HSV

Jarchow kontert Kühne: Anteile am besten verkaufen

Investor Klaus-Michael Kühne kritisiert den Zustand der HSV AG.

Investor Klaus-Michael Kühne kritisiert den Zustand der HSV AG.

Foto: Axel Heimken / dpa

Investor unterstützt HSV-Präsident Jansen und kann sich eine KGaA als Rechtsform vorstellen. Ex Jarchow stellt Bayern-Vergleich an.

Hamburg.  Am Dienstagnachmittag hatte Marcell Jansen einen Termin bei Eugen Block. Der Unternehmer lud den HSV-Präsidenten in sein Hotel „Grand Elysée“ ein, um mit ihm über die Zukunft des HSV zu sprechen. Zuvor hatte Block im Abendblatt den Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann kritisiert, sich für Felix Magath als Trainer stark gemacht und eben jenen Jansen als möglichen Nachfolger von Hoffmann als Clubchef ins Spiel gebracht. Block hält viel von Jansen. Eine Meinung, die ihn verbindet mit einem anderen Hamburger Unternehmer, dessen Luxushotel „The Fonteney“ nur 500 Meter Luftlinie entfernt vom Elysée liegt: Klaus-Michael Kühne.

Kühne kann sich Umwandlung vorstellen

Der 81-Jährige pflegt einen engen Austausch zum Präsidenten, ließ sich von Jansen zuletzt von einer lebenslangen Mitgliedschaft im HSV e. V. überzeugen. Auch die Ideen, die Jansen vor einer Woche im Abendblatt über die Zukunft der HSV-Struktur beschrieb, unterstützt Kühne. Zur Erinnerung: Jansen hatte erstmals über die Vision gesprochen, die HSV Fußball AG auf lange Sicht in eine KGaA umzuwandeln.

Der Vorteil: In dieser Struktur könnte Kühnes Wunsch erfüllt werden, mehr Anteile als bislang (20,6 Prozent) zu kaufen. Gleichzeitig würden die Stimmrechte beim HSV bleiben, Kühne könnte also nicht wie im AG-Modell eine Sperrminorität erreichen und Entscheidungen blockieren. „Jede Maßnahme, die die Eigenkapitalbasis der HSV Fußball AG stärkt, erscheint mir willkommen“, sagte Kühne dem Abendblatt zu einem möglichen KGaA-Modell.

HSV muss "stromlinienartig reorganisiert werden"

Für den Investor geht es aber zunächst darum, die aktuellen Vorgänge im Club zu verbessern. „Nach meiner Vorstellung muss die HSV Fußball AG an Haupt und Gliedern reformiert werden“, sagte Kühne, ohne dabei Namen zu nennen. „Es muss Aufbruchsstimmung erzeugt und es müssen alte Zöpfe abgeschnitten werden. Ohne tieferen Einblick in das ‘Innenleben’ der Gesellschaft zu besitzen, höre ich immer wieder, dass es dort zahllose Verkrustungen und einen Apparat gibt, der stromlinienartig reorganisiert werden muss. Unschön ist auch die große Zahl von Beratern und Mitläufern. Einige wenige Verantwortliche sollten das Sagen haben und einen klaren Kurs bestimmen.“

Kühne verließ sich auf externe Ratgeber

Dabei vergisst Kühne aber offenbar, dass er vor drei Jahren auf den externen Rat von Reiner Calmund und Volker Struth hörte und mitbestimmen konnte, welche Spieler der ehemalige Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer mit seiner Unterstützung für den HSV finanzierte. Beiersdorfers Vorgänger Carl Jarchow kritisiert diese Konstruktion um Kühne im Abendblatt-Podcast scharf: „In meiner Zeit war Herr Kühne Darlehensgeber. In dem Moment, in dem seine Rolle immer größer wurde, in dem er über eigene Berater Einfluss auf die Transferpolitik genommen und sich öffentlich zum HSV geäußert hat, wurde es schwieriger“, sagt Jarchow.

"Kühne darf sich nicht wie ein Fan aus der Kurve verhalten"

Jarchow stellt Bayern-Vergleich an

Der Politiker sieht Kühne als eines der HSV-Probleme: „Bei Bayern München wird ein Anteilseigner nie etwas über einen Spieler oder einen Trainer sagen. Wenn sie einen solchen Anteilseigner haben, werden sie keine anderen seriösen Anteilseigner finden. Ein Investor darf sich nicht wie ein Fan aus der Kurve verhalten. Aus meiner Sicht wäre die beste Lösung, wenn er seine Anteile an einen strategischen Investor verkauft.“

Tatsächlich hatte Kühne noch vor einem Jahr damit kokettiert, seine Anteile zu verkaufen. Von dieser Idee hat er sich mittlerweile aber wieder verabschiedet. Im Gegenteil: Eine KGaA könnte dem Investor beim HSV künftig ganz neue Perspektiven eröffnen.