HSV-Torschütze

Pohjanpalo drängt in die Startelf – nur etwas nervt ihn

Fünf Ballkontakte, ein Tor: Joel Pohjanpalo schreit nach dem späten 1:1 in Hannover seine Freude heraus.

Fünf Ballkontakte, ein Tor: Joel Pohjanpalo schreit nach dem späten 1:1 in Hannover seine Freude heraus.

Foto: ValeriaWitters / WITTERS

Das späte Tor zum 1:1 in Hannover sorgt beim HSV kurz vor dem Derby gegen St. Pauli für Optimismus. Reicht das für die Revanche?

Hamburg. Am 2. Juli 2019 um 17.30 Uhr wurde in der Telia 5G-areena das elfte Helsinki-Derby der finnischen Fußballgeschichte angepfiffen. Es war eine hitzige Stimmung auf den Rängen. In beiden Fanlagern wurde Pyrotechnik gezündet. Am Ende unterlag der Herausforderer Helsingfors IFK gegen Rekordmeister HJK Helsinki mit 0:2 vor 10.256 Zuschauern im voll besetzten Hauptstadtstadion.

Einer dieser Gäste war Joel Pohjanpalo. Der ausgeliehene HSV-Stürmer nutzte das letzte freie Wochenende vor dem Start der Sommervorbereitung mit Bayer Leverkusen für einen Kurztrip. „Das ist das große Derby in Finnland“, sagte Pohjanpalo sieben Monate später und sieben Tage vor dem Stadtderby zwischen dem HSV und St. Pauli.

Das 103. Hamburg-Derby wird am kommenden Sonnabend um 13 Uhr im Volksparkstadion angepfiffen. Pohjanpalo wird dann nicht auf den Rängen zu finden sein, sondern auf dem Rasen. Das Helsinki-Derby hat er als Spieler verpasst, weil Bayer Leverkusen 2013 den damals 19-Jährigen von HJK Helsinki abwerben konnte und HIFK erst ein Jahr später nach 43 Jahren in die finnische Veikkausliiga zurückkehrte.

Rückt Pohjanpalo in die HSV-Startelf?

Nun freut sich Pohjanpalo dafür auf sein erstes Stadtderby in Hamburg. „Ich habe mit Leverkusen gegen Köln gespielt. Das ist auch ganz cool. Aber das Hamburg-Derby ist noch ein bisschen größer“, sagte der Angreifer am Sonnabend.

Nach seinem Tor zum 1:1 (0:0) bei Hannover 96 hat Pohjanpalo gute Chancen, erstmals auch von Beginn an für den HSV zu spielen. „Vielleicht mache ich drei oder vier Tore, wenn ich 90 Minuten spiele“, spaßte der 25-Jährige wenige Minuten nach dem Schlusspfiff in der HDI-Arena. Ganz im Ernst aber machte Pohjanpalo deutlich, dass er nach seinem 30-Minuten-Einsatz zwar glücklich war über sein Ausgleichstor in der sechsten Minute der Nachspielzeit, mit der Länge seiner Spielteilnahme aber weniger.

Pohjanpalo kann Joker-Fragen nicht mehr hören

„Sie wissen gar nicht, wie oft ich diese Frage schon gehört habe“, sagte Pohjanpalo. Es war die Frage nach seiner besonderen Wertigkeit als Einwechselspieler, die er auch schon in Helsinki, Leverkusen und in der finnischen Nationalmannschaft nachgewiesen hatte.

Wie schon beim 3:1 in Bochum vor zwei Wochen, als er 160 Sekunden nach seiner Einwechslung zum 2:1 für den HSV traf, war er auch in Hannover der entscheidende Mann. Als alles nach dem zweiten Heimsieg der Saison für Hannover 96 durch das Tor von Cedric Teuchert aussah (51.), rettete Pohjanpalo dem bis dahin weitestgehend schwachen HSV mit der letzten Aktion des Spiels nicht nur einen Punkt, sondern vor allem die gute Stimmung eine Woche vor dem Rückspiel gegen St. Pauli. Der Joker hatte eine Ecke von Sonny Kittel per Kopf über die Linie gewuchtet.

Dass alle Medienvertreter ihn anschließend mal wieder zu seinen Jokerqualitäten befragten, nervte Pohjanpalo. „Ich muss ehrlich sagen: Ich hoffe, dass das Joker-Ding irgendwann mal weg ist. Ich kann auch Tore schießen, wenn ich von Anfang an spiele.“

Wie Hecking auf Pohjanpalos Form reagiert

Selbstbewusste Aussagen, die auch bei Dieter Hecking angekommen sein dürften. Der Trainer sah sich am Sonntag zunächst einmal bestätigt, dass der HSV mit Pohjanpalo einen guten Griff in der Wintertransferperiode getan hätte.

„Joel hat uns jetzt vier Punkte gebracht mit seinen Toren, von daher hat sich der Transfer jetzt schon bezahlt gemacht“, sagte Hecking, wollte aber nicht verraten, ob der Finne nun im Derby seine Startelf-Chance bekommt. „Erst einmal ist es gut, dass er so in das Spiel reinkommt und zeigt, dass er nicht viele Chancen braucht. Aber auch Lukas hat vorher viele Tore gemacht“, so Hecking.

Heckings HSV-Analyse nach dem 1:1 in Hannover

Platzhirsch Hinterseer tut sich schwer

Stürmer Lukas Hinterseer war am Sonnabend aber auch einer von vielen Gründen, warum sich der HSV beim Tabellenzwölften aus Hannover lange schwer tat. Trotz der Unterstützung von rund 15.000 mitgereisten Fans in der mit 49.000 Zuschauern ausverkauften HDI-Arena am Maschsee fand der HSV gegen die defensive und körperbetonte Spielweise der Niedersachsen lange Zeit keine Lösungen.

„Ich finde es schade, dass wir immer erst so einen Wachrüttler brauchen wie das Gegentor“, sagte Heckig, der den späten Ausgleich nur mit einem Abwinken quittierte. „Es war ein verdienter Punkt, aber wir hätten es nicht darauf ankommen lassen müssen, so lange dem Tor hinterherzulaufen.“

Hecking verwies aber letztlich auf die Gesamtbilanz. In der Rückrundentabelle steht der HSV mit elf Punkten aus fünf Spielen auf Platz eins. „Es ist alles in Ordnung“, so Hecking.

Das könnte Sie auch interessieren:

HSV-Fans fordern den Derbysieg

Trotzdem wird sich seine Mannschaft am kommenden Sonnabend steigern müssen, wenn es wie vor einem Jahr mit dem Derbysieg klappen soll. Auf dem Papier spielt die heimstärkste Mannschaft gegen das zweitschwächste Auswärtsteam, das außerhalb des Millerntorstadions in dieser Saison noch gar nicht gewonnen hat.

Allerdings hat St. Pauli das Hinspielderby gegen den HSV mit 2:0 gewonnen. „Wir wollen das gerne geraderücken und vergessen machen. Daraus zieht sich eine Riesenmotivation“, sagte Hecking. Die Fans hatten der Mannschaft schon in Hannover einen klaren Auftrag mit auf den Heimweg gegeben. „Wir wollen den Derbysieg“, sangen die Anhänger.

Auch Pohjanpalo hatte das noch gehört, als er in die Kabine ging. „Die Fans waren der Wahnsinn“, sagte der Torschütze, der nun vom Derbysieg träumt. Und das am liebsten nicht nur als Joker.