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Auf Nimmerwiedersehen? HSV verabschiedet vier Profis

| Lesedauer: 7 Minuten
Timo Letschert (2. v. r.) und Jairo Samperio (2. v. l.) sind seit Mittwoch keine HSV-Spieler mehr.

Timo Letschert (2. v. r.) und Jairo Samperio (2. v. l.) sind seit Mittwoch keine HSV-Spieler mehr.

Foto: Valeria Witters / WITTERS

"Schulbuben": Matthäus zerpflückt Mannschaft. Pokal: HSV einst noch später als Bayern. Weiterer Hecking-Fürsprecher.

Die HSV-News am Donnerstag, den 2. Juli 2020:

Verträge ausgelaufen: HSV verabschiedet vier Profis

Vier Tage nach dem verpassten Bundesliga-Aufstieg hat der HSV vier Profis verabschiedet, deren Verträge zum 30. Juni ausgelaufen sind. Christoph Moritz, Jairo Samperio, Timo Letschert und Kyriakos Papadopoulos gehörten seit Mittwoch nicht mehr offiziell zum Kader, teilte der Verein mit. "Der HSV bedankt sich bei allen Spielern für den gezeigten Einsatz im Zeichen der Raute", hieß es. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass sie sich die Wege im Rahmen einer erneuten Zusammenarbeit nochmals kreuzen werden."

Das schien vor allem für Letschert zu gelten. Der niederländische Innenverteidiger war vor einem Jahr gekommen und war nach Verletzungsproblemen unter Trainer Dieter Hecking zum Abwehrchef aufgestiegen. Doch unabhängig davon, ob Hecking weitermachen darf, hat Letschert wohl keine Zukunft in Hamburg. Laut "Bild"-Zeitung will der HSV die Innenverteidigung komplett umbesetzen, mindestens zwei Neue solle demnach kommen.

Bereits am Mittwoch hatte der HSV die Leihspieler Adrian Fein (Bayern München), Martin Harnik (Werder Bremen), Joel Pohjanpalo (Bayer Leverkusen), Jordan Beyer (Borussia Mönchengladbach) und Louis Schaub (1. FC Köln) verabschiedet.

Razzia bei Bakery Jatta

In der Identitätsdebatte um Bakery Jatta ist am Donnerstagmorgen die Wohnung des HSV-Profis auf der Uhlenhorst durchsucht worden. Wegen des Vorwurfs eines Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetztes suchten die Ermittler nach möglichen elektronischen Beweismitteln. Mehr zur Razzia bei Jatta lesen Sie hier.

Matthäus stellt Charakter der HSV-Profis infrage

Lothar Matthäus hat erneut harsche Kritik am HSV geübt und dabei vor allem die Einstellung der Hamburger Profis beim Saisonfinale gegen Sandhausen (1:5) ins Visier genommen.

"Wie kann es sein, dass die Spieler aus Sandhausen um ihr Leben rennen und die Hamburger Jungs aussehen wie Schulbuben, obwohl sie das Zehnfache verdienen?", schrieb der Weltmeisterkapitän von 1990 in seiner Kolumne "So sehe ich das" auf skysport.de: "Das hat etwas mit Charakter und Zusammenhalt zu tun."

HSV geht mit 1:5 gegen Sandhausen unter:

Kritik am HSV und anderen Traditionsclubs

Klare Worte fand Matthäus auch für andere Traditionsclubs. "Wer zerreißt sich für diese strahlenden Clubs wie die Fans auf den Rängen oder vor dem Fernseher? Wenn Spieler und auch einige Verantwortliche von Hamburg, Schalke und Nürnberg die Vereinsfarben nur annähernd so fühlen würden, wie die vielen treuen Anhänger, wären die Sorgen höchstens halb so groß", so der 59-Jährige, "der FC und der BVB hätten dann am letzten Spieltag übrigens auch anders agiert". Köln hatte am letzten Bundesliga-Saisonspieltag in Bremen 1:6, Borussia Dortmund mit 0:4 gegen die TSG Hoffenheim verloren.

Matthäus schrieb den Traditionsclubs ins Stammbuch: "Nicht alle können und müssen so viel Weitsicht wie Max Eberl haben oder so professionell wie die Bayern sein. Aber wer mit Positionen auf der Trainerbank und im Präsidium jahrelang schachert und keinen wirklichen Plan verfolgt, der ist selbst schuld, dass die Tradition flöten geht."

