HSV-News

Der HSV stellt einen besonderen Vereinsrekord ein

Hecking trauert um seinen Vater. Van Drongelen hatte Angst vor Papadopoulos. Van der Vaart spricht über Damian. Ex-Coach rastet aus.

Die HSV-News am Montag, den 23. September 2019:

  • Dieter Hecking trauert um seinen Vater
  • Van Drongelen über Hecking
  • Bremser leitet Training
  • Abwehrkante war früher übermotiviert
  • Van Drongelen bekennt sich zum HSV
  • Anekdote über Papadopoulos-Scharmützel
  • HSV offensivstark wie seit zehn Jahren nicht
  • Van der Vaart spricht offen über Sohn Damian
  • Van der Vaart räumt mit Díaz-Legende auf
  • Ex-HSV-Co-Trainer El Maestro rastet aus

Dieter Heckings Vater Wilfried ist tot

Dieter Hecking trauert um seinen Vater. Wie der HSV am Montag bekannt gab, starb Wilfried Hecking bereits am Sonntag nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 84 Jahren.

Der 55 Jahre alte HSV-Coach hatte bereits am Sonnabend nicht das Abschlusstraining geleitet. Nach dem 4:0-Sieg der Hanseaten am Sonntag gegen Erzgebirge Aue sagte er alle Interviewtermine ab und verließ das Volksparkstadion unmittelbar nach dem Schlusspfiff in Richtung Soest (Nordrhein-Westfalen), wo sein Vater zuletzt gelebt hatte.

Auch am Montag fand das Training ohne Hecking statt. Die Leitung übernahm Assistent Dirk Bremser, der zuvor auch in der Pressekonferenz nach dem Spiel alle Fragen beantwortet hatte. Wann Hecking seine Arbeit wieder aufnehmen wird, ist noch offen.

Nach Abendblatt-Informationen will Hecking aber nach dem trainingsfreien Dienstag bereits am Mittwoch bei Einheiten (10 und 15 Uhr) wieder leiten.

Van Drongelen: "Muss nicht jede Woche sein"

Auch im NDR-"Sportclub" war Dieter Hecking eines der Themen. Kein Wunder, schließlich war der HSV-Trainer eigentlich fest als Studiogast eingeplant. Aufgrund seiner familiären Angelegenheit fehlte der 55-Jährige bei der Aufzeichnung am Sonntagabend, für ihn sprang Rick van Drongelen ein.

"Wir haben auch für den Trainer gespielt", bekannte der Vize-Kapitän im Gespräch mit Moderator Martin Roschitz. Persönliche Schicksale wie dieses oder auch die Verletzung von Jan Gyamerah oder die Debatte um Bakery Jatta gäben der Mannschaft zwar stets eine zusätzliche Motivation, sagte van Drongelen. "Aber so etwas muss nicht jede Woche sein."

Speziell zum Fall Jatta sagte der Niederländer: "Es war für die ganze Mannschaft sehr emotional. Es war zwar etwas Negatives, aber wir haben etwas Positives daraus gemacht." Gleichwohl sei die Angelegenheit für Jatta selbst sehr belastend gewesen.

Van Drongelen war früher übermotiviert

Über seine eigene Motivation sagte van Drongelen: "Früher war ich oft übermotiviert." Sein Vater habe ihn als Trainer in der Jugend oft für ein paar Minuten rausgenommen, um neue Kraft zu tanken. "Dann konnte ich wieder normal atmen und wieder reingehen." Inzwischen habe er gelernt, seine Energie kontrollieren.

Van Drongelen will lange beim HSV bleiben

Und wie lange bleibt "Mentalitätsspieler" van Drongelen dem HSV noch erhalten? Die lange Hinführung zur Frage, ob er sich vorstellen könne, länger in Hamburg zu bleiben, beendete der 20-Jährige mit der knappsten aller möglichen Antworten: "Ja!"

Schließlich habe der HSV ihm die Chance gegeben, im Alter von 18 Jahren bereits in der Ersten Bundesliga spielen zu können. "Ich bin jedes Mal stolz, für den HSV zu spielen. Ich bin jung und kann hier noch viel lernen", sagte van Drongelen, dessen aktueller Vertrag noch bis 2022 läuft.

Anekdote über Scharmützel mit Papadopoulos

Möglicherweise trägt ja auch die lustige Atmosphäre innerhalb der Mannschaft zum Verbleib des Innenverteidigers bei. Speziell Kyriakos Papadopoulos sei ein großer Spaßvogel, berichtete van Drongelen.

