Zweite Bundesliga

HSV, VfB, Arminia – der Dreikampf um den Aufstieg

Die drei Ausrufezeichen: Stuttgarts Mario Gomez (l.), Hamburgs Lukas Hinterseer (M.) und Bielefelds Fabian Klos.

Die drei Ausrufezeichen: Stuttgarts Mario Gomez (l.), Hamburgs Lukas Hinterseer (M.) und Bielefelds Fabian Klos.

Foto: imago/witters/dpa

Kann der HSV am Montagabend in Bochum Rückschläge der Konkurrenten aus Stuttgart und Bielefeld ausnutzen?

Hamburg.  Es ist kein großes Geheimnis, dass man beim HSV mächtig stolz darauf ist, Dieter Hecking als Cheftrainer bekommen zu haben. Was die Verantwortlichen des HSV im vergangenen Sommer allerdings noch nicht wussten, war, dass der Club nicht nur einen Hecking bekommen hat. Sondern zahlreiche.

Da wäre zum Beispiel der launige Hecking, der strahlende Hecking, der nachdenkliche Hecking, der wütende Hecking oder gerne auch der grummelige Hecking. Und das Beste am vielfachen Hecking: Man weiß nie so genau, welcher Hecking einen gerade erwartet.

HSV-Cheftrainer Hecking: Mal höflich, mal launig, mal wütend

Am Sonntagmittag war es der höfliche Hecking. Kurz vor der Abreise mit der Bahn nach Bochum, wo der HSV an diesem Montagabend (20.30 Uhr/Sky und im Liveticker bei abendblatt.de) spielt, nahm sich der 55 Jahre alte Fußballlehrer noch einmal handgestoppte neun Minuten und 45 Sekunden Zeit, um über die Lage der Liga zu referieren.

Hecking plauderte über die zuletzt Angeschlagenen („Alle sind fit.“), die schwache Auswärtsbilanz („Schnee von gestern.“) und den vom HSV verliehenen Manuel Wintzheimer („Er ist in Bochum zufrieden.“). Und natürlich wurde Hecking auch nach den Unentschieden der Konkurrenten aus Stuttgart (1:1 bei St. Pauli) und Bielefeld (0:0 in Aue) befragt. Seine höfliche, aber bestimmte Antwort: „Das interessiert mich nicht.“

Manchmal ist Hecking mit den Fragen nicht einverstanden

Sehr viel deftiger hatte Hecking, der grummelige, noch vor genau einer Woche auf fast genau die gleiche Frage reagiert. Rekordverdächtige siebenmal in nur sechs Minuten benutzte der HSV-Trainer am Sonntag vor dem Nürnbergspiel das „Sch…“-Schimpfwort, weil er mit den Fragen vor dem Neustart in die Rückrunde nicht einverstanden war. Und vor allem: Sch…egal sei ihm, was der VfB und die Arminia so machen.

Hecking vor Bochum: "Wir müssen zielstrebiger werden"

Das ist natürlich geflunkert. Beim HSV schaut man selbstverständlich ganz genau hin, wenn Bielefeld oder Stuttgart spielen. So hat beispielsweise auch HSV-Chef Bernd Hoffmann das Wochenende am Freitagabend eingeläutet, indem er sich die kompletten 90 Minuten zwischen Erzgebirge Aue und Arminia Bielefeld angetan hat. Aue! Gegen Bielefeld!!

Saison biegt in entscheidende Richtung ein

Natürlich dürfte auch Hoffmann etwas Besseres mit seiner Zeit am Freitagabend anzufangen wissen, als sich einen derartigen „Fußballleckerbissen“ anzutun. Doch dreieinhalb Monate vor dem Ende der Spielzeit biegt die Saison nun in die entscheidende Richtung ein. Und Bielefeld und Stuttgart, das steht seit diesem Wochenende fest, müssen auf dieser Zielgeraden mehr als nur einen verpassten Auswärtssieg verkraften.

