Zweite Liga

Woran der Transfer von Stürmer Hofmann zum HSV noch hakt

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Kai Schiller und Henrik Jacobs
Karlsruhes Stürmer Philipp Hofmann will zum HSV und der HSV will Philipp Hofmann. Was einfach klingt, ist aber kompliziert.

Karlsruhes Stürmer Philipp Hofmann will zum HSV und der HSV will Philipp Hofmann. Was einfach klingt, ist aber kompliziert.

Foto: imago / Sportfoto Rudel

Nach dem 4:3 in Paderborn freut sich der HSV über das Sturm-Duo Terodde und Wintzheimer – doch der Club will dennoch nachlegen.

Hamburg.  Es liegt wahrscheinlich in der Natur der Sache, dass ein Spektakel wie der 4:3-Sieg des HSV am Montagabend in Paderborn auch nach dem Abpfiff noch die eine oder andere Geschichte parat hält. Die Geschichte vom Torjäger vom Dienst beispielsweise, der nun alleiniger Rekordhalter der eingleisigen Zweiten Liga ist. Oder die Geschichte von dessen jungen Sturmkollegen, der gleich an allen vier Toren beteiligt war. Beides hübsche Geschichten, über die man nach einem Sieg mit vier Toren am Tag danach gerne plaudert.

Es gibt aber auch die Geschichte des Torjägers a. D., der nur ein paar Minuten spielen durfte – und sich nun überlegt, ob er nicht eine ganz neue Geschichte wagen sollte. Und dann gibt es da noch eine Geschichte von einem weiteren Angreifer, der aber nur zu einer echten Geschichte werden kann, wenn viele Wenn-dann-Konstellationen in den nächsten Tagen eintreten.

HSV will im Fall Hofmann Ernst machen

Für das entsprechende Storytelling war am Dienstagmorgen beim HSV Michael Mutzel zuständig. Der Sportdirektor stand auf dem Rasen im Volkspark, blinzelte in die Sonne und arbeitete nacheinander die Geschichten der vergangenen 24 Stunden ab. Als er auf die Wenn-dann-Geschichte von KSC-Stürmer Philipp Hofmann angesprochen wurde, fragte Mutzel ungläubig nach. Ob Karlsruhes Sportchef Oliver Kreuzer tatsächlich bestätigt habe, dass der HSV ein neues Angebot für den groß gewachsenen Angreifer hinterlegt habe?

Eine Geschichte, die Mutzel zwar einerseits nicht glauben wollte, andererseits aber auch nicht dementierte. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Ja, Kreuzer hat tatsächlich bestätigt, dass der HSV im Fall Hofmann Ernst machen will. Der frühere Hamburger räumte gegenüber der „Badischen Neuesten Nachrichten“ ein, dass der HSV ein neues Angebot für Hofmann abgegeben habe, sagte allerdings auch: „Ich gehe davon aus, dass es auch mit dem HSV keine Einigung geben wird.“

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Diese Geschichte, das scheint schon jetzt klar, ist noch nicht zu Ende erzählt. „Der Spieler Philipp Hofmann ist interessant“, sagte am Dienstag Mutzel. „Wir schauen, was geht und was nicht geht. Wir machen keine wilden Sachen.“ Tatsächlich hat der HSV nach Abendblatt-Informationen sein erstes Angebot in Höhe von rund einer Million Euro, das der Club bereits vor Wochen abgegeben hat, noch einmal nachgebessert. Ob der KSC, der drei Millionen Euro fordern soll, der HSV und Hofmann, die sich beim Gehalt bereits einig gewesen sein sollen, aber noch bis zum 5. Oktober auf eine gemeinsame Geschichte einigen können, ist eine ganz andere Geschichte.

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Ein Happy End kann diese Geschichte ohnehin nur haben, wenn auch die Geschichte rund um den derzeit unzufriedenen Lukas Hinterseer eine neue Wendung bekommt. Der 29-jährige Stürmer wurde in den ersten beiden Spielen jeweils nur eingewechselt: gegen Düsseldorf in der 69. Minute, in Paderborn erst in der 89. Minute. Wenn er nun bis zum Ende der Transferfrist einen zahlungskräftigen neuen Club findet, dann könnte es tatsächlich zu einer Kettenreaktion kommen, an deren Ende Hofmann doch noch zum HSV wechselt.

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Die wildeste Geschichte in diesem Zusammenhang: Auch das Gedankenmodell Hinterseer plus die Summe X für Hofmann soll diskutiert worden sein. Das Problem an dieser Geschichte: Hofmann soll in Karlsruhe unter 400.000 Euro verdienen, Hinterseer in Hamburg das Doppelte.

Bei all diesen Wenn-dann-Geschichtchen könnte man glatt vergessen, dass die besten Sturm-Geschichten beim HSV derzeit auf dem Platz erzählt werden. Zum Beispiel von Simon Terodde, der nach seinem 122. Zweitligator doch tatsächlich die bisherige Bestmarke der eingleisigen Zweiten Liga von Sven Demandt übertreffen konnte.

„Vielleicht kann man in fünf oder zehn Jahren mit seinen Jungs im Partykeller sitzen, Bier trinken und daran zurückdenken“, sagte Terodde nach dem spektakulären 4:3-Sieg in Paderborn gegenüber Sky – und versicherte: „Ich habe während des Spiels nicht eine Sekunde daran gedacht. Die Mannschaft steht im Vordergrund.“

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Eine schöne Geschichte, fand auch Mutzel, der am Morgen danach sogar ein wenig ins Kitschige abdriftete: „Das ist ein bisschen Simons Erfolgsrezept. Er nimmt sich selbst einfach nicht zu wichtig. Es ist toll, dass es solche Sportler noch gibt.“ Er habe den Stürmer, der nach vier Saisontoren in nur zwei Spielen bereits schon wieder die Torjägerliste anführt, nach der Partie in der Kabine bewusst zur Seite genommen und ihm gesagt, dass er auch ruhig mal stolz sein könnte.

„So ein Lob ist ihm fast schon unangenehm“, so Mutzel. Seine Lieblingsgeschichte war aber am Morgen nach dem 4:3 die von Youngster Manuel Wintzheimer. „Er war ja schon der Gewinner der Vorbereitung und knüpft weiter daran an“, sagte Mutzel, der sich besonders über Wintzheimers vier Torbeteiligungen gegen Paderborn freute. „Er ist ein unheimlich fleißiger Spieler. Er hat neben seiner Torgefahr auch eine gewisse Schlauheit im Spiel. Er bewegt sich super und hat obendrein noch einen sehr guten Abschluss.“

Ende gut, alles gut? Von wegen. Bekanntlich sind ja gerade erst zwei Saisonspiele vorbei, 32 geschichtsträchtige Spieltage gilt es noch zu absolvieren. Es bleibt stürmisch beim HSV.

Der HSV beendet Paderborner Achterbahnfahrt erfolgreich:

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