Facebook-Brief

HSV-Ultras mit Generalabrechnung mit Fußball und der DFL

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Die lautstärksten Unterstützer des HSV, die Ultras, sind gegen die Wiederaufnahme des Spielbetriebs der Bundesliga.

Die lautstärksten Unterstützer des HSV, die Ultras, sind gegen die Wiederaufnahme des Spielbetriebs der Bundesliga.

Foto: picture alliance/augenklick/GES

Die einflussreichsten HSV-Ultras appellieren an die Vernunft der Fans und kritisieren die DFL – loben aber auch die HSV-Bosse.

Hamburg. Einen Tag nachdem die Politik grünes Licht für den Re-Start der Bundesliga in Form von Geisterspielen gegeben hat, haben Fans der einflussreichsten HSV-Ultragruppe Cast­aways die Entscheidung scharf kritisiert. Nach Ansicht der lautstarken Anhänger werde der Spielbetrieb "ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Beteiligten" fortgesetzt, kritisierten die Ultras am Donnerstag bei Facebook.

Weil das DFL-Konzept keine Neu-Infizierungen einplane, wie auch Geschäftsführer Christian Seifert am Donnerstag einräumte, offenbare der Plan der DFL-Taskforce "die ganze Perversion dieser Machenschaften". Die Mitglieder der Castaways kommen zu dem Schluss, dass die Liga einen Kollateralschaden akzeptiere.

Ein Dorn im Auge sind den HSV-Ultras auch die Massentests unter den 36 Erst- und Zweitligisten. Diese Tests würden viel dringlicher in den "unterbezahlten Bereichen wie Pflege oder Betreuung" benötigt. Eine Antwort, wer diese Tests bezahlen soll, bleiben die Ultras allerdings schuldig.

HSV-Ultras: DFL ist Geld wichtiger als Fans

"Der allergrößte Teil unserer Gesellschaft handelt verantwortlich und schränkt sich selbst seit mehreren Wochen massiv ein, parallel dazu setzt der Profifußball in Form von DFB und DFL alles daran, den Geldfluss am Laufen zu halten und sich und sein offensichtlich krankes System am Leben zu halten", heißt es weiter in dem Schreiben bei Facebook.

Deshalb sieht sich die Gruppierung Castaways darin bestätigt, dass der DFL "aus den Übertragungsrechten in der ganzen Welt generiertes Geld wichtiger als Fans im Stadion" sei. Dennoch appellieren die HSV-Ultras an alle Fans, sich an die Corona-bedingten Kontaktverbote zu halten und Spiele nicht in größeren Gruppen auf dem heimischen Sofa zu verfolgen. Auch vor den Stadien soll es nicht zu Fanansammlungen kommen.

"Es ist schlimm genug, dass die DFL die Gesundheit von Spielern, Trainern, Betreuern, Physiotherapeuten und deren Familien gefährdet, damit sie ihrer Profitgier wieder freien Lauf lassen können. Spielt dieses Spiel bitte nicht auch noch mit!", lautet der klare Appell der Castaways.

HSV will auf eine Fan-App verzichten

Immerhin eine Entscheidung der vergangenen Tage stimmt die Ultras auch positiv. Nämlich das angebliche Versprechen der HSV-Verantwortlichen, auf Maßnahmen wie eine Stimmung generierende Fan-App oder Pappfiguren als Symbol für abwesende Zuschauer, verzichten zu wollen.

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Wie sich HSV-Ultras gegen Geisterspiele wehren

Bereits bevor das Bundesliga-Comeback beschlossen wurde, hatten sich die HSV-Ultras der Gruppierung Castaways gegen die geplanten Geisterspiele über einen offenen Facebook-Brief zur Wehr gesetzt.

„Eine baldige Fortsetzung der Saison wäre blanker Hohn gegenüber dem Rest der Gesellschaft und insbesondere all denjenigen, die sich in der Coronakrise wirklich gesellschaftsdienlich engagieren“, hieß es unter anderem in dem Schreiben des Zusammenschlusses „Fan­szenen Deutschlands“. Der Brief war auch von den Cast­aways unterstützt worden.

Inzwischen ist den einflussreichen HSV-Ultras aber bewusst, dass sie die Geisterspiele nicht mehr verhindern können. "Aber wir werden kein bisschen dazu beitragen, diesen Spielen einen positiven Rahmen zu verleihen", so die deutliche Ansage der Castaways.

( wal )

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