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Lockt Wolf seinen früheren Musterschüler zum HSV?

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Hwang fällt wochenlang aus. Hunt kritisiert die Spielweise. Auch Wolf will nichts schönreden. Gäste schäumen über Platzverweis.

Hwang verpasst auch Pokal-Viertelfinale

Bittere Nachricht für Hee-chan Hwang und den HSV: Der Südkoreaner erlitt beim 1:0-Heimsieg gegen Greuther Fürth einen Muskelsehnen-Anriss im hinteren Oberschenkel und fällt für mindestens vier Wochen aus. Das ergab die heutige MRT-Untersuchung im UKE. Damit verpasst der Angreifer nicht nur das Stadtderby am Sonntag (13.30 Uhr/Sky und im Abendblatt-Liveticker), sondern voraussichtlich auch das DFB-Pokal-Viertelfinale in Paderborn (2. April). Das Hamburger Abendblatt wünscht gute Besserung!

Lockt Wolf Serra zum HSV?

Noch immer ist unklar, ob Pierre-Michel Lasogga seinen im Sommer auslaufenden Vertrag zu geringeren Konditionen beim HSV verlängern wird. Eine Entscheidung wird frühestens im April erwartet und hängt auch maßgeblich vom Aufstieg in die Bundesliga ab. Deshalb muss der Club zweigleisig planen und sich parallel nach einem möglichen Ersatz umschauen. Einer, der Lasogga ersetzen könnte, ist Janni Serra (20) von Holstein Kiel.

Der U-21-Nationalspieler hat sich mit bislang zehn Saisontoren in seinem ersten Profijahr in den Fokus einiger Erstligisten gespielt. Auch im Volkspark soll man sich laut "liga-zwei.de" mit einem Transfer des 1,93 Meter groß gewachsenen Sturmriesen beschäftigen. Die Hamburger haben dabei einen entscheidenden Vorteil in den eigenen Reihen. Trainer Hannes Wolf und Serra kennen sich aus gemeinsamen Zeiten in der Dortmunder Jugend zwischen 2014 bis 2016. Dort feierten sie zusammen zwei Titel mit der B- und A-Jugendmeisterschaft.

Wolf setzte damals große Stücke auf Serra, den dann allerdings ein Kreuzbandriss im Juli 2016 zurückwarf. In Kiel schaffte er nun den Durchbruch im Profibereich. Doch möglicherweise könnte er die Störche, die ihn im Sommer für 300.000 Euro vom BVB verpflichtet hatten, nach nur einem Jahr wieder verlassen. Da sein Vertrag bei den Norddeutschen noch bis 2021 läuft, dürfte eine Ablöse im niedrigen siebenstelligen Bereich fällig werden. Viel Geld für den klammen HSV. Knüpft Serra an seine bisherigen Leistungen an, könnte er eine solche Summe wert sein.

So wichtig ist Hunt für den HSV

Er machte mal wieder den Unterschied aus. Aaron Hunt hatte zuletzt viermal gefehlt, beim 1:0-Heimsieg gegen Greuther Fürth nahm der HSV-Kapitän nicht nur wegen seines Siegtreffers wieder die Hauptrolle ein. Obwohl er körperlich noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist, sammelte der Spielmacher beachtliche 11,3 Kilometer. Läuferisch wurde Hunt teamintern nur von Sechser Gotoku Sakai (11,98 Kilometer) und Rechtsverteidiger Khaled Narey (11,49) überboten – beide agierten allerdings auch auf laufintensiveren Positionen.

Durch sein Last-minute-Tor sorgte Hunt höchstpersönlich dafür, dass seine beeindruckende Statistik fortgeführt wird. In 18 Spielen, in denen er zum Einsatz kam, holte der HSV 40 Zähler. Das ergibt einen Punkteschnitt von 2,22. Ohne Hunt kommen die Hamburger dagegen nur auf einen Durchschnittswert von 1,17 Punkten pro Spiel. Spätestens seit dem Fürth-Spiel ist klar: Der Ex-Bremer Hunt ist für den HSV unverzichtbar.

Hunt kritisiert HSV-Spielweise

Nicht nur auf dem Platz, auch hinterher in den Katakomben des Volksparkstadions ging Hunt voran. Nur wenige Minuten nach dem Spiel wirkte der Kapitän schon erstaunlich klar im Kopf und lieferte eine knallharte Analyse: „Es war ein richtig schwaches Spiel von uns – mit viel Kampf und Krampf. Wie wir teilweise gespielt haben, ist unerklärlich. Wir waren viel zu mutlos und ängstlich im Spielaufbau."

Der 32 Jahre Routinier ging mit der Leistung der Mannschaft schonungslos ins Gericht. Vor allem die pomadig wirkende Spielweise missfiel dem Edeltechniker. Von den Außenbahnen, auf denen der HSV über Spieler mit viel Tempo verfügt, ging kaum Torgefahr aus. "Unsere Stärken, mit denen wir uns eigentlich abheben von der Konkurrenz, haben wir nicht auf den Platz gebracht. Das müssen wir ändern", kritisiert Rückkehrer Hunt.

