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Wie Ewerton selbst seinen Fitnesszustand einschätzt

Ewerton José Almeida Santos (30) machte bislang erst drei Pflichtspiele für den Hamburger SV.

Ewerton José Almeida Santos (30) machte bislang erst drei Pflichtspiele für den Hamburger SV.

Foto: Witters

Der Brasilianer soll der Stabilisator des HSV werden. Doch seine Gesundheit macht erneut Probleme. Reicht die Zeit bis Nürnberg?

Hamburg.  Es waren nur ein paar harmlose Flugbälle, die Ewerton am Mittwochvormittag auf die Außenspieler flankte. Doch nach einigen Minuten griff sich der Brasilianer in die Leiste. Muskuläre Probleme. Etwas überraschend stand er am Nachmittag dann wieder auf dem Platz und spielte in der voraussichtlichen
A-Elf, die sich auf das Testspiel am Freitag im Volkspark gegen den FC Schalke 04 (18 Uhr/HSV TV) vorbereitete. Doch Ewerton musste erneut abbrechen. Noch bis zum Start des HSV-Neujahrsempfangs am Abend wurde er von den Physiotherapeuten behandelt.

Immerhin: Anschließend gab der Abwehrspieler Entwarnung. „Mir geht es körperlich gut. In der Vorbereitung ist es normal, dass man muskulär manchmal was spürt, so war das auch heute beim Training. Es ist aber alles okay und ich kann am Donnerstag auch wieder voll trainieren“, sagte Ewerton dem Abendblatt. Klar ist: Mehr als jeder andere braucht der 30-Jährige die Vorbereitung, um stabil zu werden.

Ewerton startete erst zweimal für den HSV

Ewerton und seine körperlichen Probleme – es ist eine Geschichte, die mit seinem Wechsel zum HSV im Sommer begann. Mit einer Leistenverletzung war er aus dem Heimaturlaub zurück­gekehrt. Und hatte fünf Monate warten müssen, ehe er Ende November erstmals für den HSV ein Pflichtspiel bestritt. Nun muss sich Trainer Dieter Hecking erneut um den Spieler sorgen, den er sich vor der Saison gewünscht hatte. „Wenn er verletzungsfrei bleibt, kann er in der Rückrunde tatsächlich der Stabilisator werden, als den wir ihn eigentlich geholt hatten“, sagte Hecking noch vor der Winterpause.

Zwei Spiele in der Startelf hatte Ewerton Ende des Jahres für den HSV gemacht. Und dabei gezeigt, warum ihn Hecking unbedingt haben wollte. Ewerton überzeugte mit seinem ruhigen Aufbauspiel und seiner Kopfballstärke, ehe er sich in Darmstadt schon nach einer halben Stunde eine Gehirnerschütterung zuzog. Es war das passende Ende eines völlig missglückten Halbjahres.

Ewerton hält noch Kontakt nach Nürnberg

Von der Gehirnerschütterung ist nichts mehr zu spüren. Mit dem Start der Vorbereitung will sich Ewerton wieder in die Form bringen, mit der er den 1. FC Nürnberg vor zwei Jahren zum Aufstieg in die Bundesliga geführt hatte. Das erste Spiel des Jahres gegen seinen Ex-Club am 30. Januar ist daher auch sein großes Ziel.

„Gegen Nürnberg will ich natürlich unbedingt spielen“, sagt Ewerton, der nach zwei Jahren beim Club noch Kontakt hält. „Ich spreche noch regelmäßig mit einigen Spielern.“ Bei den Franken hatte Ewerton zwei ereignisreiche Spielzeiten erlebt, ehe der HSV ihn nach dem Nürnberger Abstieg für zwei Millionen Euro verpflichtete.

Van Drongelens Vorteil gegenüber Ewerton

Doch schon in Nürnberg hatte Ewerton in der vergangenen Saison wegen eines Syndesmosebandanrisses nahezu die gesamte Hinrunde verpasst. Die gleiche Verletzung erlitt er im August beim HSV. Hecking hat die Hoffnung, dass der Innenverteidiger in der Rückrunde so stabil spielt, wie er es in Nürnberg in der Rückrunde getan hatte.

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Seine bisherige Verletzungsproblematik zeigt dem Club in jedem Fall immer wieder deutlich, dass es richtig war, Rick van Drongelen im Sommer nicht gehen zu lassen. Der Vize-Kapitän wird intern zwar durchaus kritisch bewertet, ist aber nie verletzt und für die Stimmung in der Mannschaft ein wichtiger Faktor. Anders Ewerton. Der Routinier ist im Team auch beliebt, aufgrund seiner Sprachprobleme aber ein wenig isoliert. Lediglich mit dem Spanier Jairo kann sich Ewerton in einem Mix aus Spanisch und Portugiesisch gut verständigen. Sein Deutsch ist auch nach drei Jahren in Kaiserslautern, Nürnberg und Hamburg brüchig.

Ewerton betreibt in Brasilien ein Landgut

Und auch mit dem Winter tut sich Ewerton nach wie vor schwer. Umso glücklicher war er, als er Weihnachten und Silvester mit seiner Frau Elisangela in seiner Heimat Alagoas im Nordosten von Brasilien verbringen konnte. Dort betreibt der Hobby-Farmer sogar eine eigenes Landgut. „Die Zeit in Brasilien war super. Ich habe viel Zeit mit der Familie verbracht, mich entspannt und Kraft für die Rückrunde getankt.“

Insbesondere Ewerton wird es daher freuen, dass sich der HSV ab kommenden Sonntag für eine Woche im portugiesischen Lagos auf die zweite Halbserie vorbereitet. In Portugal hat der Verteidiger schon zweimal gelebt. Von 2011 bis 2012 stand er bei Sporting Braga unter Vertrag, von 2015 bis 2016 bei Sporting Lissabon.

„Ich habe gerne in Portugal gelebt. Mit der Sprache war das natürlich einfach und auch das Land hat mir gefallen.“ Da passt es, dass während des Trainingslagers am Freitagabend das Lissabon-Derby zwischen Sporting und Benfica läuft. „Ich habe einige Freunde, die bei Sporting spielen, deswegen weiß ich es klar, für wen ich bin.“

Für einen Kurztrip von Lagos nach Lissabon wird es aber nicht reichen. Das Spiel schaut er sich im Teamhotel „La Cascade“ an. „Wir müssen uns alle gut vorbereiten“, sagt Ewerton über die Wochen bis zum Start gegen Nürnberg. Vor allem er wird es tun müssen, um dann auch dabei zu sein.