finde ich es gut, wenn auch mal gelacht wird. Das verändert die Stimmung in der Mannschaft insgesamt.“

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Um die Struktur in der Mannschaft zu verändern, haben die Kaderplaner um Boldt und Sportdirektor Michael Mutzel bewusst nach neuen Führungsspielern gesucht. Mit Leistner, Ulreich, Simon Terodde und Klaus Gjasula kamen vier neue Profis dazu, die mit ihrer Erfahrung für mehr Ruhe im Team sorgen sollen. Ein Vorhaben, das gleich im ersten Pokalspiel bei Dynamo Dresden durch Leistners Tribünen-Eklat konterkariert wurde.

Leibold bezeichnet die Aktion als „unglücklich“, übt aber auch Verständnis, nachdem Leistner von einem Zuschauer übel beleidigt wurde. „Man darf so etwas nicht an sich heranlassen. Trotzdem erkauft sich kein Zuschauer mit einer Eintrittskarte das Recht, jemanden zu beleidigen. Die Hemmschwelle ist dahingehend gesunken.“

Um die Häuser ziehen? Klar kann man das heute noch...

An die guten alten Zeiten wird Leibold im Podcast auch von HSV-Idol Uwe Seeler erinnert. Der Ehrenspielführer der Nationalmannschaft fragt Leibold von Ex-Kapitän zu Kapitän, ob man als Mannschaft heutzutage auch noch mal „zusammen um die Häuser zieht“? Die Antwort des aktuellen Spielführers: „Klar kann man das heute noch, aber sicher nicht mehr so extrem wie früher.“

So wie Seeler und seine HSV-Kollegen 1960 den Gewinn der Deutschen Meisterschaft feierten, würde Leibold auch zu gerne im kommenden Sommer den Aufstieg mit dem HSV bejubeln. Intern hat man sich im Volkspark aber darauf verständigt, nicht mehr von diesem Ziel zu sprechen. „Wir haben in den ersten zwei Monaten nicht über den Aufstieg gesprochen und tun gut daran, auch in Zukunft nicht darüber zu sprechen.“

Nach 45 Minuten hat Leibold genug gesprochen. Schließlich wurde ihm erst vor drei Tagen ein Weisheitszahn gezogen. Die Operation hat bei ihm aber keine Schmerzen verursacht. Nun sollen auch die Adduktorenschmerzen bis zum Fürth-Spiel verschwinden.

Den Podcast mit Gastauftritten von Jochen Meinke, Frank Rohde, David Jarolim und Aaron Hunt gibt es auf abendblatt.de/hsv-podcast.