HSV-Aufsichtsratschef

Jansen: "Kritik an Hecking? Darüber lächeln wir"

| Lesedauer: 7 Minuten
Der HSV-Präsident und neue Aufsichtsratsvorsitzende Marcell Jansen (Foto) soll sich auf der Tribüne des Volksparrkstadions negativ über Trainer Dieter Hecking geäußert haben.

Der HSV-Präsident und neue Aufsichtsratsvorsitzende Marcell Jansen (Foto) soll sich auf der Tribüne des Volksparrkstadions negativ über Trainer Dieter Hecking geäußert haben.

Foto: imago images / Michael Schwarz

Der neue HSV-Aufsichtsratsvorsitzende spricht über sein Verhältnis zum Trainer und die künftige Rolle von Investor Kühne.

Hamburg. In seiner neuen Rolle als Aufsichtsratschef beim HSV ist Marcell Jansen noch mehr gefragt als in seiner bisherigen Funktion als Präsident. Der 34 Jahre alte frühere Nationalspieler des Clubs wird als neuer starker Mann nach der Trennung vom Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann genau beobachtet. Vor allem auch wegen seiner engen Bindung an Anteilseigner Klaus-Michael Kühne (82). Er verteidigte den Milliardär vor Vorwürfen, er habe unlautere Absichten oder nehme Einfluss. „Entscheidungen werden bei uns im Volkspark getroffen“, betonte Jansen im Interview mir der Deutschen Presse-Agentur. Zudem wies er Spekulationen über Vorbehalte gegenüber Trainer Dieter Hecking zurück.

Frage: Sie sind seit vergangenem Sonnabend nicht nur HSV-Präsident, sondern auch Aufsichtsratschef. Wie viele Gespräche haben Sie seitdem in Ihrer neuen Rolle führen müssen?

Marcell Jansen: Natürlich hatte ich diese Woche einen intensiven Austausch mit Jonas Boldt (Sportvorstand) und Frank Wettstein (Finanzvorstand) sowie einigen Kollegen aus dem Kontrollgremium. Ich kann sagen: Der HSV ist im operativen Bereich voll handlungsfähig.

Gab es schon Kontakt zu Trainer Dieter Hecking und der sportlichen Führung?

Ja, mit dem Trainer habe ich bereits telefoniert. Wir haben über alles Mögliche und auch meine neue Rolle gesprochen. Mit der sportlichen Führung in Person von Jonas Boldt stehe ich ohnehin in einem engen Austausch, schließlich ist er als einer unserer beiden Vorstände einer meiner wichtigsten Ansprechpartner.

Es wurde zuletzt spekuliert, Sie hätten Vorbehalte gegenüber Dieter Hecking. Sie sollen Ihn beim Spiel gegen Jahn Regensburg (7. März) kritisiert haben. Wie bewerten Sie Ihr Verhältnis und seine Arbeit?

Ich kann bei solchen Spekulationen nur ungläubig den Kopf schütteln. Richtig ist, dass ich beim Spiel gegen Regensburg die erste Halbzeit unserer Mannschaft nicht gut fand und man mir das bestimmt auch ansehen konnte. Mit der ersten Halbzeit des Regensburg-Spiels waren übrigens auch unsere Spieler und unser Trainerteam nicht zufrieden. Wenn aber jede Unmutsäußerung eines Vorstandes oder Aufsichtsrates bei Spielen einer Profimannschaft als Kritik am Trainer bewertet werden würde, gäbe es nach jedem Bundesligaspieltag etliche Krisensitzungen. Ich schätze Dieter Hecking sehr. Ich pflege zu ihm ein gutes, vertrauliches Verhältnis. Wir sprechen gelegentlich miteinander, tauschen uns auch mal aus, um die Meinung des anderen zu hören. Über die von Ihnen angesprochene Spekulation haben wir auch schon miteinander gesprochen und gelächelt.

Besteht die Chance, dass Dieter Hecking unabhängig von der Frage des Aufstiegs in Hamburg bleibt?

Ich wüsste nicht, dass Trainerentscheidungen zum Aufgabenbereich des Aufsichtsratsvorsitzenden gehört. Diese Frage richtet sich vielmehr an den operativen Bereich des HSV, genauer gesagt müssten Sie das Jonas Boldt fragen. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass wir, sofern die Corona-Krise eine Fortsetzung der Saison zulässt, unsere sportlichen Ziele erreichen werden und sich diese Frage ohnehin erübrigt.

