Toptalent

HSV bietet Josha Vagnoman vorzeitig neuen Vertrag an

Schon gehört? So jubelte Josha Vagnoman im September über sein erstes Profitor für den HSV.

Schon gehört? So jubelte Josha Vagnoman im September über sein erstes Profitor für den HSV.

Foto: Valeria Witters / WITTERS

Am Mittwoch feiert der derzeit verletzte Außenverteidiger seinen 19. Geburtstag. Der Club plant ihn für größere Aufgaben ein.

Hamburg.  Dass der heutige Mittwoch für Josha Vagnoman ein besonderer Tag ist, daraus macht der Fußballer kein großes Geheimnis. „Geburtstage sind für mich schon immer noch etwas Besonderes“, sagt der HSV-Profi, der heute seinen 19. Ehrentag feiert. „Einen konkreten Plan habe ich noch nicht. Ich denke, dass ich zu Hause mit meiner Familie und meiner Freundin feiern werde.“ Besondere Wünsche? Eigentlich nicht. „Diesmal wünsche ich mir vor allem Gesundheit“, sagt Vagnoman.

Der Wunsch ist nachvollziehbar. Mit der Gesundheit hat das im vergangenen Jahr nur so suboptimal geklappt. Von Februar bis April fiel der Noch-Teenager mit einer Innenbandverletzung mehr als sieben Wochen aus, verpasste acht Spiele. Und am 29. Oktober, zwei Tage vor Halloween, brach sich Vagnoman zu allem Überfluss auch noch den Fuß.

Nur Saures statt Süßem? Na ja, sechs Wochen später sieht Vagnomans Welt jedenfalls schon wieder besser aus. „In der Reha läuft es gut, alles läuft nach Plan“, sagt das Geburtstagskind, das sich nicht nur über gute Nachrichten aus der medizinischen Abteilung freuen kann. Auch aus dem Finanzressort gibt es positive Signale. So hat das Abendblatt erfahren, dass sich der HSV und Vagnomans Hamburger Berateragentur Football Transfer Company grundsätzlich auf eine Vertragsverlängerung geeinigt haben. „Wir sind in positiven, konstruktiven Gesprächen mit dem HSV“, sagt Geschäftsführer Dieter Gudel, der damit aber nur die halbe Wahrheit verrät.

HSV plant mit Vagnoman für die Bundesliga

Denn obwohl Vagnomans bisheriger Vertrag noch (mit einem zusätzlichen Jahr zur Option) bis mindestens 2021 läuft, hat HSV-Sportvorstand Jonas Boldt dem talentierten Außenverteidiger eine vorzeitige Verlängerung angeboten, bei der Vagnoman noch in der Winterpause zuschlagen will. Beim HSV ist man von Vagnomans Entwicklung – körperlich, aber auch taktisch und technisch – überzeugt. Bis zum Rückrundenauftakt sollen deshalb Nägel mit Köpfen gemacht werden. Denn perspektivisch trauen die HSV-Verantwortlichen dem U-21-Nationalspieler auch im Aufstiegsfall zu, eine gute Rolle in der Bundesliga zu spielen.

Dabei hätte der Auftakt in die aktuelle Saison für Vagnoman nicht viel holpriger laufen können. Fünf Tage nach dem Trainingsauftakt im Juni durfte der Youngster im ersten Testspiel der Saison gegen den Meiendorfer SV als Linksverteidiger vorspielen – und erwischte einen rabenschwarzen Tag. Zweimal verschätzte sich Vagnoman direkt vor der Bank von Neu-Trainer Dieter Hecking – und wurde nach 45 Minuten beim Stand von 2:0 für Douglas Santos ausgewechselt. Am Ende gewann der HSV 8:0.

