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Hecking mit bemerkenswertem Statement gegen Rassismus

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HSV-Trainer sorgt sich um Platzverhältnisse in Aue

HSV-Trainer Dieter Hecking erklärt vor dem Auswärtsspiel bei Erzgebirge Aue, wie er den HSV zurück in die Erfolgsspur führen will.

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HSV-Trio fehlt beim Training. Beeinflusst das Coronavirus den Club? Hecking fürchtet die Platzverhältnisse in Aue.

Die HSV-News am Donnerstag, den 27. Februar 2020:

Rassismus? Hecking würde Platz verlassen

Dieter Hecking hat ein bemerkenswertes Statement gegen Rassismus abgeben. Sollte einer seiner HSV-Spieler von Zuschauern in einem Fußball-Stadion rassistisch beleidigt werden, käme für den Trainer infrage, den Platz als symbolische Geste sofort zu verlassen.

„Ich wäre als Cheftrainer dafür, ein deutliches Zeichen zu setzen. Es kann durchaus sein, dass ich die Mannschaft dann vom Platz holen würde", sagte Hecking am Donnerstag, ohne zu wissen, welche Konsequenzen das für den Verein haben könne. Eine solche Entscheidung würde er aber ohnehin in Absprache mit Sportvorstand Jonas Boldt treffen. "Ich lehne Rassismus in jeglicher Art ab“, ergänzte der Coach.

Der HSV setzt sich verstärkt gegen Diskriminierung und Rassismus ein. "Love Hamburg, hate racism", heißt außerdem ein beliebter Slogan der Fans, der bei Pflichtspielen in Form eines Banners immer wieder in der Fankurve ausgerollt wird. Im Verein selber gebe es daher keine Probleme, sagte Hecking. "Wir sind ja auch eine Multi-Kulti-Truppe."

Hecking: "Ich lehne Rassismus in jeglicher Art ab“

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Rassismus hat deutschen Fußball erreicht

Zuletzt nahmen die rassistischen Vorfälle im Fußball zu. Auch Deutschland war in den vergangenen Wochen von Attacken gegen dunkelhäutige Spieler (Herthas Jordan Torunarigha und Leroy Kwadwo von den Würzburger Kickers) eingeholt worden. Beim FC Porto musste sich der von Fans rassistisch beleidigte Stürmer Moussa Marega beim vorzeitigen Verlassen des Platzes sogar gegen seine eigenen Mitspieler wehren.

Beeinflusst das Coronavirus den HSV?

Neben einem zunehmenden Problem mit rassistisch motiviertem rechten Terror ist das Coronavirus das zweite Thema, das die Menschen in Deutschland aktuell am meisten beschäftigt. Obwohl es nun die ersten Infektionen in Deutschland gab und Gesundheitsminister Jens Spahn den Beginn einer Epidemie ausrief, hält der HSV es aber nicht für notwendig, besondere Maßnahmen zu treffen.

„Wir reisen ganz normal", kündigte Hecking an. „Wenn unser Arzt Dr. Götz Welsch der Meinung wäre, dass wir besondere Maßnahmen bräuchten, würde er mir das mitteilen. Das ist bisher noch nicht passiert.“

Hecking fürchtet den Platz in Aue

Keine Sorge, es wurde auch noch sportlich auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel am Sonnabend bei Erzgebirge Aue (13 Uhr/Sky und im Abendblatt-Liveticker). Die Sachsen befinden sich im Formtief: In diesem Jahr hat Aue noch kein Spiel gewonnen und erst ein Tor erzielt. Dennoch warnt Hecking vor der kommenden Aufgabe.

„Aue spielt in der Rückrunde nicht so gut wie zu Beginn der Saison. Trotzdem werden sie uns alles abverlangen. Sie werden versuchen, uns ein Bein zu stellen", sagte der Coach, der sich vor allem um den Zustand des Platzes im Erzgebirgsstadion sorgt. „Es hat geschneit in Aue. Wir müssen gucken, wie die Platzverhältnisse sind, ob es ein reines Kampfspiel wird oder ob man auch Fußball spielen kann.“

Es gibt sicherlich angenehmere Termine, als im Winter im Erzgebirge zu spielen. Die Wetterprognose für Sonnabend lautet übrigens neun Grad und Regen.