Sie haben bereits eine Pressekonferenz gegeben und über die veränderte Lage in der HSV-Führung berichtet. Was aber nie überzeugend zur Sprache gekommen ist: Aus welchen Gründen konnte die Zusammenarbeit mit Vorstandschef Bernd Hoffmann nicht fortgesetzt werden?

Marcell Jansen über seine Pläne als HSV-Aufsichtsratschef

Dazu haben wir schon alles gesagt. Wir haben uns im Aufsichtsrat intern ausgetauscht, vertraulich, und am Ende mit großer Mehrheit eine sachliche, notwendige Entscheidung getroffen. Jetzt geht der Blick voraus, nicht mehr zurück.

Ihr Vizepräsident Thomas Schulz ist aus dem Aufsichtsrat zurückgetreten wie der bisherige Vorsitzende Max-Arnold Köttgen. Wie kann es jetzt im e.V. noch ein harmonisches Miteinander geben?

Auch dazu wird es von mir keine öffentlichen Kommentare geben, weil wir solche Themen intern besprechen und in einem ehrlichen und offenen Austausch stehen.

Sie sind 34 Jahre. Als Jungunternehmer haben Sie möglicherweise noch keine umfangreichen wirtschaftlichen Erfahrungen gesammelt. Sehen Sie sich trotz Ihres vergleichsweise jungen Alters in der Lage, den Aufsichtsrat des Vereins bestmöglich zu führen und ihm als Vorsitzender Impulse geben zu können?

Dazu möchte ich Ihnen zwei Dinge sagen: 1. Ich sehe mich nicht als Alleinunterhalter. Wir arbeiten auch im Aufsichtsrat als Team, in dem alle erforderlichen Kompetenzen vertreten sind. Denn nur so können wir unserer Verantwortung für den HSV gerecht werden. Meine Kollegen haben mir nach Max-Arnold Köttgens Rücktritt gesagt, dass sie mich gerne als Vorsitzenden sähen. Sie vertrauen mir, darum habe ich der Wahl zugestimmt. 2. Das Alter eines Menschen ist nicht entscheidend, das habe ich in meiner Profilaufbahn und auch danach immer wieder festgestellt. Ich möchte für einen geeinten HSV stehen, mich für gemeinsame Ziele einsetzen und die Aufgabe mit Herzblut für den HSV angehen.

Das Vorstandsduo Jonas Boldt/Frank Wettstein hat am Donnerstag den HSV trotz der Coronakrise in einem guten Zustand beschrieben. Was glauben Sie, wie der Verein durch die Coronakrise kommt?

Ich weiß, dass wir dank intensiver und sehr guter Vorarbeit auf der Geschäftsstelle, dank unserer Gesellschafter und dank des unerschütterlichen Zuspruchs unserer Fans und Partner gut aufgestellt und gewappnet sind. Wir haben einen beachtlichen Zusammenhalt, den wir in dieser Krise nutzen müssen. Gelingt uns das, können wir aus meiner Sicht sogar gestärkt aus ihr hervorgehen. Allerdings, und das haben wir wohl momentan alle gemeinsam, weiß niemand sicher, welches Ausmaß die Folgen der Pandemie am Ende haben wird. Daher müssen wir von Tag zu Tag schauen.

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Und welche Rolle wird Investor Klaus-Michael Kühne künftig spielen?

Auch da müssten Sie die operativ verantwortlichen Vorstände fragen. Sie können aber sicher sein, dass wir sehr, sehr froh sind, so verlässliche und unterstützende Gesellschafter bei uns an Bord zu haben. Dazu zähle ich übrigens nicht nur Herrn Kühne. Auch unsere weiteren Gesellschafter sind wichtige Begleiter des HSV. Auch mit ihnen stehen wir bereits im Austausch und werden den Kontakt noch weiter intensivieren. Herrn Kühne, den ich seit zwölf Jahren kenne und mit dem ich stets einen respektvollen, vertraulichen Austausch gepflegt habe und das auch weiterhin tun werde, wird es aber in keinem Fall gerecht, wenn ihm unlautere Absichten oder Einflussnahmen unterstellt werden. Entscheidungen werden bei uns im Volkspark getroffen. Das war so und bleibt so. Ich persönlich hoffe, dass Herr Kühne uns noch lange als Gesellschafter begleiten wird.

( dpa )

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