Fußball

HSV-Präsident Jansen: „Es gibt keine Grabenkämpfe mehr“

Marcell Jansen ist seit Januar 2019 Präsident des HSV e. V.

Marcell Jansen ist seit Januar 2019 Präsident des HSV e. V.

Foto: TimGroothuis / WITTERS

Marcell Jansen freut sich auf die HSV-Mitgliederversammlung, bei der neben der Mannschaft auch Peter Tschentscher erwartet wird.

Hamburg. Es gehört zur Tradition von HSV-Mitgliederversammlungen, vor allem eines vorher zu diskutieren: die Länge der Veranstaltung. Mal gingen die Diskussionen sechs Stunden lang, mal sieben, mal acht Stunden. Im vergangenen Jahr wurde die Versammlung nach rekordverdächtigen neun Stunden und 46 Minuten offiziell beendet. Und an diesem Sonnabend? HSV-Präsident Marcell Jansen zuckt mit den Schultern. Nach spätestens vier Stunden sollte die Veranstaltung in der Wilhelmsburger edel-optics.de Arena (das Abendblatt berichtet per Liveticker) durch sein, glaubt er.

Jansen sitzt im Café Isabella, hat einen Kaffee bestellt und lässt sich ein Brötchen mit Marmelade schmecken. „Ich freue mich auf die Mitgliederversammlung“, sagt der 34-Jährige, der sich auf der vergangenen Mammut-Versammlung mit 799 zu 490 Stimmen gegen Herausforderer Ralph Hartmann als neuer Präsident des HSV e. V. durchgesetzt hatte. Am Ende waren es 1308 stimmberechtigte Mitglieder, die nach Wilhelmsburg gekommen waren.

Bürgermeister Peter Tschentscher hält eine Rede

Ein Jahr später geht Jansen eher von 600 Mitgliedern aus, die an diesem Sonnabend von 11 Uhr an dabei sein werden. Wahlen gebe es in diesem Jahr zwar keine, aber trotzdem verspricht er den Mitgliedern eine unterhaltsame Versammlung. „Wir möchten die Mitgliederversammlung so attraktiv wie möglich gestalten“, sagt Jansen. „Als mitgliedergeführter Verein ist jede Mitgliederversammlung wichtig – egal, ob gerade Wahlen anstehen oder nicht.“

Eine Überraschung kann Jansen schon vorab verraten. Bürgermeister Peter Tschentscher (53/SPD) wird kommen und gleich zu Beginn der Versammlung ein paar Worte verlieren. Es ist eben Wahlkampf – auch ganz ohne HSV-Wahlen. „Wir freuen uns sehr darüber, dass der Bürgermeister kommt“, sagt Jansen. „Das zeigt auch noch mal den Stellenwert des HSV in der Stadt Hamburg. Für uns ist das eine große Ehre.“

Tatsächlich hätte wohl kein Bürgermeisterkandidat in der Vergangenheit ein Minenfeld wie eine Mitgliederversammlung des HSV freiwillig besucht. Die große Politik beim HSV und undurchsichtige Lagerkämpfe wären ein viel zu großes Risiko gewesen. Oft wurde es hitzig, viele haben sich verbrannt. Doch diese Zeit, das glaubt jedenfalls Jansen, ist beim HSV vorbei. „Es gibt keine Grabenkämpfe mehr“, sagt er. „Die Kultur beim HSV hat sich sehr zum Positiven gewandelt. Man redet nicht mehr übereinander, sondern miteinander.“

Mannschaft wurde bislang immer herzlich empfangen

Auch die Mannschaft wird in Wilhelmsburg dabei sein, zumindest für ein paar Stunden. Das war auch zu Jansens Zeit als Profi nie anders. Schon damals sei er gerne auch etwas länger geblieben – genauso wie interessierte Kollegen wie René Adler oder Dennis Aogo. „Was ich immer beeindruckend fand: Als Mannschaft sind wir immer extrem herzlich empfangen worden, obwohl wir oft auch gegen den Abstieg gespielt haben. Auf der Dortmunder Mitgliederversammlung wurde gepfiffen, obwohl der BVB gerade auf Platz zwei stand.“

Nun, auch der HSV steht auf Platz zwei. Allerdings in der Zweiten Liga. Deswegen sind die interessantesten Tagesordnungspunkte der Versammlung die Berichte des Präsidiums, des Vorstands und des Aufsichtsrates. „Ich erinnere mich aber auch noch an Mitgliederversammlungen vor knapp zehn Jahren: Da waren wir zweimal in Folge im europäischen Halbfinale, aber auf der Versammlung ging es rund. Alles wurde zerlegt. Das habe ich damals überhaupt nicht verstanden“, sagt Jansen, der Ähnliches für die Versammlung an diesem Wochenende ausschließt. „Der HSV ist aus meiner Sicht gerade sehr gut aufgestellt. Das Miteinander zwischen Vorstand und Aufsichtsrat ist sehr effektiv.“

Und über die sportlichen Erfolge außerhalb des Fußballs gebe es ohnehin keine zwei Meinungen: „Aus e.-V.-Sicht war es ein richtig gutes Jahr. EM-Gold, mehrere deutsche Meister im Nachwuchsbereich und viele Erfolge sprechen für sich. Auch die B-Juniorinnen im Futsal waren erfolgreich, natürlich unsere Beachvolleyballer. Und nicht zu vergessen der Aufstieg meiner dritten Herren.“

Wer trotzdem anderer Meinung ist, kann diese kundtun. An diesem Sonnabend von 11 Uhr an. Und weil es in der Vergangenheit schon einmal anders war: Genug Erbsensuppe soll auch da sein.