Ex-HSV-Profi

Als Änis Ben-Hatira für den HSV dem FC Bayern einen Korb gab

Ex-HSV-Profi Änis Ben-Hatira (l., mit Khalid Boulahrouz) im Oktober beim Abschiedsspiel für Rafael van der Vaart.

Ex-HSV-Profi Änis Ben-Hatira (l., mit Khalid Boulahrouz) im Oktober beim Abschiedsspiel für Rafael van der Vaart.

Foto: Cathrin Müller / imago images/MIS

Mit 17 Jahren war der Deutschtunesier schon mit einem Bein in München. Aber da gab es ja noch dieses Angebot aus Hamburg.

Hamburg. Als Hermann Gerland anrief, glaubte Änis Ben-Hatira zunächst an einen schlechten Scherz. Der große FC Bayern, dessen Nachwuchstrainer Gerland damals war, sollte ihn, den kleinen Mittelfeldspieler von Tennis Borussia Berlin, haben wollen? Ben-Hatira, damals gerade 17 Jahre alt, weiß das Datum bis heute: Es war der 10. Oktober 2005. "Ich habe einfach aufgelegt. Ich dachte mir: Hört auf, verarscht mich nicht!", erzählt er jetzt im Interview mit dem Portal "Transfermarkt".

Da sich zu dieser Zeit viele Vereine bei ihm gemeldet hätten, hätten sich Freunde damals gern mal einen Telefonstreich erlaubt und sich als Scout oder Manager ausgegeben. Aber dann sei ihm schnell klar geworden, dass es wirklich Gerland war. Ben-Hatira: "Beim zweiten Anruf bin ich rangegangen. Hermann Gerland hat erst mal gemeckert und gefragt, wie es sein kann, dass ich einfach auflege."

Für den HSV schlug Ben-Hatira das Bayern-Angebot aus

Ben-Hatira wäre dann wirklich beinahe beim FC Bayern gelandet. Er hatte sich bereits im Internat umgesehen und mündlich zugesagt. Aber es gab da ja noch dieses Angebot vom HSV. "Ich will nicht sagen, dass man mir den Kopf verdreht hat. Ich war einfach so beeindruckt von Hamburg, obwohl ich – wie mein großer Bruder – eigentlich kleiner Bayern-Fan war", sagt der Deutschtunesier: "Aber ich war damals so geflasht vom HSV, als Thomas Doll Trainer und Didi Beiersdorfer Manager waren. Das coole Stadion, der Kabinentrakt, die Spieler: All das hat mir imponiert."

Ben-Hatira unterschrieb, der HSV überwies eine Ausbildungsentschädigung von 25.000 Euro an TeBe. "Das ist eine der ersten Entscheidungen, über die man streiten kann", sagt Ben-Hatira rückblickend, "hätte ich zu dem Zeitpunkt einen erfahrenen Berater gehabt, hätte ich mich vielleicht anders entschieden."

Ben-Hatira bereut Entscheidung nicht

Hätte, hätte. Er bereue aber nichts: "Ich liebe den HSV, bin dort erwachsen geworden und habe den Sprung zum Bundesligaspieler (Debüt im Februar 2007, die Red.) geschafft. Ich bin dem Verein dankbar, es war eine geile Zeit, obwohl es – gepaart mit dem sportlichen Absturz – immer wieder viel Unruhe gab, worunter nicht nur viele Talente, sondern auch gestandene Stars gelitten haben."

Ben-Hatira blieb bis 2011 in Hamburg, zwischenzeitlich verlieh ihn der HSV an den MSV Duisburg. In diese Zeit fällt auch der Gewinn der U-21-Europameisterschaft mit den DFB-Junioren. Nach drei Jahren im Ausland spielt er seit Januar für den HSV-Zweitligakonkurrenten Karlsruher SC.