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Warum Frankfurts Trainer das Nordderby wegzappte

| Lesedauer: 9 Minuten

Kritik an Heckings Auswechslungen gegen Kiel. Pollersbeck bleibt die Nummer eins. Traurige Hunt-Bilanz. Polizei sucht Fans und Fahrrad.

Die HSV-News am Dienstag, den 9. Juni 2020:

Eintracht-Coach zappt Nordderby weg

Unfreiwilliger Seitenhieb oder alles ganz harmlos? Eintracht Frankfurts Trainer Adi Hütter scheint das rasante Nordderby zwischen dem HSV und Kiel nicht vollends in seinen Bann gezogen zu haben.

Zwar schaltete sich der Österreicher der Live-Übertragung aus dem Volksparkstadion am Montagabend zunächst zu, verfolgte das Geisterspiel nach eigenen Angaben aber nur "zu einem Teil".

Schließlich schaltete Hütter lieber Sky-intern um - und blieb dabei bei der Wiederholung des DFB-Pokalsiegs seiner Eintracht vor zwei Jahren gegen Bayern München (3:1) hängen. "Zum Genießen", wie Hütter am Dienstag erzählte.

Hütter schaltet den HSV weg (ab Minute 12:00)

Auswechslungen: HSV-Fans kritisieren Hecking

In den einschlägigen Internetforen stoßen sich auffällig viele Fans an Dieter Heckings Wechseltaktik. "Unglaublich. Wieder hat Dieter Hecking den Sieg ausgewechselt", schrieb nach dem 3:3 des HSV gegen Holstein Kiel etwa einer im Blog Rautenperle. "Hecking vercoacht das Spiel, unfassbar", kommentierte ein anderer bei Twitter.

Und auch in der Nachbetrachtung auf transfermarkt.de waren die Wechsel vorherrschendes Thema unter den HSV-Anhängern. Allerdings wurden (nicht nur) dort der Kritik auch gemäßigte Töne entgegengesetzt. "So oder so, kassiert man am Ende noch ein Tor, hat der Trainer es unter allen Umständen falsch gemacht", nahm ein Beobachter Hecking auf ironische Weise in Schutz.

Gegen Kiel hatte Hecking im fünften Geisterspiel zum dritten Mal die derzeit fünf möglichen Auswechslungen ausgereizt. Die Debatte entzündete sich vor allem am Dreifachwechsel in der 76. Minute, als Hecking beim Stand von 3:2 auf einen Schlag die Offensivkräfte Sonny Kittel, David Kinsombi und Doppeltorschütze Joel Pohjanpalo vom Feld nahm.

Hecking erklärt seine Wechselspiele

Zumindest für die erste seiner Maßnahmen, in der 62. Minute Aaron Hunt gegen Jeremy Dudziak auszutauschen, hatte Hecking eine Erklärung parat. "Aaron hatte Gelb gesehen", sagte Hecking bei Nitro. Und da sein Team aufgrund eines hohen Ballbesitzanteils leicht in Umschaltsituationen von der Offensive in die Defensive gerate, habe er um seinen Kapitän gefürchtet.

"Da war für mich die Gefahr groß, dass er vielleicht auch mal einen Schritt zu spät kommt“, sagte Hecking. "Ich wollte kein Risiko eingehen, dass wir dann vielleicht in Unterzahl spielen." Nicht auszuschließen, dass Hecking bei dieser Entscheidung auch das Spiel gegen Stuttgart im Hinterkopf hatte, als Hunt mit einem offensiven Fehlpass die späte Niederlage eingeleitet hatte.

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Auf die Frage, ob er nach einer Stunde möglicherweise zu häufig gewechselt habe, antwortete Hecking schließlich: "Nein. Wir haben jetzt viele Spiele gehabt. Man sieht ja auch, wie hoch die läuferische Belastung war." Gegen Kiel (123,18 Kilometer) verpasste der HSV seinen eigenen Höchstwert aus dem VfB-Spiel (123,19 Kilometer) in der Tat nur knapp. "Wenn die Spiele so eng hintereinander kommen, muss man auch von fünf Wechseln Gebrauch machen", sagte Hecking.

Pollersbeck bleibt im HSV-Tor

Im Tor wird Hecking bei normalem Verlauf allerdings so schnell nicht mehr wechseln. "Er wird bis zum Saisonende im Tor bleiben, wenn er sich nicht verletzt", sagte der HSV-Trainer bei Nitro über seine neue Nummer eins, Julian Pollersbeck.

Den U-21-Europameister von 2017 hatte Hecking im vorletzten Spiel gegen Wehen überraschend Stammtorhüter Daniel Heuer Fernandes vorgezogen. Dieser war gegen Kiel zumindest wieder auf die Ersatzbank zurückgekehrt, von der diesmal wiederum Tom Mickel verdrängt wurde.

Hecking denkt an einen Psychologen

Der HSV hadert mit den vielen Gegentoren ausgerechnet in den Schlussminuten. "Dafür eine Antwort zu finden", ob dies ein Kopfproblem sei, "wäre wahrscheinlich etwas für den Psychologen", sagte Hecking nach dem Dämpfer gegen Kiel.

