HSV-News

Neuzugang beklagt gleiches Schicksal wie Dudziak und Sakai

„Wir haben die sportlichen Ziele der Saison klar verfehlt", sagt HSV-Aufsichtsratschef Köttgen über die Beurlaubung von Becker.

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Hecking bestätigt Gespräche. Foto-Kuriosum um Hinterseer und Becker. Ein Kandidat weniger für Santos? Pokalsieger will den HSV.

Die HSV-News am Montag, den 27. Mai 2019:

  • Hecking bestätigt HSV-Gespräche
  • Hinterseer posierte noch mit Becker
  • Gyamerah beklagt "unfaire" Pfiffe
  • Santos: Hoffenheim aus dem Rennen?
  • Dorfclub wünscht sich HSV im Pokal
  • Fiese SPD-HSV-Vergleiche
  • Diekmeiers Hamburg-Villa verkauft

Hecking bestätigt HSV-Gespräche

Nachdem der neue Sportvorstand Jonas Boldt bei seiner Präsentation eine Verpflichtung Roger Schmidts und Bruno Labbadia selbst am Wochenende im ARD-"Sportschau Club" ein erneutes Engagement in Hamburg ausgeschlossen hatten und auch Boldts ehemaliger Leverkusener Kollege Markus Anfang aus dem Rennen zu sein scheint, konzentriert sich die Suche nach einem neuen Trainer nun auf Dieter Hecking.

Noch in dieser Woche könnte sich Boldt mit dem Gladbach-Coach a.D. einig werden in den Punkten, die in Heckings weit fortgeschrittenen Verhandlungen mit Boldts Vorgänger Ralf Becker noch offen waren. Dazu soll unter anderem das Gehalt des 54-Jährigen zählen. "Es hat Gespräche gegeben", bestätigte Hecking zwar in einem aktuellen Kicker-Interview, in dem er sich ansonsten nicht weiter in die Karten schauen lassen wollte.

Gleichwohl bekräftige er darin seinen Wunsch nach einer zeitnahen Rückkehr ins Geschäft: "Ich bin fit, bin motiviert, ich bin angriffslustig." Seine neue Aufgabe müsse "reizvoll" sein und eine, bei der er mit "Spaß" etwas bewegen könne. Auf die Frage, ob auch die Zweite Liga eine Option sei, antwortet Hecking: "Unter Umständen."

Die Personalrochaden, die der HSV in den vergangenen Tagen vornahm, geben dem umworbenen Hecking aber auch zu denken. "Die Entwicklung hat mich überrascht", sagte der bei Borussia Mönchengladbach scheidende Coach dem "Express", als ihm Verhandlungspartner Becker von einer Minute auf die andere abhanden gekommen war.

Boldt beerbt Becker beim HSV: Wie es dazu kam

Hecking bricht Lanze für "alte" Trainer

Im Gespräch mit dem Kicker gewährte Hecking auch Einblicke in seine grundsätzliche Haltung. Die Formel "junger Trainer gleich mehr Erfolg" halte er demnach für gewagt. "Ich halte die Abschlusstabelle der Bundesliga dagegen. Nimmt man die ersten sieben Clubs, ist Niko Kovac mit 47 der Jüngste", sagte Hecking.

Lucien Favre (Borussia Dortmund 61 Jahre), Ralf Rangnick (RB Leipzig/60), Peter Bosz (Bayer Leverkusen/55), Hecking selbst (54), Labbadia (VfL Wolfsburg/53) und Adi Hütter (Eintracht Frankfurt/49) sind alle älter. "Also – wo sind die jungen Kollegen? Das ist nicht polemisch gemeint, sondern wirklich argumentativ. Die Erfahrung scheint doch ganz erfolgreich zu sein", meinte Hecking.

