HSV

Onana – der nächste Baustein für die HSV-Zukunft

| Lesedauer: 5 Minuten
Henrik Jacobs
Amadou Onana mit seiner Schwester bei der Vertagsunterschrift beim HSV

Amadou Onana mit seiner Schwester bei der Vertagsunterschrift beim HSV

Foto: Witters

Körperlich stark, mehrsprachig, positiver Charakter: Amadou Onana hat alles. Doch die Integration junger Spieler bleibt schwierig.

Hamburg. Jonas Boldt hatte am Freitagnachmittag Zeit, ganz entspannt seinen täglichen Kaffee zu trinken. „Das kann ich tun, weil ich ein gutes Team um mich herum habe“, sagte der für die Transfers verantwortliche Sportvorstand des HSV am sogenannten Dead­line-Day, dem letzten Tag der Wintertransferperiode.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Club bereits mit der Verpflichtung des 18 Jahre jungen Amadou Onana überrascht. Der Mittelfeldspieler von 1899 Hoffenheim wechselt ablösefrei zum HSV, allerdings erst im Sommer. Bereits am Mittwoch unterschrieb er im Volkspark einen Vertrag bis 2024.

HSV-Transfers 2020: Was wäre eine Überraschung?

Ob es noch zu weiteren Überraschungen kommen könnte, wurde Boldt am Freitagvormittag von einem Reporter gefragt. „Was wäre für Sie eine Überraschung?“, fragte Boldt zurück. „Eine Ausleihe von Xavier Amaechi zum Beispiel“, entgegnete der Reporter. Boldts Antwort: „Ich habe bereits gesagt, dass auf der Abgangsseite das Fenster noch geöffnet ist.“

Nur eine Minute später sollte sich diese Spekulation tatsächlich zu einem Spontantransfer entwickeln. Im Hintergrund stand Amaechi gerade auf dem Trainingsplatz und sprach mit Trainer Dieter Hecking und Sportdirektor Michael Mutzel.

HSV-Podcast: Dieter Hecking zu Gast

Dann wurde der junge Engländer von Mutzel in die Kabine begleitet. Eine Ausleihe zu einem englischen Zweitligisten hatte sich kurzfristig ergeben. Und Amaechi, der tags zuvor beim 4:1 gegen den 1. FC Nürnberg aus dem Kader gestrichen wurde, war nicht abgeneigt, Hamburg zu verlassen.

Transfer-Deal noch vor Abfahrt zum Flughafen geplatz

Sonderlich weit kam der 18-Jährige aber nicht. Noch bevor er sich auf den Weg Richtung Flughafen machte, war der Deal schon wieder geplatzt. Ein Spieler des interessierten Clubs hatte sich am Freitag verletzt, daraufhin wurde ein anderer Spieler verpflichtet. So bleibt Amaechi weiter in Hamburg. Wie schwer es für den im Sommer für 2,5 Millionen Euro gekauften Angreifer von Arsenal London beim HSV aktuell ist, wurde am Donnerstagabend deutlich.

Mit Sonny Kittel und Bakery Jatta trumpften seine Konkurrenten auf den offensiven Außenbahn auf. Martin Harnik und Khaled Narey kamen gar nicht zum Einsatz. Jairo kehrt nach einer Verletzung zurück.

Amaechi galt im Sommer als Hoffnungsträger für die HSV-Zukunft. Genauso wie es Neuzugang Amadou Onana sein wird. Doch die Situation um den gleichaltrigen Amaechi zeigt, wie schwer die Integration von jungen Spielern beim HSV bleibt.

Amadou Onana: "Physisch schon sehr stark"

In ständigen Drucksituationen fällt es den Verantwortlichen immer wieder schwer, die Talente so einzubauen, dass sie sich am besten und schnellsten entwickeln. Amaechi dürfte in der Rückrunde zumeist in der Regionalliga zum Einsatz kommen.

Bei Onana sind sich die HSV-Verantwortlichen sicher, dass die Anpassung an die Profis schneller gelingt. „Er ist physisch schon sehr stark“, sagt Sportdirektor Mutzel, der das „internationale Toptalent“ aus seiner Zeit in Hoffenheim bestens kennt und von einem Wechsel zum HSV überzeugte.

Der Kapitän der Hoffenheimer U 19 ist körperlich schon deutlich weiter als etwa Amaechi. Mit einer Länge von 1,92 Metern bringt der Belgier ein Profil mit, das dem HSV derzeit fehlt. Mit Jonas David (1,90 m) wechselt der nach Lukas Hinterseer (1,92) größte Feldspieler des Kaders bis Saisonende zum Drittligisten Würzburger Kickers. „Für ihn ist das eine gute Option“, sagt Boldt.

Onana erinnert an Gladbachs Zakaria

David kam als U-20-Nationalspieler in dieser Saison nur auf einen Kurzeinsatz. Per­spektivisch will der HSV ihn zu einem bundesligatauglichen Verteidiger aufbauen. Auch Onana soll bei einem möglichen Aufstieg in die Erste Liga ein Bestandteil des Profikaders sein. „Er ist ein sehr selbstbewusster Typ“, sagt Boldt, der den Belgier gern schon jetzt geholt hätte. Das klappte nicht. Ohnehin sorgte der Transfer in Hoffenheim für Unmut. Der Bundesligist hätte das Eigengewächs gern gehalten.

„Für uns und ihn ist das eine Lösung, an der wir alle sehr viel Spaß haben werden“, sagt Boldt. Der U-19-Nationalspieler gilt als smarter Typ und positiver Charakter. Er soll fünf Sprachen sprechen. Als Spielertyp erinnert er manche Experten mit seinen langen, raumgreifenden Schritten an Mönchengladbachs Denis Zakaria. Für den HSV ist Onana der nächste Versuch, Talente einzubinden, um die sportliche und wirtschaftliche Zukunft zu gewährleisten.

Dass dieser Weg funktionieren kann, haben die Hamburger in der Hinrunde mit Josha Vagnoman gezeigt. Der beim HSV ausgebildete Außenverteidiger entwickelte sich in der Mannschaft zu einer festen Größe, ehe er sich einen Fußwurzelbruch zuzog. Der Lohn für Vagnomans Entwicklung: Aller Voraussicht nach wird der 19-Jährige seinen Vertrag in der kommenden Woche vorzeitig bis 2024 verlängern.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: HSV