HSV verpasst Relegation

Was wird aus Hecking? Jansen schiebt Verantwortung weiter

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Peinlich: Der HSV verliert das letzte Saisonspiel um die Relegation gegen den SV Sandhausen. Im Volkspark jubeln nur die Gäste, für die sogar noch Dennis Diekmeier traf, der frühere HSV-Profi. Es war erst Diekmeiers zweites Tor als Profi.

Peinlich: Der HSV verliert das letzte Saisonspiel um die Relegation gegen den SV Sandhausen. Im Volkspark jubeln nur die Gäste, für die sogar noch Dennis Diekmeier traf, der frühere HSV-Profi. Es war erst Diekmeiers zweites Tor als Profi.

Foto: Witters

Das 1:5 gegen Sandhausen im Volksparkstadion war der Tiefpunkt einer am Ende grauenvollen Saison. Alle Reaktionen und Hintergründe.

Hamburg. Der HSV hat erneut den Aufstieg in die Bundesliga verpasst. Nach einer blamablen 1:5-Niederlage im letzten Saisonspiel gegen den SV Sandhausen beendete der HSV die Saison 2019/2020 auf Platz vier. Mitkonkurrent 1. FC Heidenheim verlor zwar 0:3 bei Arminia Bielefeld, sicherte sich aber den Relegationsplatz und damit zwei Spiele (Donnerstag und am darauffolgenden Montag jeweils 20.30 Uhr live bei DAZN) gegen den Bundesliga-16. Werder Bremen.

„So eine Leistung wie heute ist nicht zu entschuldigen", sagte HSV-Präsident Marcell Jansen. „Heute waren unsere Beine schwer, das soll aber keine Entschuldigung sein." Eine kleine Entschuldigung wollte Jansen dann aber doch suchen, er machte die Geisterspiele mitverantwortlich für den verpassten Aufstieg. „Uns haben sicher auch unsere Fans gefehlt, die uns normalerweise zu Hause tragen und die unser Herzstück sind."

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HSV-Debakel: Was wird aus Dieter Hecking?

Was nun aus HSV-Trainer Dieter Hecking und der Mannschaft um Kapitän Aaron Hunt wird, ist ungewiss. Es wird aber erwartet, dass Hecking in Hamburg bleibt. Festlegen wollte sich Präsident Jansen aber noch nicht. „Wir müssen jetzt in die Analyse gehen", sagte er und schob die Verantwortung an Sportvorstand Jonas Boldt weiter. „Ich habe vollstes Vertrauen in Jonas.“

Jener Boldt hatte am Sonntag vor dem Spiel erklärt: „Ich hab ganz klar gesagt, dass Dieter Hecking mein erster Ansprechpartner bleibt. Ich hoffe aber immer noch, dass wir über eine Vertragskonstellation gar nicht reden müssen, weil sich das von alleine erledigt.“

Von alleine erledigt hat sich nun aber nur, dass Hecking wegen des verpassten Aufstiegs aktuell keinen gültigen Vertrag für die neue Saison besitzt. Sein Arbeitspapier hätte sich nur beim Gang ins Fußball-Oberhaus automatisch verlängert.

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Hecking beklagt nervöses HSV-Spiel

Und was sagt der Trainer selbst? „Das war ein ganz enttäuschender Saisonausklang. Man hat gesehen, dass wir unter einer sehr großen Anspannung gespielt haben", sagte der Coach. „Wir haben es nicht geschafft, unsere Nervosität abzulegen. Vor allem nach unserem Anschlusstor zum 1:2 habe ich Galligkeit vermisst."

Weil sich die Art und Weise, wie sich der HSV durch einfachste Mittel Gegentore fängt, zuletzt wiederholt habe, sei das erneute Scheitern „ein Stück weit erklärbar“, sagte Hecking. „Es liegt in meiner Verantwortung, dass wir dieses Problem nicht in den Griff bekommen haben und dass wir uns in den vergangenen Wochen nicht verbessert haben.“

Als Hauptursache für das verpasste Saisonziel machte Hecking nicht das heutige Debakel gegen Sandhausen aus, sondern vielmehr die vielen Rückschläge nach Gegentoren in der Nachspielzeit, die „wahnsinnig viel Kraft“ gekostet hätten. „Wir haben den Aufstieg nicht heute verpasst", sagte der 55-Jährige. „In den entscheidenden Spielen hatten wir nicht das Fortune, als wir es gerade nach Corona verpasst haben, uns in einen Lauf zu spielen."

Hecking will beim HSV bleiben

Ob er nun Trainer des HSV bleibe, wisse er nicht. Hecking machte aber deutlich, dass dies weiterhin sein Wunsch sei. „Der HSV ist nach wie vor ein super Verein. Wir haben es alle nicht geschafft, und müssen jetzt gucken, wie wir das auffangen.“ Und ob eine weitere Zusammenarbeit noch Sinn mache.

Diekmeier trifft gegen den HSV

Es passte zum Auftritt des HSV, dass ausgerechnet (diese Fußball-Floskel muss an dieser Stelle sein) Dennis Diekmeier für die Schlusspointe sorgte. „Ich bin fitter als je zuvor und glücklich, dass wir heute gewonnen haben", sagte der jahrelang torlose Ex-Hamburger, für den es das zweite Profitor in seiner Karriere war. „Ich wollte den Ball eigentlich chippen, habe mir dann aber den Winkel ausgesucht.“ Ein Plan, der aufging.

Die Statistik

  • HSV: Pollersbeck – Jung (82. Kinsombi), van Drongelen (35. Jatta), Ewerton (46. Ambrosius) – Gyamerah (24. Vagnoman), Fein, Leibold – Dudziak, Hunt, Harnik (46. Kittel) – Pohjanpalo. – Trainer: Hecking
  • Sandhausen: Fraisl (89. Wulle) – Verlaat, Kister, Schirow – Diekmeier, Taffertshofer (72. Frey), Linsmayer, Paqarada – Biada (72. Türpitz) – Behrens (89. Bouhaddouz), Scheu (78. Engels). – Trainer: Koschinat
  • Schiedsrichter: Frank Willenborg (Osnabrück)
  • Tore: 0:1 van Drongelen (13.), 0:2 Behrens (22.), 1:2 Hunt (62./Elfmeter), 1:3 Behrens (84./Elfmeter), 1:4 Engels (89.), 1:5 Diekmeier (90. +3)
  • Torschüsse: 8:12
  • Ecken: 6:3
  • Ballbesitz: 65:35 %
( wal/HA )

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