Pyrotechnik-Show

Viel Rauch um nichts? So lief die Pyro-Premiere des HSV

Vor Anpfiff des HSV-Spiels geegen den Karlsruher SC wurde im Volksparkstadion Pyrotechnik gezündet.

Vor Anpfiff des HSV-Spiels geegen den Karlsruher SC wurde im Volksparkstadion Pyrotechnik gezündet.

Foto: Valeria Witters / WITTERS

Vor dem Spiel gegen den Karlsruher SC durften erstmals Fans Rauchtöpfe zünden. Wie die Fans auf die Aktion reagierten.

Hamburg. Pünktlich zum Einmarsch der Mannschaften ging es los. Zehn Rauchtöpfe flackerten und hüllten die Nordtribüne des Volksparkstadions in schwarzen, weißen und blauen Nebel. So, wie man es bei Spielen des HSV schon häufiger gesehen hat.

Doch diesmal war alles anders: Die Fans des HSV zündelten vor dem Spiel gegen den Karlsruher SC mit Genehmigung der Behörden der Hansestadt, mit einem Okay des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), für das Pyrotechnik-Experiment hatte sich der Zweitligaclub monatelang eingesetzt. Beim Spiel mit dem Feuer schaute die ganze Fußball-Republik gespannt hin.

Pyro-Premierenshow beim HSV
Pyro-Premierenshow beim HSV

Unter Aufsicht der Feuerwehr durften zehn Fans die Pyrotechnik zünden. Auf der Tribüne zückten viele ihr Handy, um den historischen Moment festzuhalten. Begeisterungsstürme blieben allerdings aus. Auch in den sozialen Netzwerken fielen die Reaktionen, nun ja, verhalten aus.

Viel Rauch um nichts? Ob es die Ultras davon abhalten wird, künftig wieder ohne Beaufsichtigung zum Feuerzeug zu greifen, scheint fraglich. Immerhin: Alles lief ohne Probleme ab, niemand ist zu Schaden gekommen, alle hielten sich an das Protokoll.

HSV will bei Pyrotechnik neue Wege gehen

„Niemand muss sich Sorgen machen“, hatte Cornelius Göbel, Leiter der Abteilung Fankultur beim HSV, schon zuvor versichert. Bei einem unkontrollierten Verlauf wäre ein sofortiger Abbruch möglich gewesen. Im Gegensatz zu den vielen strafbaren Aktionen der Fans, die den HSV zum traurigen Strafenkönig der vergangenen beiden Spielzeiten im deutschen Fußball machte, blieb die Kontrolle also aufseiten der Verantwortlichen.

Heftige Kritik hatte die Gewerkschaft der Polizei geübt. Der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek hält das Entgegenkommen des DFB „nicht nur für blauäugig, sondern auch für sehr riskant“. Nach Auffassung der GdP könne das kontrollierte Abbrennen von Pyrotechnik Ultras „eher provozieren als sie zur Einsicht führen“.

Der HSV und die Pyrostrafen:

  • In der Strafentabelle belegt der HSV regelmäßig einen der traurigen Spitzenplätze
  • 2019 verteidigten die HSV-Fans sogar den fragwürdigen Titel des deutschen "Randalemeisters"
  • In der Saison 2017/18 wurden insgesamt 235.000 Euro Strafe an den DFB fällig
  • In der Saison 2018/19 überboten die Anhänger diese Summe mit ihrem Fehlverhalten auf 294.150 Euro
  • Die höchste Einzelstrafe gegen den HSV wurde für Pyrotechnik im Stadtderby beim FC St. Pauli verhängt: 150.000 Euro (10.03.2019)
  • In der ewigen Strafentabelle seit der Saison 2011/12 liegt der HSV mit 1,131 Millionen Euro auf Rang drei (Stand: Februar 2020)

Die Hamburger sehen hingegen den Zeitpunkt gekommen, neue Wege in der Pyro-Thematik zu gehen, die den Fußball seit Jahren beschäftigt. Tatsächlich zahlen die Clubs immer höhere Strafen, kommen im Dialog mit den Fans aber kaum voran. HSV-Boss Bernd Hoffmann betonte zuletzt, dass er keine „durchgeplante und durchzertifizierte Liga“ wolle, „in der sich alle in vorauseilender Weise sozial erwünscht verhalten“. Für Pyro-Aktionen im Zuschauerblock gelte aber weiter eine Null-Toleranz-Politik.