Zum Vergleich: Mit dem 38 Jahre alten Hannes Wolf war beim HSV zuletzt ein Vertreter der jungen Trainergarde an der Mission Wiederaufstieg gescheitert. Jonas Boldt hatte bei seiner Antritts-PK in Hamburg die Kriterien für den künftigen Chefcoach mit folgenden Worten beschrieben: "Er muss den Fußball nicht neu erfinden. Wir suchen einen, der für Ruhe und Stabilität steht, wir wollen zurück zu den Basics."

Ob Hecking und Vorstandschef Bernd Hoffmann über längere Distanz auf gleicher Wellenlänge funken würden, wäre eine spannende Frage. Hecking geht das schnelle Feuern von Trainern erheblich gegen den Strich. "Es ist das Fatale, dass sich mittlerweile jeder anmaßt, mitreden zu können, Empfehlungen auszusprechen", sagte Hecking. "Früher hat man ein Loch in der Socke gestopft, heute schmeißt man die Socke weg und kauft ein neues Paar. Viele sind nicht mehr bereit, gemeinsam durch eine Krise zu gehen und gestärkt daraus hervorzugehen."

Hinterseer von HSV-Finale beeindruckt

Trotz aller Verwerfungen in den vergangenen Tagen hat Lukas Hinterseer den HSV gelobt. "Ein großartiger Verein", sagte der für zwei Jahre vom VfL Bochum verpflichtete Stürmer der Bild-Zeitung.

"Bestes Beispiel für mich war der beeindruckende Besuch beim letzten Saisonspiel gegen Duisburg. Über 50.000 Zuschauer in einer Partie, in der es, mit Verlaub, um nichts mehr ging. Sehr stark."

Über den lange möglichen Aufstieg des HSV hätte er sich gefreut, sagte Hinterseer, räumte jedoch ein: "Aber am Ende macht es für mich keinen großen Unterschied. Ich muss meine Leistung auf dem Platz bringen."

Hinterseer ist mit 18 Toren drittbester Zweitliga-Schütze hinter dem Kölner Duo Simon Terodde (29) und Jhon Cordoba (20). Der 28 Jahre alte Österreicher löst beim HSV Pierre-Michel Lasogga (13 Tore) ab, der keinen Vertrag mehr erhielt.

Seine Verpflichtung in Hamburg war die letzte Aktion von Sportchef Ralf Becker, der am Freitag vergangener Woche beurlaubt wurde. Beckers Nachfolger ist Jonas Boldt, der für zwei Jahre beim HSV unterschrieb.

Kuriosum um letztes Becker-Foto

Mindestens ebenso überraschend wie Beckers Demission war wiederum der Umstand, dass der nun Ex-Sportvorstand den Transfer noch am Vorabend seiner Entlassung finalisierte – und auf Fotos gemeinsam mit Hinterseer und dessen Berater Thomas Böhme posierte.

Die entsprechenden Bilder gab der HSV dann selbstverständlich nicht mehr raus, das übernahm dafür Böhms Agentur "Grass is green". In den Sozialen Medien veröffentlichte Böhm ein Foto des Trios aus dem Volksparkstadion und richtete dazu ein paar Dankesworte an Becker.

"Wir möchten uns auch bei den Verantwortlichen Ralf Becker und Michael Mutzel für die professionelle Zusammenarbeit und seriöse Abwicklung bedanken", ließ Böhm unter anderem bei Facebook ebenso wissen wie den Umstand, dass sein Mandant für den HSV "andere lukrative Clubofferten aus dem In- und Ausland abgelehnt" habe.

Gyamerah beklagt "unfaire" Pfiffe

Mit Jan Gyamerah hatte der HSV schon lange vor Hinterseer einen weiteren Bochumer für die kommende Saison verpflichtet. Und der 23 Jahre alte Rechtsverteidiger geht seine neue Aufgabe mit einer klaren Vorgabe an. "Mit dem HSV kann es nur ein Ziel geben: Ich möchte in die Bundesliga aufsteigen", sagte Gyamerah im Interview mit "Reviersport".

