HSV-Ikone

Richard Golz’ neues Leben als Headhunter

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Alexander Laux
Richard Golz (51) lebt mit seiner Familie in Hamburg und arbeitet für die Unternehmensberatung Hager.

Richard Golz (51) lebt mit seiner Familie in Hamburg und arbeitet für die Unternehmensberatung Hager.

Foto: Michael Rauhe / HA

Der Ex-HSV-Torwart erzählt, wie er Führungs- und Fachkräfte für den Sport sucht. Und, was für ein Fußball-Comeback passieren müsste.

Hamburg. Dass das Leben mehr bietet, als nur nach Bällen zu hechten, war Richard Golz früh klar. Als Mittzwanziger schrieb sich der damalige HSV-Torwart an der Fernuniversität in Hagen für ein Studium der Wirtschaftswissenschaften ein. Doch zu diesem Zeitpunkt fehlte ihm das Durchhaltevermögen, wie er heute freimütig gesteht: „Du hast ja zwischen den Spielen durchaus viel Zeit, und es gab 1000 andere schöne Dinge, um die man sich kümmern konnte.“ Die Konsequenz: Obwohl er bereits einige Scheine an der Uni bestanden hatte, brach er das Studium nach ein paar Semestern ab.

Gut 25 Jahre später sitzt der 51-Jährige in einem Café in der Hamburger Innenstadt und sieht immer noch so fit aus, als könne er sich sofort wieder zwischen die Pfosten stellen. Er soll erzählen, wie Sport und Wirtschaft in seinem Leben mit etwas Anlauf und einigen Umwegen doch zueinander gefunden haben.

Aber der Reihe nach. Lange Zeit schien es, als ob der Fußball auch nach dem Ende seiner 21-jährigen aktiven Karriere 2008 der Fixpunkt seines Lebens bleiben würde. Während seiner Zeit bei Hannover 96, wo er als Ersatzmann von Robert Enke nicht mehr zum Einsatz kam, fing er an, die älteren Torwartjahrgänge im Nachwuchs der Niedersachsen zu trainieren und fand Gefallen daran. Die B- und A-Trainerlizenz hatte Golz schon während seiner Zeit beim SC Freiburg (1998 bis 2006) erworben.

Seine Abschlussarbeit schrieb Golz über Altona

Der HSV, für den er einst am 1. August 1987 sein Bundesligadebüt gegen Schalke gefeiert hatte und für den er bis 1998 zu 273 Erstligaeinsätzen gekommen war, klopfte an, ob er sich vorstellen könne, als hauptamtlicher Torwarttrainer und parallel als Co-Trainer für den HSV II nach Hamburg zurückzukehren. „Den Beruf des Torwarttrainers gab es damals noch nicht so lange, vielleicht 20 Jahre“, erinnert sich Golz, „in diesem Bereich verantwortlich zu sein, fand ich total spannend.“

Nach fünf Jahren jedoch bekam Golz die leere Kasse beim HSV zu spüren. Der damalige Sportchef Frank Arnesen suchte nach Einsparmöglichkeiten und wollte Golz’ Gehalt drastisch kürzen. Schon zu der Zeit war dieser gedanklich auf dem Sprung, eine andere berufliche Laufbahn einzuschlagen. Zwischen 2011 und 2013 hatte er an der Donau-Universität in Krems (Österreich) den Studiengang Sport- und Eventmanagement belegt und mit dem Master of Business Adminis­tration abgeschlossen.

Seine Abschlussarbeit beschäftigte sich damals mit Altona 93 und der Frage, wie sich der Traditionsclub mit der Adolf-Jäger-Kampfbahn als Marke neu aufstellen könnte. Das ist insofern kurios, als dort auch seine aktive Karriere zu Ende gegangen war. Während eines Spiels für Hannover 96 II zog sich der Keeper einen Muskelbündelriss zu. „Das war mit fast 40 Jahren damals das klare Si­gnal, endgültig Schluss zu machen.“

