HSV

Bielefelds Trainer und Torschütze teilen den Ärger des HSV

Beim 1:1 vergibt der HSV etliche Großchancen und muss am Ende trotzdem mit dem Punkt zufrieden sein. Debatte um den Ausgleich.

Bielefeld. Riem Hussein konnte einem leidtun. Immer wieder redeten Dieter Hecking und Uwe Neuhaus auf die vierte Offizielle ein. Vor allem der HSV-Trainer hatte Redebedarf. Im Spitzenspiel zwischen Arminia Bielefeld und dem HSV kam es immer wieder zu strittigen Szenen und Entscheidungen. Am Ende trennten sich der Tabellendritte aus Bielefeld und der Spitzenreiter aus Hamburg aufgrund der unterschiedlichen Halbzeiten mit 1:1 (0:1), mit dem beide Mannschaften gut leben konnten. „Wir haben zwei verschiedene Halbzeiten erlebt. Wenn wir konsequenter sind, gehen wir mit drei Toren Vorsprung in die Pause“, sagte Mittelfeldmann Adrian Fein bei Sky. „Nach der zweiten Halbzeit sind wir aber mit dem Punkt zufrieden.“

Hecking hatte vor dem Spiel gepokert mit der Besetzung der Sturmspitze. Im Training ließ er Bobby Wood in der A-Elf ran, lobte ihn dann explizit und kritisierte Hinterseer für die jüngsten Leistungen. Trotzdem entschied er sich am Ende für den Österreicher – wie schon in den neun Spielen zuvor. „Wenn der Trainer mich kritisiert, ist das sein gutes Recht. Ich hatte es selber aber gar nicht mitbekommen“, sagte Hinterseer. Schon nach vier Minuten hätte der Angreifer zeigen können, dass Heckings kleiner Rüffel gewirkt hat. Seinen 17-Meter-Schuss konnte Bielefelds Torhüter Stefan Ortega aber parieren.

HSV nutzt Fehler von Bielefelds Edmundsson

Zehn Minuten später machte es Hinterseer dann besser. Mit großzügiger Unterstützung von Joan Edmundsson. Der Bielefelder spielte einen Rückpass unbedrängt in die Füße des HSV-Stürmers. Hinterseer hatte frei vor Ortega so viel Zeit, dass er sich noch ein Herforder hätte bestellen können. Mit einer Bierruhe platzierte der 28-Jährige den Ball in die rechte Ecke zum 1:0 für den HSV (15.). Es war der vierte Saisontreffer für Hinterseer, zum dritten Mal traf er zum wichtigen 1:0. Die Hamburger belohnten sich für einen richtig guten Start.

Zu später Stunde präsentierte sich Heckings Elf hellwach und hochkonzentriert in den Zweikämpfen. Einziges Manko, das war jedoch ein gravierendes: die Chancenverwertung. Innerhalb weniger Minuten ließen Bakery Jatta (29.), Sonny Kittel (32.) und Jeremy Dudziak (34.) drei Hochkaräter liegen. Zudem pfiff Schiedsrichter Frank Willenborg einen Treffer Martin Harniks wegen Abseits zu Recht ab. Aber auch die Arminia hatte Chancen. Fabian Klos scheiterte gleich dreimal an der Hamburger Abwehr.

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HSV erhält Warnung von Ex-Prof Dammeier

26.515 Zuschauer in der ausverkauften SchücoArena erlebten ein Spitzenspiel, das seiner Bezeichnung gerecht wurde. Viel Tempo, viele Torraumszenen, wenig Mittelfeldtaktik. Der HSV zeigte ein ganz anderes Gesicht als noch im Februar, als Bielefeld 2:0 gewann. Aus der Startelf von damals waren nur noch Jatta, Josha Vagnoman und Rick van Drongelen auf dem Platz. Bei Bielefeld standen gleich acht Akteure aus dem Frühjahr wieder im Team.

Diesmal aber ging die Taktik der Arminia zunächst nicht auf. Vor allem defensiv bot die Mannschaft von Uwe Neuhaus immer wieder Räume an, die der HSV viel effektiver hätte nutzen müssen. Trotz der verdienten Pausenführung warnte der frühere HSV- und Bielefeld-Profi Detlev Dammeier zur Halbzeit bei Sky: „Das Spiel kann jederzeit kippen.“ Bislang hatte der HSV aller vier Spiele nach einer Halbzeit-Führung gewonnen. Und diesmal? Zunächst sollte TV-Experte Dammeier recht behalten.

HSV: Die Termine in der Saison 2019/2020 bis zur Winterpause:

  • 26.10.: HSV gegen Stuttgart (Sonnabend, 13 Uhr)
  • 29.10.: DFB-Pokal HSV gegen Stuttgart (Dienstag, 18.30 Uhr)
  • 3.11.: HSV in Wiesbaden (Sonntag, 13.30 Uhr)
  • 9.11.: HSV in Kiel (Sonnabend, 13 Uhr)
  • 23.11.: HSV gegen Dresden (Sonnabend, 13 Uhr)
  • 29.11.: HSV in Osnabrück (Freitag, 18.30 Uhr)
  • 6.12.: HSV gegen Heidenheim (Freitag, 18.30 Uhr)
  • 15.12.: HSV in Sandhausen (Sonntag, 13.30 Uhr)
  • 21.12.: HSV in Darmstadt (Sonnabend, 13 Uhr)

Bielefelds Ausgleich hätte nicht zählen dürfen

Schon fünf Minuten nach dem Seitenwechsel kam Bielefeld zum Ausgleich. Allerdings hätte der Treffer nicht zählen dürfen. Vagnoman wurde zunächst an der Eckfahne von Andreas Voglsammer geschubst und dadurch zu Fall gebracht. Willenborg entschied trotzdem auf Eckball. Fast schon mit Ansage führte dieser zum Ausgleich. Klos stieg nach der Hereingabe von Marcel Hartel höher als Letschert, köpfte aus sechs Metern zum 1:1 ein (50.). Hecking und Co-Trainer Dirk Bremser waren außer sich vor Ärger und beschimpften die Vierte Offizielle. Dabei konnte Riem Hussein rein gar nichts dafür.

„Aus Hamburger Sicht hätte ich auch reklamiert“, sagte Bielefeld-Coach Neuhaus. Auch Torschütze Klos hätte sich über einen Freistoßpfiff „nicht beschwert“. Noch deutlicher wurde Hecking. „Die Spielleitung war dem Spiel nicht angemessen“, klagte der HSV-Coach. „Man weiß manchmal gar nicht, was ein Foul ist und was nicht.“

HSV durch Ausgleich aus der Fassung

Die Hamburger wirkten durch den Ausgleich spürbar aus der Fassung gebracht. Es dauerte lange, ehe sich der HSV wieder dem Bielefelder Tor näherte. Stattdessen hätte Klos die Arminia auch in Führung bringen können, köpfte diesmal aber in die Arme von Torhüter Heuer Fernandes (80.).

Der HSV wurde nur noch einmal gefährlich. Dudziak traf mit einem sehenswerten Volleyschuss die Latte (86.). Es sollte die letzte Szene gewesen sein. Am Ende blieb es bei einem leistungsgerechten Unentschieden. Und vor allem Riem Hussein war froh, dass ihr Kollege Frank Willenborg diesem hitzigen Spiel mit dem Abpfiff ein friedliches Ende setzte.