Zweite Bundesliga

Adrian Feins Plan: Aufsteigen – und dann beim HSV bleiben?

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Andreas Hardt
"Für mich zählt nur der HSV": Adrian Fein muss derzeit aber auch über seine eigene Zukunft nachdenken.

"Für mich zählt nur der HSV": Adrian Fein muss derzeit aber auch über seine eigene Zukunft nachdenken.

Foto: Witters

Maskenmann könnte gegen seinen Ex-Club Jahn in die Startelf zurückkehren. Vorher äußert er sich noch zu seiner weiteren Zukunft.

Hamburg.  Die Szenerie passte ideal für eine stereotype Symbolik der aktuellen HSV-Situation: Grau und trist hing ein nasser Himmel über dem Volkspark, als die Profis am Dienstagvormittag um 10.30 Uhr den Trainingsplatz zur ersten richtigen Einheit nach dem 0:3 in Aue betraten – Depri-Atmosphäre!

Wären da nicht die rund 25 Kinder einer Jugendfußballschule im Alter zwischen acht und zwölf Jahren gewesen, die – Schietwetter hin, Schietwetter her – voller Freude auf ihre Immer-noch-Idole warteten. Sie streckten die Hände im Spalier aus. Die HSV-Profis lächelten, klatschen ab, ohne Corona-Ängste. "Los, ihr schafft das", jubelten die Kids ihnen zu.

HSV-Hoffnung Fein vor Startelf-Comeback

So einfach. Schon war der Stimmungsaufheller geschafft. Kindermund tut ja Wahrheit kund, sagt man. Adrian Fein kann sich da nur anschließen. Der Mittelfeldspieler stand zwischen den beiden Trainingseinheiten des Tages in den Katakomben des Volksparkstadions und bemühte sich, Zuversicht auszustrahlen: "Ich habe nicht den Eindruck, dass in der Mannschaft schlechte Stimmung ist“, sagte der 20-Jährige, "es ist noch nichts verloren. Wir müssen am Sonnabend gegen Jahn Regensburg allerdings drei Punkte holen und den Negativtrend stoppen.“

Wie wichtig der von Bayern München ausgeliehene Sechser für den HSV-Erfolg offenbar ist, haben die letzten Spiele gezeigt, in denen er wegen seines Jochbeinbruchs nicht dabei war. Drei Spiele, kein Sieg. Als er in der 64. Minute gegen Aue eingewechselt wurde, war schon alles zu spät. Gegen den Jahn wird er also mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder starten – mit Maske: "Sie behindert mich nicht; und im Spiel blende ich das aus. Ich werde mein Bestes geben."

Hecking bleibt auch im HSV-Training positiv

Im Training mischte Fein auch voll mit, ohne sichtbare Einschränkungen. Auch bei den temperamentvollen Spielen in der zweiten Einheit am Nachmittag, als nach jeweils fünf schnellen Pässen der Torabschluss verlangt war. Da war einiges an Tempo und Feuer drin, und Trainer Dieter Hecking war nicht weniger engagiert. Lautstark korrigierte er, forderte "tief gehen!“ – und lobte vor allem immer wieder, fast jeden und vernehmbar: "Gut, gut so, gut." Positiv, immer positiv, aufbauend.

So hat es Hecking offenbar auch in der Nachbearbeitung der Aue-Pleite mit dem Team gemacht. "Der Trainer hat natürlich mit uns gesprochen. Es war auch für ihn nicht leicht, sich vor die Mannschaft zu stellen und zu entscheiden, wie seine Besprechung ausschaut", erzählte Fein: "Natürlich hat er gesagt, dass es kein gutes Spiel war. Er hat aber auch gesagt, dass wir die Köpfe nicht hängenlassen sollen und dass wir weiter an uns glauben müssen."

Fein: "Wir können den Frust der Fans verstehen"

Es ist die erste ernsthafte Krise beim HSV seit Hecking im Sommer gekommen ist. Sein junger Vorgänger Hannes Wolf schaffte es nicht, im letzten Jahr die Abwärtsspirale in der Rückrunde zu stoppen. Heckings Erfahrung soll jetzt den Unterschied machen und den Druck von den Spielern nehmen. "Das ist nach den Niederlagen schon spürbar, es wird viel geredet und geschrieben", sagt auch Adrian Fein, "wir können auch den Frust der Fans verstehen. Aber es war ja auch nicht alles schlecht."

Mit Regensburg hat er in der letzten Saison 5:0 im Volkspark gewonnen, als Einwechselspieler durfte er neun Minuten mitmachen. Hat dieses krasse Ergebnis noch irgendwelche Auswirkungen auf die Partie am Sonnabend? Fein glaubt das nicht: "Es sind inzwischen so viele andere Spieler in den Teams dabei. Das ist komplett Vergangenheit. Das spielt überhaupt keine Rolle mehr." Könnte stimmen – beim HSV sind nur noch Rick van Drongelen und Aaron Hunt aus der damaligen Startelf dabei.

Fein erklärt seinen neuen Vertrag bei den Bayern

Spieler kommen und gehen eben. Auch Fein ist ja "nur" ein Leihspieler, der erst kürzlich seinen Vertrag bei Bayern München bis 2023 verlängert hat. Was das aber für die nächste Saison bedeutet, ist noch völlig offen. "Ich habe mich nicht dazu entschieden, nach München zurückzugehen, sondern nur den Vertrag verlängert", stellte er am Mittwoch jedoch klar.

"Bayern spielt für mich überhaupt keine Rolle. Für mich zählt nur der HSV", sagt er und macht den Fans Hoffnungen, dass er doch länger in Hamburg bleiben könnte. Wenn ein großes Ziel erreicht wird: "Ich will hier aufsteigen. Und dann können wir uns nach dem 17. Mai unterhalten."

Fan schimpft über den Ewerton-Transfer

Etwa 35 Kiebitze schauten sich auch noch die Nachmittagseinheit an, die Kinder waren längst weg. "Dieses Schickimicki-Spielen, das geht nicht“, wusste einer. "Die müssen mal wieder das Tor treffen", forderte ein anderer. Dass der verletzte Ewerton fehlte, war ja klar: "Nie hätte man den kaufen dürfen", murrte Volkes Stimme, "der war doch schon so oft verletzt." Das Übliche halt.

Diese Mischung aus Neugier und Mecker, aber immer großes Interesse an diesem Verein. "Das ist hier schon anders als in Regensburg zum Beispiel", sagt Fein dazu. Hecking holte nach jeder Spieleinheit die Spieler zusammen in den großen Kreis zur Besprechung und auch, als nach 90 Minuten das Tagewerk auf dem Platz geleistet war.

In diesem Moment brach die Sonne noch einmal durch den Himmel – aber das mit der Symbolik hatten wir ja schon.

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