Lothar Matthäus zweifelt an Dieter Hecking

Schon vor dem Saisonfinale gegen Sandhausen hatte Matthäus kaum ein gutes Haar am HSV gelassen. Bei seinem Rundumschlag nahm er auch Dieter Hecking nicht von Kritik aus. "Ich bin mir auch nicht so ganz sicher, ob Dieter Hecking der richtige Mann für so einen Neuaufbau, eine Aufbruchsstimmung, einen modernen und dynamischen Fußball ist", hatte Matthäus vergangene Woche gesagt.

"Ich frage mich schon, wieso Persönlichkeiten wie Horst Hrubesch, Manni Kaltz oder Felix Magath dort über die Jahre nicht in verantwortlichen Positionen installiert wurden."

Willi Schulz für neuen Hecking-Vertrag

Bei einer Reihe langjähriger HSV-Profis steht Hecking dagegen deutlich höher im Kurs. Und so hat sich nach Uwe Seeler und Dennis Diekmeier nun auch Willi Schulz für einen Verbleib des 55-Jährigen im Volkspark ausgesprochen.

"Der Trainer hat keine Schuld. Die Jungs, die auf dem Platz stehen, müssen es richten", sagte der 81 Jahre alte Ex-Nationalspieler der Deutschen Presse-Agentur. Dass der HSV wie in der vergangenen Saison nur den vierten Platz belegt hat, habe ihn nicht geschockt: "Das war kein Schock, das ist Sport."

Die Meinung einiger Kritiker, der erfahrene Hecking habe seine Profis in der entscheidenden Saisonphase nicht mehr erreicht, teilt Schulz überhaupt nicht. "Gute Spieler sind im richtigen Moment immer am richtigen Platz", betonte der einstige Abwehrchef des HSV, dessen Trikot er von 1965 bis 1973 in 211 Bundesliga-Spielen getragen hat.

Seeler und Diekmeier für Trainer-Konstanz

Sein einstiger Teamkollege Seeler hatte ebenfalls die HSV-Profis für das bittere Scheitern im Aufstiegskampf verantwortlich gemacht. "Die Truppe hat uns bis auf die Knochen blamiert. So eine Vorstellung ist unverständlich und nicht zu tolerieren", sagte er zum verpatzten Saisonfinale im Volksparkstadion gegen den SV Sandhausen (1:5).

Auch "Uns Uwe" ist für ein Festhalten an Hecking, nachdem der HSV seit dem verpassten Europa-League-Finale 2010 inklusive aller Interimscoaches 16 Fußball-Lehrer verschlissen hat. "Ich kann nur sagen, dass die dauernden Trainerwechsel unserem Verein in der Vergangenheit überhaupt nicht gutgetan haben. Deshalb halte ich davon nichts." Ähnlich hatte sich am Mittwoch auch Diekmeier geäußert.

Pokalfinale: Bayern nicht so spät wie der HSV

Am Sonnabend findet im Berliner Olympiastadion nun endlich auch das DFB-Pokalfinale statt. Das Endspiel zwischen Bayern München und Herausforderer Leverkusen ist übrigens das späteste seit dem Jahr 1974.

Damals trat der HSV wegen der Heim-WM erst am 17. August gegen Eintracht Frankfurt an. Die Rothosen verloren das Duell im Düsseldorfer Rheinstadion mit 1:3 nach Verlängerung. Den zwischenzeitlich Ausgleich für den HSV erzielte Ole Bjørnmose.

Der dänische Offensivspieler, der bis zur Ablösung durch Sergej Barbarez im Jahr 2008 übrigens den Rekord der meisten Bundesliga-Einsätze eines ausländischen Spielers hielt, revanchierte sich zwei Jahre später im Frankfurter Waldstadion.

Mit einem 2:0-Sieg im Endspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern holte Bjørnmose mit dem HSV zum bis dato zweiten Mal den Pokal, er selbst traf zum Endstand. Bjørnmose starb 2006 im Alter von 62 Jahren an einem Herzinfarkt.

Startet der HSV am 28. August?

Die neue Zweitliga-Saison könnte am 28. August beginnen, sofern die Winterpause nicht verkürzt werden soll. Dies geht aus einer Pressemitteilung der Deutschen Fußball Liga (DFL) hervor. Demnach habe die DFL im Zuge der Erstellung eines neuen Rahmenterminkalenders am Mittwoch die Clubs der Bundesliga und Zweiten Liga um ihre Einschätzung zu verschiedenen Planungsvarianten gebeten.

Der Start in der Bundesliga (11. oder 18. September) könnte ohne die Europacup-Teilnehmer erfolgen, da erst am 23. August das Champions-League-Finale stattfindet und Anfang September auch noch Länderspiele in der Nations League angesetzt sind.

( HA/dpa )

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