Durch das unnötige Remis hat der HSV seit dem Restart nach der Corona-Zwangspause bereits fünf Punkte in den Schlussminuten verspielt. Eine Entwicklung, die "uns maßlos ärgert", sagte Hecking: Sonst "sähe es natürlich deutlich erfreulicher aus für uns".

Statt am VfB Stuttgart vorbei auf Platz zwei zu springen, lauert nun nach wie vor der FC Heidenheim mit zwei Punkten Rückstand auf Rang vier. "Aber wir müssen den Kopf hochnehmen, Freitag geht's weiter", sagte Hecking mit Blick auf die Partie beim Tabellenletzten Dynamo Dresden (18.30 Uhr/im Liveticker auf abendblatt.de).

Schon 15 verspielte Punkte nach Führung

Die Zahl der verschenkten Last-Minute-Punkte wächst und wächst: Durch den abseitsverdächtigen Gegentreffer durch Jae-Sung Lee in der vierten Minute der Nachspielzeit hat der HSV in dieser Saison nun schon 15 Punkte nach eigener Führung verspielt.

Dabei hätte man bis zum Ausgleich von einer anderen Duplizität der Ereignisse sprechen können. Denn wie in der Vorwoche gegen Wehen lautete auch die Torfolge gegen Kiel zunächst 0:1, 1:1, 2:1 (Halbzeitstand), 2:2 und 3:2.

Und auch diesmal gab es in Joel Pohjanpalo einen Hamburger Doppeltorschützen (gegen Wehen war dies David Kinsombi).

Ein Elfmeter wurde ebenfalls verhängt, im Gegensatz zum vorangegangen 3:2-Sieg (Manuel Schäffler für Wehen) nun aber für den HSV. Aaron Hunt verwandelte sicher. Doch auch die Treffsicherheit des Kapitäns nutzte wenig - am Ende durchkreuzte Lee alle Hamburger Siegesträume.

Hunt-Elfmeter bringen wenig

Mit seinem verwandelten Strafstoß hat Hunt seine persönliche Elfmeter-Bilanz dennoch weiter verbessert. Für den HSV traf der 33-Jährige nun bereits sechsmal, bei zwei Fehlschüssen.

Auffällig allerdings: Erst ein Mal führte ein Hunt-Elfer auch zu einem HSV-Sieg - beim letztlich nutzlosen 2:1 gegen Gladbach im letzten Bundesligaspiel vor dem Abstieg. Dagegen stehen drei Niederlagen und zwei Remis.

Kuriose Hunt-Anekdote gegen den HSV

Ein Blick auf Hunts Elfmeter-Statistik zu seiner Bremer Zeit (sechs verwandelt/zwei verschossen) hält indes noch ein kurioses Detail bereit.

Ausgerechnet beim 2:0-Sieg im Nordderby gegen den HSV trat der Mittelfeldspieler am 1. September 2009 gleich zweimal an.

Den ersten Versuch beim Stand von 0:0 in der 42. Minute parierte seinerzeit René Adler. Doch Hunt ließ sich nicht beirren und schritt in der zweiten Halbzeit gleich nochmal zur Tat - und traf zur Führung (51.).

Räumt der HSV mit Angstgegner Osnabrück auf?

Es bleibt dabei: Der HSV kann in einem Ligaspiel gegen Holstein Kiel einfach nicht gewinnen. Nach zwei Niederlagen in der Vorsaison (0:3 und 1:3) stehen in dieser Saison nun zwei Remis zu Buche (1:1 und 3:3).

Damit bleiben die "Störche" im Kreis der ultimativen HSV-Angstgegner. Auch Union Berlin und den VfL Osnabrück konnten die Rothosen noch nicht knacken. Letztere könnte der HSV am übernächsten Spieltag (Dienstag, 16. Juni) erstmals bezwingen.

Für einen Premierensieg gegen Union müsste der HSV wohl schon den Aufstieg schaffen. Die Köpenicker haben bei vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz noch immer beste Chancen auf den Klassenerhalt in der Ersten Bundesliga.

Polizei sucht Fans von HSV und Holstein Kiel

Auch ohne Zuschauer im Stadion hat das Nordderby für einige Fans ein Nachspiel. Wie die Polizei Neumünster am Dienstag mitteilte, trieben im Vorfeld des Spiels einige Sprayer in der schleswig-holsteinischen Stadt ihr Unwesen.

Im Stadtteil Einfeld sowie entlang der Landstraße L318 in Mühlbrook, Flintbek und Molfsee seien unter anderem Grundstückmauern, Straßenschilder, Stromverteiler, Bäume und Gehwege mit Schriftzügen beider Vereine versehen worden.

Nun sucht die Polizei Zeugen, die unter Telefon 04321/ 8775870 oder 110 Hinweise auf die zwischen 3. und 6. Juni begangenen Graffitis und Sachbeschädigungen liefern können.

Polizei sucht Besitzer von HSV-Fahrrad

Und noch einmal die Polizei: In Bardowick (Landkreis Lüneburg) haben Ermittler mehrere gestohlene Fahrräder sichergestellt, darunter auch ein HSV-Mountainbike.

Wer ein solches Exemplar vermisst, kann sich mit der Polizei in Bardowick unter Telefon 04131/ 799400 in Verbindung setzen.

( jdr/sid )

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