Luhukay holt Golz nach Berlin

Doch noch bevor sich Golz also 2013 auf die Suche nach einem neuen Job machen konnte, rief ihn Herthas Manager Michael Preetz an. Der heutige St.-Pauli-Trainer Jos Luhukay suchte einen neuen Torwarttrainer. Bundesligafußball in seiner Geburtsstadt – diesem Lockruf konnte Golz nicht widerstehen. Nach zwei Spielzeiten war Luhukay 2015 in Berlin Geschichte, und Golz fragte sich wieder: „Ist es jetzt Zeit, einen anderen Weg zu gehen?“

Im Prinzip ja. Zwar sammelte er mit einigen Projekten Erfahrung, wie als TV-Experte oder in einem Berliner Startup-Unternehmen mit dem Analyse-Tool Kick-ID. Doch plötzlich rief der Fußball wieder. Rumäniens Nationaltrainer Christoph Daum holte Golz 2016/17 für die Qualifikationsspiele zur WM 2018 als Honorartrainer. „Ein Abenteuer und eine großartige Erfahrung, auch wenn uns das Matchglück fehlte. Die WM wäre natürlich ein absolutes Highlight gewesen.“

Danach jedoch war das Kapitel Torwarttrainer für ihn endgültig abgehakt. Und tatsächlich schloss sich der Kreis, als ihn vor eineinhalb Jahren die in Frankfurt beheimatete Unternehmensberatung Hager kontaktierte und man sich schnell einig wurde. Schließlich passte er perfekt in das Anforderungsprofil: Gesucht wurde jemand, der bestens im Sport beziehungsweise Fußball vernetzt ist und auch eine entsprechende Ausbildung vorweisen kann.

Golz vermittelt Personal an Clubs oder Verbände

„Wenn mich jemand fragt, was ich denn so mache, und ich dann antworte, ich sei Personalberater, ist die Reaktion häufig ein zweifelnder Blick: Was ist das überhaupt?“, sagt Golz und liefert gleich die Erklärung: „Ich besetze Fach- und Führungspositionen im Sportumfeld wie für Vereine, Verbände oder andere Organisationen im Sportumfeld.“ Seine Bezeichnung „Business Unit Manager Sports“ klingt etwas sperrig. Headhunter trifft es auch.

Golz wird nur nach verbindlichen Aufträgen tätig und präsentiert seinen Kunden eine Liste von Kandidaten, zum Beispiel für eine Anstellung als Merchandising- oder Marketingleiter, den Chef einer Sicherheits- oder IT-Abteilung. Seine Firma mit den insgesamt 100 Mitarbeitern und einem weltweiten Netzwerk wirbt mit einer Vermittlungsquote von 90 Prozent. Noch besteht seine Abteilung nur aus ihm selbst, soll aber 2020 personell aufgestockt werden.

„Natürlich fehlen im Büro im Vergleich zum Trainingsalltag die emotionalen Momente“, gibt Golz zu. Er hat sich nach einem Vermittlungserfolg schon mal gefragt: „Muss ich jetzt nicht eigentlich jubeln?“ Doch den neuen Reiz und seine Befriedigung zieht er aus dem Auswahlprozess. „Das Schönste ist, wenn die Kandidaten total glücklich sind. Das macht wirklich Spaß.“

Durch die neue Aufgabe ist Golz viel unterwegs in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sein Heimathafen aber ist Hamburg geblieben. Die Stadt, in der mit Luhukay und Dieter Hecking (zu seiner Zeit bei Hannover 96) gleich zwei seiner ehemaligen Trainer aktiv sind. Bleibt die Frage: Für wen drückt er beim Derby die Daumen? „Natürlich schlägt mein Herz mehr für den HSV. Als Dieter verpflichtet wurde, habe ich ihm geschrieben: ,Ich lege dir den roten Teppich aus.’ Eine tolle Personalentscheidung des HSV. Aber klar, ich würde mich auch freuen, wenn Jos mit St. Pauli die Kurve kriegt.“

Und was ist mit ihm? Ist eine Rückkehr in den Profifußball ausgeschlossen? Golz lächelt: „Na ja, wenn Kloppo anrufen würde...“

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