Dabei sei die erste Begegnung mit dem Griechen keinesfalls spaßig gewesen. Beim Testspiel des HSV gegen Sparta Rotterdam (1:1) im Juli 2017 sei er mit Papadopoulos verbal aneinandergeraten, erzählte van Drongelen, der damals noch auf der anderen Seite spielte.

"Er hat was zu mir gesagt, ich hab was zu ihm gesagt. Die genauen Wörter werde ich hier nicht sagen." In der Halbzeitpause habe er sich eigentlich bei Papadopoulos entschuldigen wollen. "Aber er wollte nichts mehr von mir hören", erinnerte sich van Drongelen, der Rotterdam damals nach einem Patzer von HSV-Torhüter Julian Pollersbeck in Führung gebracht hatte.

Eine Woche später unterschrieb van Drongelen schließlich beim HSV – und hatte durchaus Respekt vor dem Wiedersehen mit Papadopoulos ("Ich hatte Angst vor der Kabine"). Am Tag vor seinem Job-Antritt habe er dann aber eine Nachricht von seinem neuen Kollegen erhalten. "Da dachte ich mir 'okay, ich kann entspannt zum Training kommen'."

Van Drongelen (fast) auf dem Kicker-Thron

Für die Kollegen vom Kicker ist Rick van Drongelen mit einer 1,5 übrigens "Spieler des Spiels". Zum "Spieler des Tages" in der Zweiten Liga reichte das aber nicht ganz – in dieser Kategorie musste sich die Abwehrkante Bielefelds Marcel Hartel (1,5) geschlagen geben.

Vagnoman à la Robben: Der HSV in der Einzelkritik

HSV so offensivstark wie seit zehn Jahren nicht

Die Arminia schlägt dem HSV auch bei der Torausbeute ein Schnippchen. Denn nur die Ostwestfalen (19 Treffer) haben bislang noch häufiger ins Schwarze getroffen als die Hamburger (17).

Dennoch ist die neue Angriffswucht des HSV eine deutliche Trendwende. Nicht nur zum vergleichbaren Zeitpunkt der Vorsaison taten sich die Rothosen ungleich schwerer mit dem Toreschießen – damals standen nach sieben Spieltagen erst zehn Treffer zu Buche (am Ende nur 45).

Überhaupt muss man lange zurückblicken, um einen ähnlich offensivstarken Saisonauftakt aufzutun. Letztmals stand der HSV am 7. Spieltag der Saison 2009/10 bei 17 Treffern – und damals mit 17 Punkten sogar an der Tabellenspitze der Ersten Bundesliga.

In jener Spielzeit gelang es dem HSV auch zum bis dato letzten Mal, in mehr als drei Ligaspielen vier oder mehr eigene Treffer zu erzielen (4:1 gegen Dortmund, 4:2 in Wolfsburg, zweimal 4:0 gegen Nürnberg).

Nicht ausgeschlossen, dass diese Marke in der aktuellen Runde übertroffen wird – schon jetzt hat der HSV schließlich in drei Spielen jeweils viermal getroffen (4:0 in Nürnberg, 4:2 beim KSC, 4:0 gegen Aue).

Dieses Kunststück gelang dem einstigen Dino in seiner 54 Jahre währenden Erstligageschichte überhaupt erst zweimal: 1963/64 (4:2 gegen Saarbrücken, 4:0 beim KSC, 5:1 gegen Hertha BSC) sowie 1965/66 (5:1 gegen Tasmania Berlin, 4:1 beim KSC, 5:o gegen Gladbach).

Der wiederentdeckte Torinstinkt würde auch die Chance auf den Aufstieg erhöhen. Womit sich wiederum nach zehn Jahren Krisenmodus ein Kreis schließen könnte – die erfolgreiche Saison 2009/10 mit dem Europa-League-Halbfinale gegen Fulham gilt nicht wenigen Beobachtern im HSV-Umfeld als negativer Wendepunkt.

Till Müller heute im HSV-Podcast

Vormerken: Am Montag geht die nächste Folge des Abendblatt-Podcasts "HSV – wir müssen reden" online. Zu Gast ist diesmal Pressesprecher Till Müller, der vor seiner Hamburger Zeit für den kommenden HSV-Gegner Jahn Regensburg gearbeitet hatte.