Er selbst wolle sich zudem weiterentwickeln und gesund bleiben. Ein berechtigter Wunsch, nimmt man alleine seine sieben aufgrund von Verletzungen verpassten Spiele in der vergangenen Saison oder eine schwere Adduktorenverletzung aus dem Februar 2014, wegen der Gyamerah seinerzeit fast anderthalb Jahre ausfiel.

Der Abschied aus Bochum wurde dem ehemaligen deutschen U-Nationalspieler indes nicht leicht gemacht, gerade auch durch die Reaktionen einiger Fans. Bei der Verabschiedung im Stadion hallten Gyamerah heftige Pfiffe um die Ohren – gleiches Schicksal ereilte mit Jeremy Dudziak (FC St. Pauli) einem weiteren HSV-Neuzugang. Beim HSV wiederum sah sich Gotoku Sakai zum Saisonfinale mit Pfiffen des eigenen Anhangs konfrontiert.

"Solche Reaktionen hat es ja auch schon nach der Verkündung meines Wechsels gegeben", sagte Gyamerah nun. "Trotzdem habe ich die lauten Pfiffe als unfair empfunden." Im vergangenen Jahr habe es bereits die Möglichkeit zum Transfer ergeben. Damals hätte der VfL noch eine Ablöse erzielen können, wollte dies nach Angaben Gyamerahs aber nicht.

Die Unmutsbekundungen nach acht Jahren in Bochum sollen die Vorfreude auf seinen künftigen Arbeitgeber aber nicht schmälern. "Meine Familie und ich freuen uns auf die Zeit in Hamburg", sagte Gyamerah.

Santos: Hoffenheim aus dem Rennen?

Ein neues Ziel nach seinem publik gemachten Abschied aus Hamburg sucht indes Douglas Santos. Die Anzeichen verdichten sich, dass tatsächlich Bayer Leverkusen das Rennen um den Brasilianer machen könnte, der dem HSV einen zweistelligen Millionenbetrag einbringen soll.

Zumindest scheint die TSG Hoffenheim, die nach Abendblatt-Informationen ebenfalls in den Poker um den 25 Jahre alten Olympiasieger eingestiegen war, aufgrund des verpassten internationalen Wettbewerbs inzwischen chancenlos zu sein.

Waldschmidt wird immer interessanter

Verlassen hatte Luca Waldschmidt den HSV bereits vor der nun abgelaufenen Runde – für die festgeschriebene maximale Ablöse von fünf Millionen Euro. Seinem neuen Club SC Freiburg könnte der 23 Jahre alte Stürmer, der mit neun Saisontreffern endlich seinen Durchbruch in der Ersten Bundesliga geschafft zu haben scheint, bei einem weiteren Wechsel eine deutlich höhere Summe einbringen.

Wie der Kicker berichtet, soll es bereits im Winter Anfragen zahlungskräftiger Clubs gegeben haben, die Freiburg allerdings (noch) ausschlug. Demnach sollen RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach sowie ausländische Vereine zu den Interessenten zählen. Stand jetzt sei ein Abgang Waldschmidts für den SC aber kein Thema. "Luca ist hier hundertprozentig am richtigen Ort", wurde SC-Sportvorstand Jochen Saier zitiert.

Beim HSV erwarb sich Waldschmidt durch sein Joker-Tor zum 2:1-Sieg gegen Wolfsburg am letzten Spieltag der Saison 2016/17 zwar den Ruf als "Retter". Insgesamt konnte der Angreifer mit nur zwei Toren in zwei Jahren nie richtig überzeugen. Auch seine Einstellung zum Profisport wurde zu seiner Hamburger Zeit zwischenzeitlich hinterfragt.

Hakan-Tor reicht nicht für die Königsklasse

Lange sah es so aus, als hätte Hakan Calhanoglu den AC Mailand doch noch in die Champions League geführt. Der Ex-HSVer schoss die "Rossoneri" am letzten Spieltag der italienischen Serie A mit seinem ersten dritten Saisontreffer in Führung, am Ende siegte Milan mit 3:2 bei SPAL Ferrara.

