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Muss Dieter Hecking gehen? Was der Trainer sagt

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HSV-Trainer Dieter Hecking (l.) diskutiert bei der Niederlage in Heidenheim mit seinem Assistenten Dirk Bremser.

HSV-Trainer Dieter Hecking (l.) diskutiert bei der Niederlage in Heidenheim mit seinem Assistenten Dirk Bremser.

Foto: Blatterspiel / imago images/Jan Huebner

Drei mögliche Nachfolger im Gespräch. Gefährliches HSV-Spiel mit Ewerton. Seeler von Spiel in Heidenheim tief enttäuscht.

Die HSV-News am Montag, den 22. Juni 2020:

Ewerton für Beyer? Hecking hin- und hergerissen

Mit drei Veränderungen in der Startelf und einer neuen taktischen Formation (3-5-2 statt 4-4-2) hatte HSV-Trainer Dieter Hecking am Sonntag im Schicksalsspiel beim 1. FC Heidenheim überrascht. Eine Stunde lang ging das Experiment ziemlich gut – dann schwanden bei den Neuen die Kräfte. "Es war klar, dass Jan Gyamerah und Jeremy Dudziak keine 90 Minuten durchhalten würden", sagte Hecking am Montag. Der Trainer musste wechseln – und seine Mannschaft verlor zuerst die Kontrolle und ganz am Ende auch das Spiel.

Am letzten Spieltag der 2. Bundesliga wird es beim HSV am Sonntag (15.30 Uhr/Sky, Liveticker bei Abendblatt.de) gegen Sandhausen in jedem Fall einer weitere Veränderung geben: Jordan Beyer, in Heidenheim als Innenverteidiger im Einsatz, ist nach fünf Gelben Karten gesperrt. Als Ersatz böte sich der von einer Knieverletzung genesene Ewerton an – doch bei einem Einsatz des Brasilianers droht sich die Dramaturgie von Heidenheim zu wiederholen.

"Wenn wir Ewerton reinwerfen, ist klar, dass er nie und nimmer 90 Minuten spielen kann", sagte Hecking. Er glaube zwar, dass der Innenverteidiger seiner Mannschaft "fußballerisch weiterhelfen kann. Aber wie lange?" Ewerton (31), vor der Saison aus Nürnberg gekommen, stand auch wegen mehrerer Verletzungen nur einmal für den HSV über die volle Spielzeit auf dem Platz – beim 1:1 gegen Sandhausen zum Abschluss der Hinrunde im Dezember.

Einem erneuten Einsatz Gyamerahs steht laut Hecking nichts im Wege. Der rechte Verteidiger habe bei seinem Startelf-Comeback lediglich einen "Ganzkörperkrampf" erlitten.

Hecking rätselt über Last-Minute-Gegentore des HSV

Zum vierten Mal seit der Corona-Pause hat der HSV bei der 1:2-Niederlage in Heidenheim am Sonntag in der Nachspielzeit noch Punkte verspielt. Dieter Hecking wusste dafür auch mit einem Tag Abstand keine schlüssige Erklärung: „Mir ist das mit den Last-Minute-Treffern in dieser Form in 20 Jahren als Trainer noch nie passiert. Da bin ich selbst am Ergründen, wie das passieren konnte. Man kann das nicht an einer Sache festmachen. Das Mentale? Das Körperliche? Die Qualität? Es ist ein Mix aus allem“, sagte der Trainer in einer Presserunde am Montag.

Muss HSV-Coach Hecking gehen? Drei Kandidaten im Gespräch

Noch hat der HSV den Aufstieg nicht verspielt. Doch für den Fall, dass die Hamburger wie in der Vorsaison auf dem vierten Tabellenplatz durchs Ziel gehen oder als Tabellendritter in der Relegation scheitern, wäre eine Trainerdiskussion unvermeidlich. Denn nur wenn der HSV aufsteigt, würde sich der Vertrag von Dieter Hecking automatisch um ein zweites Jahr verlängern – und im Fall des Klassenerhalts 2021 sogar um ein drittes.

Bilder des Last-Minute-K.-o. in Heidenheim:

Doch dieses Szenario droht seit der erneuten Last-Minute-Niederlage am Sonntag in Heidenheim ein Stück Papier zu bleiben. Hecking (55) hat zwar bereits mehrfach kundgetan, dass er sich ein zweites Jahr in der Zweiten Liga durchaus vorstellen könne. Doch die entsprechende Zusage, die der Vorstand und der Aufsichtsrat Hecking im Winter gegeben haben sollen, gilt nicht mehr – weil die Führungspersonen inzwischen andere sind.

Mit möglichen Alternativen zu Hecking hat sich der HSV angeblich bereits beschäftigt. Sky brachte André Breitenreiter (46) ins Gespräch. Der frühere HSV-Profi führte 2015 den SC Paderborn erstmals in die Bundesliga. Gleiches gelang ihm, nach einer durchaus nicht erfolglosen Saison auf Schalke, 2017 mit Hannover 96. Auch Tim Walter (44), der beim designierten Aufsteiger VfB Stuttgart im Winter gehen musste, sei ein Kandidat. Sowohl mit Breitenreuter als auch mit Walter habe HSV-Sportvorstand Jonas Boldt bereits Gespräche geführt, berichtet der Pay-TV-Sender. Boldt selbst versicherte der „Bild“-Zeitung nur, dass Hecking „der erste Ansprechpartner für die neue Saison“ bleibe.