Vagnoman bot sich über die U21 an

Hecking suchte direkt nach der Partie mit Vagnoman das Gespräch, sagte ihm, dass er sich keinen Kopf machen und einfach weiter an sich arbeiten solle. Allerdings: Nur drei Tage später verpflichtete der HSV Linksverteidiger Tim Leibold aus Nürnberg. Rechts war Neuzugang Jan Gyamerah (24/aus Bochum) gesetzt, sodass Allrounder Vagnoman, der als Außenverteidiger rechts und links spielen kann, zunächst ganz außen vor blieb. In den ersten beiden Saisonspielen schaffte es der Gewinner der silbernen Fritz-Walter-Medaille (zweitbester Nachwuchsfußballer in seinem Jahrgang) nicht einmal in den Profikader, in den folgenden drei Partien durfte er insgesamt nur zwei (!) Minuten spielen.

„Für mich war es zu Beginn nicht ganz leicht. Ich brauche bei einem neuen Trainer meist ein bisschen Anlaufphase“, sagte Vagnoman kürzlich in einem Interview mit dem Vereinsmagazin „HSVlive“. Er habe dann versucht, sich über freiwillige Einsätze bei der U 21 anzubieten. „Das habe ich überhaupt nicht als Abwertung betrachtet“, sagt Vagnoman, der in drei Regionalligaspielen drei Tore erzielen konnte. „Insofern hat mich der eine Schritt zurück im Endeffekt zwei Schritte nach vorn gebracht.“

Vagnoman erfüllt sich mit HSV-Tor Kindheitstraum

Tatsächlich war für Hecking schnell klar, dass nach Gyamerahs schlimmer Wadenbeinverletzung nur Vagnoman als Ersatz infrage käme. Und an dieser Meinung hielt der Trainer auch fest, als Vagnoman in seinem ersten Spiel von Anfang an gegen St. Pauli (0:2) erneut von der Rolle war. „Fing nervös an, hätte vor dem 0:1 energischer die Flanke verhindern müssen, blieb nervös“, lautete die Einzelkritik im Abendblatt.

Doch Vagnoman hat gelernt, auch mit Rückschlägen umzugehen. „Für mich ist es der beste Weg, die Dinge ganz bewusst total positiv anzugehen und immer die Chance zu sehen, die mir eine Situation bietet. Das habe ich so von meinem Vater gelernt.“ Und lange sollte der Teenager nicht auf seine nächste Chance warten. Im nächsten Spiel, gegen Erzgebirge Aue (4:0), durfte Vagnoman wieder von Anfang an spielen, machte das beste Spiel seiner Karriere und schoss sein erstes Profitor.

Vagnoman & Co. beim Hamburger-Weg-Weihnachtstag:

„Als Kind habe ich davon geträumt, irgendwann einmal für den HSV zu spielen. Und genauso lange habe ich mir vorgestellt, wie es wohl sein muss, im Volksparkstadion ein Tor zu schießen“, sagt der gebürtige Hamburger. „Diesen Moment werde ich niemals vergessen. Ich habe das auch alles sehr bewusst wahrgenommen, den Jubel der Fans, meine Mitspieler, die mich gefeiert haben. Ich wollte das aufsaugen und mitnehmen.“

HSV erwägt, einen Ersatz für nur sechs Monate zu leihen

Knapp drei Monate später ist dieser Moment nun schon wieder lange vorbei. Doch auch der Fußbruch, die lange Reha und das ewige Warten konnten nicht verhindern, dass Vagnoman den nächsten Momenten bereits wieder entgegenfiebert. „Ich trainiere jeden Tag, mache viel für Beine und Oberkörper. Das, was geht“, sagt Vagnoman, der in den nächsten Tagen seinen Kontrolltermin im UKE hat. „Ich hoffe, dass ich die Krücken bald los bin und wir die nächsten Schritte in der Reha angehen können.“

Läuft weiterhin alles gut, dürfte der Poppenbüttler Anfang Februar wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Bis dahin will man beim HSV auch entscheiden, ob man überhaupt noch Ersatz holen muss. Ein Plan, den die HSV-Verantwortlichen derzeit diskutieren: Möglicherweise soll ein Rechtsverteidiger nur für die Rückrunde ausgeliehen werden, damit dieser bei einer vollständigen Genesung Vagnomans Entwicklung nicht im Weg stehen würde. Eine endgültige Entscheidung gibt es aber erst, wenn die Ergebnisse der Computertomografie bekannt sind. Unabhängig davon heißt es bereits heute: Happy Birthday!