Zu viel Panik im HSV-Umfeld nach Derbypleite?

Ein verlorenes Derby ist zweifellos keine normale Niederlage im Leben eines Fußballers. Wie Dieter Hecking nun bekannt gab, haben die HSV-Profis an der 0:2-Heimpleite länger zu knabbern gehabt als gewöhnlich. "Sie können mir glauben, dass die Mannschaft sehr niedergeschlagen war. Nicht nur einen Tag, es hat schon länger gedauert", sagte der Coach, der aber zwangsläufig den Blick nach vorne richtet. „Damit kann ich mich nicht lange aufhalten, wir müssen an das nächste Spiel denken.“

Generell sieht Hecking seine Aufgabe in diesen Tagen vor allem darin, die Situation des HSV realistisch einzuschätzen. Denn nach der Derbypleite und dem Absturz von den direkten Aufstiegsplätzen wurde dem erfahrenen Trainer in den vergangenen Tagen zu viel Panik gemacht.

„Es verbreiten sehr viele Hektik um den HSV, aber das widerstrebt mir. Ich habe immer gesagt: ‚Wie stark sich das Wir-Gefühl zeigt, sehen wir, wenn es nicht so gut läuft.‘“ Und das wollen die Hamburger nun in Aue zeigen.

Hecking erklärt seine fehlende Emotionalität

Darüber hinaus ergänzte Hecking: „Ich werde nach einer Derbyniederlage nie alles infrage stellen, sondern sachlich die Lage analysieren. Da denke ich sehr rational, vielleicht fehlt mir da manchmal die Emotion, aber so bin ich nicht. Denn ich glaube, dass so ein Verhalten nicht viel bringt.“ Ob sein Verhalten richtig für die aktuelle Situation sei, werde sich in den kommenden Wochen zeigen.

HSV-Trio fehlt – was wird aus Fein?

Bei der Trainingseinheit des HSV am Nachmittag fehlten Top-Torschütze Sonny Kittel (elf Saisontreffer), Top-Vorbereiter Tim Leibold (elf Torvorlagen) und Mittelfeldspieler David Kinsombi. Das Trio arbeitete stattdessen individuell im Kraftraum.

Mit auf dem Platz war dagegen erneut Adrian Fein. Ob der Bajuware nach seinem Jochbeinbruch in Aue schon wieder mitwirken kann, entscheidet sich erst kurzfristig. „Es geht nur, wenn er 100 Prozent abrufen kann“, sagte Hecking.

Was sich Hecking von Esume verspricht

Nachdem der Hamburger Football-Coach Patrick Esume am gestrigen Mittwoch seinen Tag als Hospitant beim HSV hatte, hat sich nun auch Dieter Hecking zu Wort gemeldet und erklärt, was er sich von dieser Personalie verspricht. „Es gibt bei mir grundsätzlich immer Ideen, über den Tellerrand hinauszuschauen", sagte der HSV-Trainer.

Die Idee mit Esume kam im Trainingslager auf, als mehrere Namen diskutiert worden seien. Den Kontakt stellte schließlich Sportvorstand Jonas Boldt her, der den TV-Footballexperten zu seiner Leverkusener Zeit kennenlernte. "Ob Patrick mal ein Training leiten wird, ist komplett offen", sagte Hecking, dem die Zusammenarbeit großen Spaß bringt. "Wir haben gestern knapp zwei Stunden über sämtliche Themen diskutiert. Es sind schon unterschiedliche, aber auch interessante Einblicke, die er uns gewährt."

Oberligaspiel des HSV III abgesagt

Piotr Trochowski, Marcell Jansen &. Co. können an diesem Wochenende die Beine hochlegen: Das für Freitagabend um 19.30 Uhr angesetzte Oberligaduell des HSV III bei Hamm United ist witterungsbedingt abgesagt worden. Wegen des starken Regens der vergangenen Tage ist eine Austragung im Hammer Park nicht möglich. Ein Nachholtermin muss noch ermittelt werden.

( wal )

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