Die „Hamburger Morgenpost“ spekuliert mit dem Namen eines anderen früheren HSV-Profis: Dimitrios Grammozis (41). Darmstadts scheidender Trainer hatte ein Angebot seines Vereins zur Vertragsverlängerung über diese Saison hinaus ausgeschlagen. Grammozis war bereits vor einem Jahr als HSV-Trainer gehandelt worden, galt damals aber noch als zu unerfahren. Nach Abendblatt-Informationen hat der HSV aber mit keinem der drei Kandidaten bereits Gespräche geführt.

Hecking will beim HSV weitermachen

Trainer Dieter Hecking hat am Montag bekräftigt, auch in der kommenden Saison für den HSV zur Verfügung zu stehen. „Die generelle Bereitschaft ist vorhanden, beim HSV weiterzumachen“, sagte Hecking. Das sei jedoch keine Einbahnstraße, sondern es sei die Frage, ob der HSV dies auch wolle. Derzeit sei allerdings „nicht der richtige Zeitpunkt“ , um über den Trainer zu diskutieren, meinte Hecking weiter. Er sehe sich auch nicht als gescheitert: „Dafür ist der Verein zu komplex.“

Noch können er und der HSV ihr Ziel über die Relegation gegen den Bundesliga-16. erreichen. „Für mich gilt es jetzt, den hundertprozentigen Fokus auf das Spiel gegen den SV Sandhausen zu legen – und dann hoffentlich auf zwei Relegationsspiele“, sagte Hecking. Am kommenden Sonntag muss seine Mannschaft siegen, um den Aufenthalt in der 2. Bundesliga nicht zu verlängern.

Zugleich muss der HSV hoffen, dass Zweitliga-Meister Arminia Bielefeld trotz Feierstimmung ernst macht und einen Sieg der Heidenheimer verhindert. „Ich glaube schon, dass die Bielefelder nach dem Donnerstag ein oder zwei Bierchen getrunken haben, wie sie da in Karlsruhe aufgetreten sind. Aber ich denke schon, dass sie auch in Bielefeld wissen, dass sie jetzt in der Pflicht stehen“ sagte Hecking. Und wenn nicht? „Okay, dann haben wir es verdaddelt.“

HSV-Idol Seeler nach Heidenheim-Schock tief enttäuscht

HSV-Ikone Uwe Seeler macht der schwere Rückschlag für die Hamburger im Aufstiegsrennen der 2. Bundesliga zu schaffen. „Ich bin so enttäuscht“, sagte der 83-Jährige der „Bild“-Zeitung am Sonntag nach dem 1:2 beim 1. FC Heidenheim am vorletzten Spieltag, durch das die Hamburger den Relegationsplatz an den Gegner hatten abtreten müssen. „Diese Niederlage muss ich erst mal verdauen“, sagte Seeler. Der HSV muss nun am letzten Spieltag auf einen Patzer der Heidenheimer in Bielefeld hoffen, um sich noch in die Relegation retten zu können.

Seeler hatte die bittere Partie am Sonntag wieder daheim verfolgen können, nachdem er am Freitag das Albertinen-Krankenhaus in Hamburg-Schnelsen verlassen hatte. Dort war dem Ehrenspielführer der Fußballnationalmannschaft ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt worden. Seeler hatte am 21. Mai bei einem Sturz in seinem Haus in Norderstedt bei Hamburg einen Schenkelhalsbruch erlitten. „Plötzlich lag ich auf der Nase und hatte böse Schmerzen. Ich weiß wirklich nicht, wie das passiert ist“, sagte Seeler.

Der HSV in Heidenheim in der Einzelkritik

Er müsse nun in einer Reha wieder richtig gehen lernen. Derzeit nutze er noch Krücken. „Ich hoffe, dass ich sie bald nicht mehr brauche und sie in der Ecke landen“, sagte Seeler.

Diekmeier: „Der HSV gehört in die Erste Liga“

Vor HSV-Spiel: Sandhausens Trainer schimpft mit seinem Team

Nach der 0:1-Heimniederlage gegen Dynamo Dresden hat Sandhausens Trainer Uwe Koschinat für das letzte Saisonspiel beim HSV am kommenden Sonntag eine Reaktion seiner Mannschaft gefordert. „Ich habe diese Zufriedenheit satt, dass man zumacht, wenn man das Mindestziel erreicht hat. Am Ende werden wieder die Stimmen laut werden, die sagen, dass Sandhausen im sicheren Fahrwasser austrudeln lässt. Das hinterlässt einen brutal faden Beigeschmack“, schimpfte Koschinat.

Glücklicherweise habe die Niederlage keine Konsequenzen für den Abstiegskampf gehabt. Koschinat: „Wir haben vergangene Saison selbst erlebt, wie sehr sportlich fairer Wettbewerb eine Saison beeinflussen kann. Unter dem Aspekt haben wir komplett versagt. Das macht mich emotional wütend. Ich habe keinen Bock, die Saison so ausklingen zu lassen.“

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Sandhausen habe nach der Corona-Pause seine rettende Serie von elf Punkten aus fünf Spielen vor allem dank des körperlichen Einsatzes geschafft. Die unbedingte Bereitschaft dazu hat Koschinat am Sonntag nach eigener Aussage gefehlt.

( HA )

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