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Alex Meier bewertet den heiklen Derby-Satz von Aaron Hunt

| Lesedauer: 6 Minuten
Henrik Jacobs und Kai Schiller
Alex Meier (v.l.) im Podcast-Studio mit den HSV-Reportern Kai Schiller und Henrik Jacobs.

Alex Meier (v.l.) im Podcast-Studio mit den HSV-Reportern Kai Schiller und Henrik Jacobs.

Foto: Andreas Laible / HA

HSV-Kapitän hatte die Pleite gegen St. Pauli abgetan. Darüber sowie über seine eigene Derby-Historie spricht "Fußballgott" Alex Meier.

Hamburg. Am Montagabend ging es für Alexander Meier zum Training. Vorbereitung auf das Heimspiel des TSV Buchholz 08 gegen den Niendorfer TSV 08. Meiers Heimatclub steckt in der Oberliga Hamburg im Abstiegskampf. Retten aber kann der 37-Jährige seine Buchholzer nicht. Meier hat vor Kurzem seine aktive Fußballkarriere beendet. Nach seiner vorzeitigen Rückkehr aus Australien hält er sich nun bei Buchholz fit. Auf ein Comeback in seiner Geburtsstadt brauchen die TSV-Verantwortlichen nicht zu hoffen.

"Ich will mich nur ein bisschen fit halten und Spaß haben“, sagte Meier, als er am Montag vor der Trainingseinheit die Redaktion des Abendblatts besuchte. Im Podcast "HSV – wir müssen reden“ sprach Meier nicht nur über Buchholz und Australien, sondern vor allem über das 103. Stadtderby zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli, das sein Ex-Club aus dem Volkspark gegen seinen Ex-Club vom Millerntor zum zweiten Mal in Folge mit 0:2 verlor.

Meier verlor zwei Stadtderbys mit 0:4

Fast ein Jahr ist es her, dass Meier noch selbst das Stadtderby spielte. Mit 0:4 unterlag er nach seiner Rückkehr zum FC St. Pauli im eigenen Stadion gegen den Stadtrivalen. Meier weiß also, wie sich die HSV-Profs am Sonnabend gefühlt haben müssen. „Nach einer Derbyniederlage muss man sich mal einen dummen Spruch beim Bäcker anhören, aber das ist ja nicht böse gemeint von den Leuten“, sagt er. Entscheidender aber dürfte die Frage sein, wie lange die Spieler die Derbypleite mit sich herumtragen. Meiers Meinung: Nicht lange. „Ich brauchte einen Tag, dann war die Niederlage abgehakt. Wir waren zu schlecht und haben verdient verloren.“

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Meier hatte das Derby mit Freunden in Frankfurt geguckt. Er sah am Fernseher, wie der HSV 15 Minuten dominierte. Doch dann kam der Mann, den er in seinem letzten halben Jahr bei St. Pauli ersetzt hatte: Henk Veerman. Der noch fünf Zentimeter größere Niederländer (2,01 Meter), der vor einem Jahr an einem Kreuzbandriss laborierte, versetzte dem HSV mit seinem Solo zum 0:1 "einen Schock“, so Meier. „Henk sieht vielleicht nicht elegant aus, aber er ist auch auf Strecke richtig schnell. Da hat St. Pauli einen richtig guten Stürmer.“

HSV verliert das Derby gegen St. Pauli:

Alex Meier drückt HSV und St. Pauli die Daumen

Ein richtig guter Stürmer war auch Meier, als er das erste Mal für St. Pauli spielte. Am 19. April 2002 hatte der damals 19 Jahre junge Angreifer sein erstes Profispiel bestritten. Ausgerechnet im Derby gegen den HSV im Volksparkstadion. Beim Stand von 0:4 wurde er von Trainer Dietmar Demuth in der 78. Minute für Matias Cenci eingewechselt. "Ich habe zwei Stadtderbys gespielt – und beide mit 0:4 verloren“, sagt Meier und lacht. 2003 war er von St. Pauli zum HSV gewechselt, zog aber nur ein Jahr später weiter zu Eintracht Frankfurt, wo er zum „Fußballgott“ avancierte.

Heute drückt Meier beiden Hamburger Clubs die Daumen. „Ich kenne bei beiden noch Leute. Beide Vereine sind mir sympathisch.“ Während seine St. Paulianer mit dem zweiten Derbysieg der Saison einen wichtigen Sieg im Abstiegskampf feierten, verlor der HSV im Kampf um den Aufstieg wichtige Punkte. Trainer Dieter Hecking nahm die Niederlage zunächst auf seine Kappe und ärgerte sich danach über die Untergangsstimmung im Volkspark. Die „Bild“-Zeitung hatte am Montag sogar kommentiert, dass es nun auch um die Jobs von Hecking, Sportvorstand Jonas Boldt und Clubchef Bernd Hoffmann gehe.

Alex Meier mahnt den HSV zur Ruhe

Meier mahnt dagegen zur Ruhe. „Nach einer Niederlage im Derby wird alles überspitzt dargestellt. Der HSV ist drei Punkte hinter dem Zweiten. Da ist doch gar nichts los.“ Und dann sagte Meier noch einen Satz, den man im Volkspark gerne hören wird: „Ich bin mir immer noch sicher, dass der HSV direkt aufsteigen wird.“ Und warum? „Jede Mannschaft wird noch mal eine kleine Schwächephase bekommen. Gerade am Ende der Saison gibt es in der Zweiten Liga die verrücktesten Ergebnisse.“

Auch den Satz von HSV-Kapitän Aaron Hunt („Es ist nichts passiert, außer dass wir das Derby verloren haben“) wollte Meier nicht überbewerten: „Aus der emotionalen Sicht der Fans ist das Derby das wichtigste Spiel des Jahres. Aber was Aaron Hunt wahrscheinlich meinte: Auch hier ging es nur um drei Punkte. Und in der Tabelle ist durch die Niederlage noch nichts entschieden.“

Alex Meier vermisste seinen Alf

Meier wird die nächsten Monate in Buchholz verbringen und genau verfolgen, wo seine Ex-Clubs am Ende landen. Für ihn selbst geht es zur neuen Saison zurück zu Eintracht Frankfurt. Dort wird er einen Job im Verein übernehmen. Sein Abenteuer in Australien bei den Western Sydney Wanderers hatte er nach nur dreieinhalb Monaten wieder beendet. Sportlich lief es nicht mehr so wie gewollt. Und auch sein Zuhause vermisste er, vor allem seinen Golden Retriever namens Alf. Nun freut sich Meier auf neue Abenteuer. „Ich habe richtig Lust auf meine Karriere nach der Karriere.“ Am liebsten will er als Trainer arbeiten.

Sein letztes Bundesligaspiel machte Meier übrigens im Mai 2018 für Frankfurt gegen den HSV. Meier traf, der HSV stieg ab. Läuft alles nach Plan, spielen seine Frankfurter und seine Hamburger ab Sommer wieder in derselben Liga.

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