Doch da kurz vor Schluss Stadtrivale Inter im Parallelspiel noch der 2:1-Siegtreffer gegen Empoli glückte, rutschten Calhanoglu & Co. doch noch vom vierten auf den fünften Platz.

Für den AC bleibt damit das Trostpflaster Europa League. Ob Calhanoglu wiederum in Mailand (Vertrag bis 2021) bleibt, scheint noch nicht sicher. Alen Halilovic, ebenfalls früher beim HSV, bleibt von Milan indes bis auf weiteres an den belgischen Erstligisten Standard Lüttich verliehen.

HSV-Fans frustriert: "Profis spielen hier nur fürs Geld"
HSV-Fans frustriert: "Profis spielen hier nur fürs Geld"

Pokal: Drochtersen heiß auf den HSV

Nicht nur in Niedersachsen erwies sich der SV Drochtersen/Assel in den vergangenen Jahren als Pokalschreck, auch auf Bundeseben machte es der Dorfverein aus dem Landkreis Stade den ganz Großen ziemlich schwer.

Gegen den frisch gebacken DFB-Pokalsieger Bayern München verlor der Regionalligist in der vergangenen ersten Runde ebenso nur mit 0:1 wie zwei Jahre zuvor gegen Borussia Mönchengladbach.

Nach der dritten Qualifikation für den DFB-Pokal in den vergangenen vier Jahren durch den 1:0-Sieg im Landespokalfinale gegen den SV Meppen träumt Drochtersen/Assel nun von einem weiteren großen Los – und das soll HSV heißen.

Diesen Wunsch äußerten unter anderem Präsident und HSV-Fan Rigo Gooßen sowie Final-Torschütze Alexander Neumann. Ausgelost wird die erste Runde am 15. Juni im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund.

Die Saisonanalyse – was beim HSV jetzt passieren muss
Die Saisonanalyse – was beim HSV jetzt passieren muss

EU-Wahl: Fieser Spott über SPD und HSV

Wer den Schaden hat... Nach dem erneuten Wahl-Debakel der SPD – diesmal auf EU-Ebene – können sich etliche Beobachter Vergleiche der abgestürzten Volkspartei mit dem HSV nicht verkneifen.

Seit Bekanntgabe der Ergebnisse am Sonntagabend wimmelt es im Netz vor entsprechend süffisanten Bemerkungen. "Die SPD ist momentan wie der HSV der Politik", twitterte etwa einer: "Wir machen jedes Jahr die selben Fehler und lernen nicht daraus."

Einige andere schlugen wiederum die Chefin der Sozialdemokraten für den Trainerstuhl im Volkspark vor. "Nach ihrem durchschlagenden Erfolg als SPD-Vorsitzende wäre Andrea Nahles doch auch genau die richtige Person für den Posten als Trainer des HSV", schrieb einer.

Die restlichen Diekmeiers zieht's weg

Und dann noch dies hier: Dennis Diekmeier wird seine Zelte in Hamburg endgültig abbrechen und seine Familie in den Südwesten nachholen. Wie die Ehefrau des langjährigen HSV-Profis bestätigte, ist die Diekmeier-Villa in Niendorf zum 1. September des Jahres verkauft.

"Wir fangen jetzt an, in Sandhausen etwas Neues zu suchen", sagte Dana Diekmeier der Bild-Zeitung. Verteidiger Dennis Diekmeier hatte in der Winterpause überraschend beim SV Sandhausen angeheuert, den er zum Klassenerhalt in der Zweiten Liga führte.

Das 393 Quadratmeter große Luxus-Anwesen des 29-Jährigen mit laut Anzeige "Topausstattung in ruhiger Stadtrandlage" hatte für 1,89 Millionen Euro zum Verkauf gestanden.

Am Wochenende nahmen Dennis, Dana und Sohn Dion an einer Oldtimer-Rallye im Hamburger Umland teil: