3:2-Heimsieg gegen Wehen

Dreckiger Sieg als HSV-Wende? Hecking gibt Versprechen ab

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Einmal tief durchatmen: HSV-Trainer Dieter Hecking nach dem umkämpfen, aber immens wichtigen Sieg gegen Abstiegskandidat Wiesbaden.

Einmal tief durchatmen: HSV-Trainer Dieter Hecking nach dem umkämpfen, aber immens wichtigen Sieg gegen Abstiegskandidat Wiesbaden.

Foto: Witters

Dieter Hecking reagiert vor allem bei einem Thema verärgert. Was der Heimsieg für den HSV, Pollersbeck und den Aufstieg bedeutet.

Hamburg. Dieter Hecking war im Verteidigungsmodus. Es war fast schon egal, welche Frage dem HSV-Trainer am Sonntag nach dem umkämpften 3:2-Heimsieg gegen den Tabellen-17. Wehen Wiesbaden gestellt wurde, sie passte ihm nicht. Vor allem die auf der Hand liegenden Nachfragen zum Torwartwechsel missfielen dem erfahrenen Coach gewaltig. „Zu der Fragestellung fällt mir nichts ein", entgegnete Hecking einem Sky-Reporter, der wissen wollte, warum nun Julian Pollersbeck und nicht der bisherige Stammkeeper Daniel Heuer Fernandes im Tor stand.

Es war wohl auch der immense Druck, der sich bei allen HSV-Protagonisten nach dem wichtigen Erfolg gegen Wiesbaden entlud. Denn nur 63 Stunden zuvor hatten die Hamburger beim unnötigen 2:3 in Stuttgart eine der schmerzhaftesten Niederlagen der jüngeren Clubgeschichte zu verdauen. Im Heimspiel am Sonntag gegen die vom Abstieg bedrohten Hessen galt es nun, den Aufstiegsdampfer des HSV wieder auf Kurs zu bringen – egal wie.

HSV trotzt dem Druck gegen Wehen

„Wir haben beim VfB eine der bittersten Niederlagen seit geraumer Zeit, auch für mich als Trainer, erleben dürfen“, sagte Hecking, der sich wie ein Schutzschild vor seine Spieler stellte. „Dass unsere Mannschaft nur drei Tage später wieder über den Willen gehen muss und einen widerstandsfähigen Gegner zu bearbeiten hat, zeigt, was für eine tolle Mannschaft der HSV hat, mit welchem Charakter diese Spieler ausgestattet sind.“

Dem 55-Jährigen sei total klar gewesen, dass es gegen Wiesbaden „eine schwere Geburt" werde. „Aber wir haben dem Druck standgehalten.“

Dank des ersten Sieges seit dem coronabedingten Restart der Zweiten Liga bleibt der Tabellendritte HSV (49 Punkte) an Rivale Stuttgart (51) dran und hält Verfolger Heidenheim (48) auf Distanz. Die Leistung gegen Wehen Wiesbaden war allerdings nur wenig aufstiegsreif. Gegen den Abstiegskandidaten waren die Nachwirkungen der Last-Minute-Pleite beim VfB noch deutlich spürbar.

Das Restprogramm des HSV:

  • 30. Spieltag: Kiel (H), 8. Juni, Mo.
  • 31. Spieltag: Dresden (A), 12. Juni, Fr.
  • 32. Spieltag: Osnabrück (H), 16. Juni, Di.
  • 33. Spieltag: Heidenheim (A), 21. Juni, So.
  • 34. Spieltag: Sandhausen (H), 28. Juni, So.

Dreckiger Sieg als Wende für den HSV?

Doch vielleicht hat der HSV genau so ein Spiel mal gebraucht. In den drei Partien zuvor gegen Fürth (2:2), Tabellenführer Bielefeld (0:0) und eben Stuttgart hatten die Hamburger spielerisch überzeugt, aber in Anbetracht der eigenen Dominanz zu wenig Punkte geholt.

Am Sonntag wirkte der HSV erstmals seit dem Restart nicht souverän. Wehen hatte sogar mehr Torschüsse als die Gastgeber (12:14) – und dennoch zählen am Ende einzig und allein die wichtigen drei Punkte im Aufstiegsrennen. „Das war ein schweres Stück Arbeit und am Ende ein Erfolg der Moral", sagte Sportvorstand Jonas Boldt.

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Kinsombi und Pollersbeck führen HSV zum Sieg

Die fehlende Leichtigkeit übertrumpfte der HSV mit Willensstärke. Ein Attribut, das vor allem zwei Spieler auf dem Platz verkörperten: Der oft kritisierte Doppel-Torschütze David Kinsombi und Torhüter Pollersbeck, der seine Mannschaft mit zwei starken Paraden in den entscheidenden Phasen im Spiel hielt. „Ich freue mich, dass der Trainer mir das Vertrauen geschenkt hat – und noch mehr, dass wir alle gemeinsam das Spiel heute gewonnen haben“, sagte der Bayer hinterher gewohnt nüchtern.

Hecking hätte dagegen am liebsten überhaupt nicht über den Torwartwechsel gesprochen. Er habe gespürt, dass Heuer Fernandes, dessen Leistungen bisher "in Ordnung" waren, nach zuletzt schwierigen Spielen die Frische im Kopf fehlte. „Gerade ein Torwart steht immer unter hohem mentalen Stress“, sagte Hecking, für den es „keine außergewöhnliche Maßnahme" sei, „in einer englischen Woche den Torhüter zu wechseln“. Nun denn.

Hecking gibt HSV-Versprechen ab

Ob der Wechsel von Dauer ist, wollte Hecking nicht sagen. Die Mannschaft erhielt erst einmal zwei Tage frei. Am kommenden Montag geht das Aufstiegsrennen gegen Kiel weiter. Für dieses und die weiteren Spiele in Dresden, gegen Osnabrück, in Heidenheim und gegen Sandhausen gab der HSV-Coach ein Versprechen ab.

„Bei aller berechtigten Kritik kann ich über diese Mannschaft nur sagen, sie wird das voll durchziehen“, sagte Hecking. „Wenn es am Ende reicht, werden wir etwas zu feiern haben. Wenn es nicht reicht, wird es so sein.“ Die Mannschaft habe aber den „absoluten Willen aufzusteigen“. Diesen Willen gilt es nun in den restlichen fünf Spielen zu beweisen.

( Mit Material von dpa )

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