Heute DFL-Entscheidung

HSV bereitet schnelle Fan-Rückkehr vor – reagiert der Senat?

Die HSV-Profis wollen bald wieder vor ihren Fans im Stadion feiern.

Die HSV-Profis wollen bald wieder vor ihren Fans im Stadion feiern.

Foto: Christian Charisius / dpa

Zweitligist will nach Leipziger Vorbild Tausende Zuschauer ins Volksparkstadion lassen. Wie die Chancen für die HSV-Pläne stehen.

Hamburg.  In den Vorstandsbüros im Volksparkstadion werden sich Frank Wettstein und Jonas Boldt an diesem Donnerstag virtuell nach Frankfurt schalten. Auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) geht es ab 11 Uhr um ein Thema, das auch der HSV mit Spannung verfolgt.

Es ist die Frage, die die Clubs seit Wochen beschäftigt. Wie und wann können wieder Zuschauer in den Stadien der Bundesligen dabei sein – und vor allem: wie viele? Spätestens seit Dienstag hat das Thema eine neue Dynamik erhalten, nachdem Erstligist RB Leipzig vom zuständigen Gesundheitsamt die Erlaubnis erhalten hat, zum Saisonauftakt vor 8500 Zuschauern zu spielen.

Auch der HSV hat längst ein Konzept erstellt

Es war eine Nachricht, die bei den Clubs, aber auch in der Politik für Verwunderung sorgte. Insbesondere, da erst am vergangenen Donnerstag auf der Ministerpräsidentenkonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) der Beschluss gefasst worden war, dass eine Arbeitsgruppe bis Ende Oktober ein Konzept für die schrittweise Rückkehr von Zuschauern erarbeitet.

Doch einigen Clubs geht das nicht schnell genug. Die meisten, auch der HSV, haben seit Wochen ein Konzept erstellt, wie eine Lösung aussehen kann. Nun gehen RB Leipzig und das Land Sachsen in die Offensive.

Während Wolfsburgs Geschäftsführer Jörg Schmadtke den Vorstoß als „ungleiche Wettbewerbsbedingungen“ bezeichnete, begrüßt der HSV die jüngste Entwicklung. Die Hoffnung: Das Leipziger Modell könnte einen Stein ins Rollen bringen und Politik sowie DFL unter Druck setzen, eine einheitliche Lösung zu finden. Ein Konzept für bis zu 5000 Zuschauer im ersten Schritt hat man beim HSV vorbereitet. Nun wartet der Club auf ein neues Signal aus der Politik.

Kann der HSV auf Tschentscher und Grote zählen?

Der Hamburger Senat hält sich bislang im Vergleich zu anderen Bundesländern zurück. Bürgermeister Peter Tschen­tscher und Innensenator Andy Grote (beide SPD) gelten grundsätzlich als Befürworter einer Öffnung für Zuschauer.

Beim Tennisturnier am Rothenbaum, das am Tag nach dem Saisonauftakt des HSV gegen Fortuna Düsseldorf (18. September) beginnt, dürfen 1000 Zuschauer auf die Anlage. In der Planung ist sogar eine größere Zahl. Weil es sich um eine Einzelveranstaltung handelt, wäre das möglich. Für die Zweitligaspiele des HSV und des FC St. Pauli gilt dagegen bislang die Grenze von 1000 Zuschauern.

Aktuell gehen die Verantwortlichen beim HSV zwar nicht davon aus, gegen Düsseldorf schon wieder mit Zuschauern zu spielen. Sollte die Hamburger Politik aber die Weichen stellen, wäre der HSV vorbereitet. Mit der Einführung des Ticketpfands hatte der Club vor einer Woche bereits den Weg geebnet, wie die Vergabe der Karten funktionieren kann. Schon kurz nach der Bekanntgabe lag die Zahl der Fans, die diese Möglichkeit nutzen, im fünfstelligen Bereich.

Dynamo gegen HSV vor "gewisser" Zahl an Fans

Die regional sehr unterschiedliche Verfügungslage macht es der DFL allerdings schwer, eine schnelle und einheitliche Lösung zu finden. DFL-Boss Christian Seifert brachte seinen Unmut darüber deutlich zum Ausdruck. Das Zögern der Länderchefs stürzt den Dachverband der Bundesligaclubs in ein Dilemma.

Während Bayern München die Saison gegen Schalke 04 am 18. September Stand jetzt vor maximal 400 Zuschauern eröffnen dürfte, bereiten sich die Clubs in Sachsen auf Spiele mit Tausenden Fans vor. Dynamo Dresden will im DFB-Pokal gegen den HSV am Montag in zehn Tagen eine gewisse Zahl an Fans zulassen. Ligakonkurrent Erzgebirge Aue plant zum ersten Heimspiel gegen Greuther Fürth mit 4411 Zuschauern. Regionalligist Chemnitz darf im Pokal gegen Hoffenheim sogar vor 4632 Fans spielen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) äußerte zwar Verständnis für Entscheidungen aus einer lokalen Infektionslage heraus, sprach sich aber für ein einheitliches Vorgehen aus. Die Rückkehr der Fans müsse „bundesweit abgestimmt“ sein. Die DFL kann heute die Chance nutzen, um einen weiteren Schritt in diese Richtung zu gehen.