Muss Hoffmann gehen?

Diese sieben entscheiden heute über die HSV-Zukunft

| Lesedauer: 7 Minuten
Henrik Jacobs und Kai Schiller
Der aktuelle Aufsichtsrat des HSV (v. l.): Marcell Jansen, Thomas Schulz, Michael Krall, Markus Frömming, Andreas C. Peters, Max-Arnold Köttgen und Felix Goedhart.

Der aktuelle Aufsichtsrat des HSV (v. l.): Marcell Jansen, Thomas Schulz, Michael Krall, Markus Frömming, Andreas C. Peters, Max-Arnold Köttgen und Felix Goedhart.

Foto: Witters

Entscheidung des HSV-Aufsichtsrats um den Machtkampf im Vorstand. Hoffmann, Wettstein und Boldt – wer darf bleiben?

Hamburg. An diesem Sonnabend sollte es im Volkspark eigentlich ruhig zugehen. Normalerweise wären die Nationalspieler auf Länderspielreise, und die verbliebenen HSV-Profis hätten ein freies Wochenende. Doch seit der Coronakrise ist alles anders. In der HSV-Arena wird in den kommenden Wochen kein Fußball gespielt. Trotzdem könnte sich hier heute entscheiden, in welche Richtung der HSV künftig steuert. Um elf Uhr treffen sich die sieben Aufsichtsräte der HSV Fußball AG, um zu besprechen, wie es mit den zerstrittenen Vorständen Bernd Hoffmann (Vorsitzender), Frank Wettstein (Finanzen) und Jonas Boldt (Sport) weitergeht. Die Aufsichtsräte müssen entscheiden, mit wem und in welcher Konstellation. Doch wer sind eigentlich diese sieben Kontrolleure, die über die HSV-Zukunft entscheiden? Das Abendblatt stellt sie vor.

1. Max-Arnold Köttgen

Im Aufsichtsrat der HSV Fußball AG hat Max-Arnold Köttgen innerhalb kurzer Zeit eine steile Karriere hingelegt. Auf Empfehlung des HSV-Investors Klaus-Michael Kühne wurde der Vorstand des Recycling-Unternehmens Remondis im Februar 2018 einfaches Mitglied des Kontrollgremiums. Nur vier Wochen später übernahm der 62-Jährige bereits den stellvertretenden Vorsitz, ehe er zwei weitere Monate später auf den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden rückte.

Köttgen war in dieser Phase entscheidend daran beteiligt, dass Bernd Hoffmann aus dem Rat der Kontrolleure in den Vorstand entsendet wurde. Seitdem gelten Hoffmann und Köttgen als enge Vertraute, die sich auch in der Öffentlichkeit gerne Seite an Seite zeigen. An diesem Sonnabend muss Köttgen aber ganz unvoreingenommen entscheiden, in welcher Konstruktion die HSV-Vorstände noch eine Zukunft haben.

2. Marcell Jansen

Als Marcell Jansen (34) vor elf Jahren kurz vor Ende der Transferperiode für acht Millionen Euro vom FC Bayern München zum HSV wechselte, musste auch der Aufsichtsrat schnell handeln, um den von Dietmar Beiersdorfer und Bernd Hoffmann initiierten Transfer abzusegnen. An diesem Sonnabend steht Jansen fünf Jahre nach seinem Karriereende selbst vor einer großen Entscheidung als Aufsichtsrat.

Vor zwei Jahren rückte er auf Wunsch des damaligen Präsidenten Jens Meier in das Kontrollgremium, um die sportliche Kompetenz im Gremium zu erhöhen. Galt Jansen lange Zeit als Unterstützer Hoffmanns, soll sich seine Meinung zuletzt verändert haben. Anders als oft kolportiert strebt Jansen aber nicht selbst nach einem Posten im Vorstand.

3. Andreas Peters

Als Bernd Hoffmann 2011 beim HSV vom Aufsichtsrat entmachtet wurde, verfolgte der damalige Ehrenratsvorsitzende Andreas Peters das Geschehen innerhalb des Vereins äußerst kritisch. „Personen abzusetzen und neu zu bestimmen, ist meines Erachtens nicht der richtige Weg und würde wiederum zu Gegenreaktionen führen“, sagte der heute 52-Jährige dem Abendblatt in einem seiner ganz wenigen öffentlichen Interviews. Der Rechtsanwalt, der für die Hamburger Kanzlei GSK Stockmann arbeitet, hält sich auch als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates zurück.