Van der Vaart über seinen Sohn Damian

Fliegender Holländer-Wechsel: Auch Rafael van der Vaart hat gesprochen – und zwar mit dem Kicker. Dabei redete der langjährige HSV-Profi unter anderem äußerst offen über seinen Umgang mit seinen Kindern Damian und Jesslynn.

"Wenn ich früher mit meinem Sohn Damian in Hamburg über den Dom gegangen bin, habe ich mir immer eine Cappy ins Gesicht gezogen, heute gehe ich ganz entspannt mit ihm in Hamburg ins Jumphouse oder ins Schwimmparadies, in Dänemark mit meiner Tochter bin ich sowieso ein ganz normaler Papa. Da dreht sich keiner nach mir um. Da bin ich höchstens noch 'der Mann von'", erzählte van der Vaart.

Auf die Frage, ob er ein ruhiger Vater sei, wenn er Damian bei der D-Jugend des SC Victoria am Spielfeldrand zuschaue, antwortete van der Vaart: "Ja, ich kann sagen, dass ich sogar ein ganz, ganz ruhiger Vater bin. Ich fiebere mit, aber Mamas und Papas müssen den Mund halten, das ist Trainersache. Ich habe bisher vielleicht zweimal etwas reingerufen."

Van der Vaart über Díaz: "Ich schwöre..."

Apropos Reinquatschen: Auch mit der "Tomorrow, my Friend"-Legende räumte van der Vaart ein Stück weit auf. "Sollte er diesen Satz jemals zu mir gesagt haben, muss ich ihn bei dieser Geräuschkulisse einfach überhört haben", sagte der 36-Jährige über die Szene aus dem Relegationsrückspiel im Juni 2015 beim KSC, als Marcelo Díaz ihm den Freistoß wegnahm und zum rettenden 1:1 ins Netz setzte.

Eigentlich habe er sich geschworen, in seinem letzten Spiel für den HSV noch einmal einen großen eigenen Moment zu erleben, berichtete van der Vaart, Deshalb habe er auch unbedingt jenen Freistoß schießen wollen. Doch Díaz habe ihn einfach ignoriert. "Ich schwöre: Wenn er ihn damals nicht reingemacht hätte, würde ich heute noch hinter ihm herlaufen", sagte van der Vaart: "Und ich hätte ihn niemals zu meinem Abschiedsspiel eingeladen."

So sehen sich van der Vaart und Díaz am 13. Oktober nun doch noch einmal wieder – dann steigt im Volksparkstadion das Duell von van der Vaarts HSV-Stars gegen ein Allstar-Team aus Weggefährten des Niederländers. Den Kick bezeichnete van der Vaart auch im Kicker-Interview einmal mehr als Wiedergutmachung für den Ärger um seine Wechsel-Posse mit dem FC Valencia im Sommer 2007.

Früherer HSV-Co-Trainer El Maestro rastet aus

Tritt gegen den Zaun, Wegdreschen des Balls und ein Ausraster im Kabinentrakt: Trainer Nestor El Maestro vom österreichischen Bundesligisten Sturm Graz ließ seinen Emotionen nach dem 3:3 beim SV Mattersburg freien Lauf, zeigte ein wenig vorbildliches Verhalten. Die TV-Bilder hielten fest, wie sich der Fußballlehrer nach der Punkteteilung echauffierte, auf den Schiedsrichter zustürmte und diesem den Ball aus der Hand riss.

Ex-HSV-Co-Trainer Nestor El Maestro rastet aus

In der Nachspielzeit hatten die Grazer noch den Ausgleich per Strafstoß hinnehmen müssen. „Ich möchte mich für meine Überreaktion entschuldigen. Es tut mir leid. In den letzten vier Spielen gab es Entscheidungen gegen uns, es sind nicht alle falsch, aber diskutabel. Es macht wenig Spaß“, sagte El Maestro (36) später.

Im Fernsehinterview wirkte der Serbe, 2014 Co-Trainer des HSV unter Thorsten Fink, tief enttäuscht und frustriert. „Ich bin gerne hier in Österreich, bin gefühlt Österreicher. Aber das ist jetzt nicht so ein Jahrhundertjob für mich. Unfassbar, dass ich hier gelandet bin“, sagte er bei Sky Sport Austria. „Wenn Sie unsere Niederlagen analysieren, wie viele waren da ganz sauber?“, fragte der Coach.

Nestor El Maestro: "Das ist kein Jahrhundertjob für mich"