HSV-Profi

Jatta: Anonymer Brief "besorgter Bürger" führte zu Verfahren

| Lesedauer: 5 Minuten
Christoph Heinemann und Kai Schiller
Ist Bakery Jatta (22) Bakery Jatta oder heißt er in Wahrheit Bakary Daffeh und ist zwei Jahre älter?

Ist Bakery Jatta (22) Bakery Jatta oder heißt er in Wahrheit Bakary Daffeh und ist zwei Jahre älter?

Foto: Witters

Indizien sollen den HSV-Profi belasten. Anwälte halten Vorwürfe für "haltlos" und kritisieren Anwesenheit der "Bild" bei Durchsuchung.

Hamburg. Es war ein lauter Knall, mit dem die Debatte um die Identität von Bakery Jatta erneut begann – aber erst elf Tage nach der Durchsuchung seiner Wohnung werden nun die Hintergründe der Ermittlungen gegen den HSV-Flügelstürmer bekannt. Nach Abendblatt-Recherchen nahm das Verfahren durch einen anonymen Brief von „besorgten Bürgern“ seinen Anfang. Die Ermittler stützen sich nun auf zwei Indizien. Nachdem sie Einsicht in die Akten nehmen konnten, bezeichnen Jattas Anwälte den Vorgang dagegen als haltlos.

Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigte, lief von August 2019 bis Januar 2020 zunächst ein sogenanntes Vorermittlungsverfahren. Auslöser war nach Abendblatt-Informationen jedoch nicht die erste Berichterstattung der „Sport Bild“ – sondern ein anonymer Brief mit einer Strafanzeige, der von einer angeblichen „Gemeinschaft Besorgter Bürger“ – kurz GBB – unterschrieben war.

"Besorgte Bürger" beschuldigten Jatta erstmals

Darin hieß es, es gebe unwiderlegbare Beweise, dass Jatta in Wirklichkeit Bakary Daffeh hieße und einen illegalen Identitätstausch vorgenommen hätte. Gleichzeitig zeigten die „Besorgten Bürger“ auch den HSV, den damaligen Coach Dieter Hecking sowie den DFB an – wegen angeblicher Vertuschung ebenjener Straftat.

Am 8. Januar wurde laut Staatsanwaltschaft aus dem Prüfvorgang schließlich ein ausgewachsenes Ermittlungsverfahren gegen Jatta. Was dafür den Ausschlag gab, ist nicht vollständig bekannt – nach Abendblatt-Informationen soll die Berichterstattung in der Presse, bei der auch Bilder von Jatta und Daffeh nebeneinander abgedruckt worden waren, eine Rolle gespielt haben.

Polizei verglich Bilder von Jatta und Daffeh

Nun bejahte die Staatsanwaltschaft einen Anfangsverdacht und nahm tiefere Ermittlungen in dem Fall auf. Wirklich neue Indizien soll es zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht gegeben haben.

In der Folge wurden die Kriminaltechniker der Polizei eingeschaltet. Sie verglichen die Bilder von Jatta und Daffeh – dabei sei zwar kein klarer Beleg, aber eine gewisse Wahrscheinlichkeit festgestellt worden, dass es sich bei beiden um dieselbe Person handele. Ein fachlich gesichertes Gutachten eines externen Sachverständigen soll nicht vorliegen und bislang auch noch nicht beauftragt worden sein.

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Fall Jatta: Staatsanwaltschaft überprüfte Kontobewegung

Die Ermittler fanden jedoch Bewegungen auf dem Konto von Bakery Jatta, die sie für verdächtig halten. Der HSV-Profi überwies demnach mehreren ehemaligen Mitspielern von Bakary Daffeh kleinere Geldbeträge. Aus dem Umfeld von Jatta heißt es dazu, er habe sehr viele Menschen in Gambia und anderen Ländern finanziell von seinem Gehalt als Profi-Fußballer unterstützt.

Tatsächlich ist dies auch bei anderen afrikanischen Fußballern gang und gäbe – und die entsprechenden Netzwerke groß. Nach Abendblatt-Informationen soll die Staatsanwaltschaft ausschließen, dass es sich bei den Überweisungen um Schweigegeld gehandelt haben könnte. Dafür seien die Beträge – in der Regel weniger als einige Hundert Euro – zu gering.

Die Ähnlichkeit von Jatta und Daffeh sowie das transferierte Geld überzeugten jedoch einen Richter, dem Antrag auf eine Wohnungsdurchsuchung nachzugeben. Dabei wurden unter anderem Computer und das Mobiltelefon von Jatta beschlagnahmt. Aus diesem Vorgang haben sich aber bislang noch keine neuen Erkenntnisse ergeben. „Die Auswertung dauert an“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Jatta-Anwalt hält Vorwürfe für haltlos

Jatta wird in dem Verfahren von dem Hamburger Star-Anwalt Thomas Bliwier vertreten. Dieser sagte auf Abendblatt-Anfrage zu seinem Eindruck von den Ermittlungsakten: „Wir sind weiter überzeugt, dass die Vorwürfe haltlos sind. Im Übrigen sind uns weiterhin keine Zweifel daran bekannt, dass die Ausweisdokumente von Herrn Jatta authentisch und gültig sind.“ Dies war von mehreren gambischen Behörden bestätigt worden. Zum Stand des Verfahrens wollte sich Bliwier nicht äußern.

Warum war die "Bild" bei der Durchsuchung von Jattas Wohnung dabei?

Aus dem Umfeld von Bakery Jatta heißt es, man sei verwundert und verärgert, „dass die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen auf einem Brief von mutmaßlich Rechtsextremen begründet hat“. Der renommierte Strafverteidiger Gerhard Strate, der in dem Fall im vergangenen Jahr vom HSV beauftragt worden war, verwies ebenfalls auf die gültigen Ausweisdokumente. „Es gehört zu den völkerrechtlichen Prinzipien, dass beglaubigte Dokumente auch anzuerkennen sind“, so Strate.

Er kritisiert auch, das die „Bild“-Zeitung bei der Durchsuchung von Jattas Wohnung zugegen war. „Das ist absolut inakzeptabel“, so Strate. Woher die Reporter den Tipp bekamen, ist unklar.

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