Der VfB verlor am Sonnabend am Millerntor Kapitän Marc Oliver Kempf, der bei einem Zusammenstoß mit St. Paulis Ryo Miyaichi einen Kieferbruch erlitt. Der Innenverteidiger wird voraussichtlich mehrere Wochen fehlen, was die Arbeit für Neu-Trainer Pellegrino Matarazzo nicht gerade einfacher macht. Denn auch die Defensivspezialisten Marcin Kaminski (Aufbautraining nach einem Kreuzbandriss) und Holger Badstuber (Muskelfaserriss) fallen noch aus.

Kommt nun das Ende der Bielefelder Erfolgsstory?

Richtig heftig erwischte es aber Bielefeld. Der Überraschungs-Tabellenführer der Zweiten Liga muss mehrere Monate auf Top-Torjäger Andreas Voglsammer verzichten, der zusammen mit Fabian Klos ein kongeniales Sturmduo auf der Alm bildet. Pünktlich zum Ende der Wintertransferperiode erlitt Voglsammer am Freitagabend einen Mittelfußbruch – und sorgte prompt für erste Stimmen, die das Ende der Bielefelder Erfolgsstory voraussagten.

Die HSV-Neuzugänge 2019/20:

Derartige Aussagen wird man aus Hamburg natürlich nicht hören. Doch auch wenn es offiziell niemand zugibt, wurde inoffiziell schon ganz genau hingeschaut. Auch in Sachen Wintertransfers, bei denen sich der VfB und die Arminia im Gegensatz zum HSV stark zurückhielten. Stuttgart hat in der Winterpause Leistungsträger Santiago Ascacíbar für elf Millionen Euro an Hertha BSC verloren.

HSV holte zwei Neue, die in der Rückrunde als gesetzt gelten

Dafür holten die Schwaben am letzten Tag der Transferphase für überschaubare 400.000 Euro Mittelfeldtalent Clinton Mola aus dem Nachwuchs vom FC Chelsea. Der 18 Jahre alte Teenie ist U-19-Nationalspieler, muss aber erst unter Beweis stellen, dass er auch in der Zweiten Liga zurechtkommen kann. Und Bielefeld? Holte mit Oscar Linnér lediglich einen 22 Jahre alten Ersatztorhüter für 240.000 Euro aus Solna.

Der HSV war da deutlich aktiver. Mit Louis Schaub (ausgeliehen aus Köln) und Jordan Beyer (ausgeliehen aus Gladbach) holten die Hamburger zwei Neue, die in der Rückrunde als gesetzt gelten. Zudem lieh Sportvorstand Jonas Boldt auch noch Stürmer Joel Pohjanpalo vom früheren Arbeitgeber Bayer Leverkusen aus. Beim 4:1-Sieg gegen Nürnberg wurde der Finne bereits erstmals eingewechselt, gegen Bochum soll er erneut an diesem Montag von der Bank kommen.

HSV im Dreikampf um den Aufstieg

Und was bedeutet all das nun für den Dreikampf um den Aufstieg? Da kann man jeden beliebigen Hecking fragen, die Antwort wäre immer die gleiche: nichts. Oder wie es der höffliche Hecking am Sonntag formulierte: „Es ist natürlich gut, aber wenn wir nicht gewinnen, haben wir nichts erreicht.“

Voraussichtliche Aufstellungen:

VfL: Drewes – Gamoa, Decarli, Leitsch, Soares – Losilla, Tesche, Weilandt, Zoller – Blum, Ganvoula. HSV: Fernandes – Beyer, Letschert, van Drongelen, Leibold – Fein – Jatta, Schaub, Dudziak, Kittel – Hinterseer. SR: Daniel Schlager.

Tipp: Hören Sie heute ab 8 Uhr den Podcast „HSV – wir müssen reden“ mit den Falke-Gründern Tamara Dwenger und Philipp Marquardt.