2. Bundesliga

Kosten Schiedsrichter-Fehler den HSV den Aufstieg?

| Lesedauer: 3 Minuten
HSV-Verteidiger Timo Letschert (M.) kann es nicht fassen, dass der Elfmeterpfiff ausbleibt.

HSV-Verteidiger Timo Letschert (M.) kann es nicht fassen, dass der Elfmeterpfiff ausbleibt.

Foto: Valeria Witters/Witters/Pool via Eibner-Pressefoto

Tatsächlich stünden den Hamburgern laut Experten wohl mehr Punkte zu. Doch andere hätten weit mehr Grund zur Klage.

Hamburg. Natürlich wäre ein Sieg gegen den VfL Osnabrück nicht verdient gewesen, das musste auch HSV-Trainer Dieter Hecking eingestehen. Im Gegenteil: Hätte der forsche Aufsteiger gegen die biederen Gastgeber am Dienstagabend seine Chancen konsequent genutzt, wäre für ihn sogar mehr drin gewesen als das 1:1.

Aber Fußball ist nun einmal nicht immer gerecht. Und deshalb hätte Hecking, verdient oder nicht, schon gern einen Elfmeterpfiff in der Nachspielzeit gehört, nachdem Osnabrücks Benjamin Girth HSV-Verteidiger Timo Letschert im Strafraum mehr oder weniger umgerissen hatte.

Doch die Pfeife von Martin Thomsen blieb stumm, und auch Günter Perl schaltete sich aus Köln nicht ein. Stattdessen sah der wild protestierende Letschert noch die Gelbe Karte.

HSV-Trainer Hecking hadert mit Videobeweis

"Wenn ich die Szene im Nachhinein bei Sky sehe, muss ich den Schiedsrichter und auch den Videoassistenten hart kritisieren", sagte Hecking in der Pressekonferenz nach dem Spiel, "das ist ein ganz klarer Elfmeter." So aber blieb es beim Unentschieden und bei zwei Punkten Vorsprung auf den Tabellenvierten 1. FC Heidenheim, bei dem der HSV am Sonntag (15.30 Uhr) zu einer Art vorgezogenem Aufstiegsendspiel antritt.

Schon machen in den sozialen Medien Verschwörungstheorien die Runde: Die "Fußballmafia DFB" wolle den Aufstieg des HSV verhindern, um dem Fernsehen weiter eine publikumsträchtige Mannschaft in der 2. Bundesliga anbieten zu können. "Wer außer dem HSV sorgt denn für Quote in der 2. Liga? Noch Fragen? Ich denke nicht", schreibt ein Instagram-User.

Könnten Schiedsrichter-Fehlentscheidungen den HSV am Ende tatsächlich den Aufstieg kosten? Wer diese Frage klären will, kommt um die "Wahre Tabelle" nicht herum. Das Projekt des Portals "Transfermarkt" ermittelt mithilfe von Experten, wie Spiele bei korrigierten Fehlentscheidungen enden könnten, und errechnet auf dieser Grundlage die Platzierungen neu.

In der "Wahren Tabelle" wäre der HSV Dritter

Tatsächlich stünde dem HSV demnach aktuell ein Punkt mehr zu. Fünfmal sei Heckings Mannschaft durch Fehlentscheidungen benachteiligt worden: Zwei klare Elfmeter wurden nicht gegeben (die Szene vom Dienstag nicht berücksichtigt), einmal erhielt der Gegner einen unberechtigten Strafstoß, zwei korrekte Treffer wurden nicht anerkannt.

Allerdings hatte der HSV ebenso häufig Glück: Zwei erhaltene Elfmeter und ein Freistoß waren nicht berechtigt, zwei Gegentore wurden zu Unrecht aberkannt. Und rechnet man alle Fehlleistungen in der Liga heraus, wäre der HSV in der Tabelle aktuell sogar nur Dritter hinter dem VfB Stuttgart, dem gleich vier Punkte mehr zustünden.

Von einer systematischen Benachteiligung dürfte folglich keine Rede sein. Eher schon hätte der Karlsruher SC Grund zum Klagen: Die Badener belegen in der "Wahren Tabelle" Platz zehn und hätten mit 40 Punkten, sieben mehr als real, nichts mehr mit dem Abstieg zu tun.

Die Bilder des Spiels gegen Osnabrück:

Holstein Kiel dagegen wäre mit drei geschenkten Punkten aktuell der größte Profiteur. In der vergangenen Saison war dies übrigens: der HSV. Er heimste laut "Wahrer Tabelle" nicht weniger als neun Zähler zu Unrecht ein und hätte die Runde auf Platz acht statt auf Platz vier abgeschlossen. Aber damals gab es den Videobeweis auch noch gar nicht.

( leo )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: HSV