Seit 2008 leitete er als Ehrenratsvorsitzender viele Mitgliederversammlungen. 2014 wurde er Beirat im e. V. und hatte schon in dieser Position Einfluss auf die Kontrolleure der Fußball AG. 2017 rückte er als Nachfolger von Ex-Profi Peter Nogly (73) selbst in das Gremium, dessen Vorsitz er vorübergehend sogar übernahm. Seine Stimme könnte an diesem Sonnabend entscheidend sein.

4. Felix Goedhart

Felix Goedhart (55) wurde bereits im
Alter von sechs Jahren HSV-Fan. Erstmals in Erscheinung trat er öffentlich im Januar 2011, als er sich erfolglos um einen Sitz im Aufsichtsrat bewarb, um den damaligen Vorstand um Bernd Hoffmann zu kontrollieren. Der Wirtschaftsmanager aus Hamburg engagierte sich einige Jahre später für die Ausgliederungsinitiative HSV Plus, wurde 2014 auf diesem Weg Mitglied des ersten Aufsichtsrates der HSV Fußball AG, dessen stellvertretenden Vorsitz er vorübergehend innehatte.

Für Schlagzeilen sorgte Goedhart im Januar 2018 in der sogenannten E-Mail-Affäre, als er seine Ratskollegen überzeugen wollte, Vorstandschefs Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt zu entlassen und durch Frank Wettstein und Bernhard Peters zu ersetzen. Der dienstälteste Aufsichtsrat legt aktuell Wert darauf, keinem Lager im Vorstand zugeordnet zu werden.

5. Michael Krall

Fast seine gesamte Karriere als Finanzexperte hat Michael Krall (62) bei der Hamburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG verbracht. Mehr als 30 Jahre arbeitete er dort unter anderem im Vorstand. Das Unternehmen prüfte viele Jahre die Jahresabschlüsse des HSV.

Als Krall Ende 2017 altersbedingt aus dem Unternehmen ausschied, war am 6. Fe­bruar 2018 sein Weg frei für einen Posten im neuformierten Aufsichtsrat, dessen Vorsitz er übernahm. Weil Bernd Hoffmann nur vier Wochen später als neuer Präsident anstelle Jens Meiers in das Gremium einzog, wurde er als Kontrollchef wieder abgelöst. Krall galt schon damals als Gegner Hoffmanns. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

6. Thomas Schulz

Über fehlende Arbeit kann sich Thomas Schulz (57) nicht beklagen. Der selbstständige Unternehmer aus Wohltorf bei Bergedorf arbeitet in der Bau- und Immobilienfinanzierung. „Endlich zu Hause“ heißt eines von mehreren Unternehmen, dessen Geschäfte er führt. Zu Hause ist Schulz seit zwei Jahren aber vor allem beim HSV. Gemeinsam mit Moritz Schäfer unterstützte er die Präsidentschaftskandidatur von Bernd Hoffmann bei der Wahl im Februar 2018.

Seitdem ist Schulz Vizepräsident im HSV e. V. Nachdem Hoffmann nach der erfolgreichen Präsidentenwahl vom Aufsichtsrat in den Vorstand entsendet wurde, übernahm Schulz dessen Posten im Kontrollgremium. Schulz kennt Hoffmann aus dessen erster Amtszeit, als er zu Europapokalzeiten Businessseats kaufte. Wegen der gemeinsamen Vergangenheit gilt er im Aufsichtsrat als Hoffmanns größter Unterstützer.

7. Markus Frömming

Am 15. Februar 2019 betrat Markus Frömming (40) erstmals offiziell die HSV-Bühne. Der Marketingexperte stellte sich dem Beirat vor – wenig später wurde er als Vertrauter Klaus-Michael Kühnes in den Aufsichtsrat gewählt. Kühne (82) und Frömming kennen sich schon länger, weil der geschäftsführende Gesellschafter der Hamburger Agentur Brands Alive erfolgreich ein Event für den Milliardär organisierte – und fortan im Kontakt blieb.

Auf Gesellschafterversammlungen wurde der Schleswig-Holsteiner neben Karl Gernandt schnell zu Kühnes wichtigstem HSV-Ratgeber. Frömming war schon immer großer HSV-Fan – und selbst ein talentierter Mittelfeldmann beim SV Eichede. Später studierte er Sportmanagement – und schrieb mit seiner Agentur eine echte Erfolgsgeschichte. Das Gerücht aus der „Sportbild“, dass er in den Vorstand will, ist vor allem das: ein Gerücht. Mehr als ein Gerücht: Als Kühne-Vertrauter soll er HSV-Chef Hoffmann kritisch sehen. ​

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