Hunt sucht nach Gründen für schwachen Auftritt

Doch was sind die Gründe für die Woche für Woche schwächer werdenden Leistungen? Hunt: „Ich denke, uns fehlt das Selbstvertrauen im Spielaufbau. Wir zeigen uns nicht im Mittelfeld, spielen zu langsam. Wir spielen unter Druck nicht die freien Männer an, obwohl wir auf jeder Position ballsichere Spieler haben – das muss wieder in unsere Köpfe rein. Wir müssen das Selbstverständnis der Hinrunde wieder auf den Platz bringen und uns die Leichtigkeit hart erarbeiten."

Den im Saisonendspurt größer werden Aufstiegsdruck will der Kapitän nicht als Ausrede gelten lassen. „Das sind immer Alibis, die in unserem Kopf gar keine Rolle spielen dürfen. Jeder Spieler, der hier ist, hat ein Ziel. Da brauchen wir nicht von Druck reden. Wir sollten stattdessen Taten folgen lassen.“

Die Möglichkeit, es besser zu machen, hat der HSV bereits am kommenden Sonntag beim Stadtderby gegen den FC St. Pauli am Millerntor-Stadion. Doch Hunt weiß auch: „Mit so einer Leistung haben wir im Derby keine Chance."

Wolf will Sieg nicht schönreden

Hannes Wolf beobachtete die gesamte Partie mit finsterer Miene. Auch der Siegtreffer von Aaron Hunt zauberte dem HSV-Trainer kein Lächeln ins Gesicht. Zu verärgert war er über den Auftritt seiner Mannschaft. Auf der offiziellen Pressekonferenz wählte der 37-Jährige deutliche Worte: „Wir haben nach gutem Beginn in relativ eklatanter Weise den Zugriff aufs Spiel verloren. Ich bin nicht bereit, das schönzureden", sagte Wolf.

Und weiter: "Fürth war einem Tor näher als wir. Auch in Überzahl waren wir unruhig. Da müssen wir drüber reden, denn so eine Leistung darf uns nicht noch mal passieren. Dass es in einer Saison Dellen gibt, ist normal, aber dieses Tal heute war zu tief.“ Wolf verspricht eine deutliche Steigerung für das anstehende Stadtderby. "Es steht nun ein sehr wichtiges Spiel an – für uns und die Stadt. Da müssen wir natürlich besser Fußball spielen.“

Fürth in Rage nach Fehlentscheidung

Greuther Fürth fühlt sich um einen Punktgewinn beim HSV betrogen. Was war passiert? Mitte der zweiten Hälfte ging der ehemalige Hamburger Julian Green (23) nach einem Zweikampf mit Gideon Jung im Strafraum zu Boden. Schiedsrichter Christian Dingert zögerte keine Sekunde und zückte sofort die Gelbe Karte wegen einer vermeintlichen Schwalbe. Weil Green bereits verwarnt war, folgte der Platzverweis. Eine folgenschwere und vor allem falsche Entscheidung. Denn Fürths Angreifer stand zuvor im Abseits. Es hätte also gar nicht zu einer Bewertung des Zweikampfs kommen dürfen. Da es in der Zweiten Liga keinen Videobeweis gibt, gab es an Dingerts Entscheidung nichts mehr zu rütteln.

"Ich muss mich zusammenreißen, die richtigen Worte zu finden. Gegen zwölf Mann kannst du nicht gewinnen“, lautete die deutliche Kritik von Gäste-Trainer Stefan Leitl am Unparteiischen. Auch Sportchef Rachid Azzouzi schäumte beim Gang in die Katakomben vor Wut. "Leck mich am Arsch, das war doch keine Schwalbe. Wenn der so pfeift, brauchen wir gar nicht nach Hamburg fahren." Der Ex-St.-Pauli-Manager hatte den Stadioninnenraum verlassen müssen, weil er dem 4. Offiziellen höhnisch gratulierte: „Ihr habt uns den Sieg genommen.“

Mit Ausnahme der Wortwahl ist die Kritik der Fürther Verantwortlichen durchaus nachvollziehbar. Denn abgesehen von der nicht geahndeten Abseitsposition Greens war auch keine Schwalbe erkennbar. "Der Körperkontakt war da. Ich habe auch eine dicke Lippe, weil ich leicht getroffen wurde. Das muss man einfach weiterlaufen lassen. Das ist kein Elfmeter, aber auch keine Schwalbe", klagte der Leidtragende. "Vielleicht hatte der Schiedsrichter auch vergessen, dass ich schon die Gelbe Karte hatte. Ohne die Rote Karte geht es eventuell anders aus.“

Sakai unterläuft Zettelpanne

Für das Kuriosum des Tages sorgte Gotoku Sakai, der einen mit taktischen Umstellungen beschriebenen Zettel vor die Auswechselbank von Greuther Fürth warf. Der Co-Trainer der Gäste, André Mijatovic, schnappte sich die Notizen und studierte sie in aller Ruhe ein. Wolf nahm die Panne mit Humor. Ein japanisches Kochrezept, wie zuvor von Fürth-Manager Rachid Azzouzi scherzhaft behauptet, habe nicht auf dem Papier gestanden. Ein Grund für das schwache HSV-Spiel sehe er darin allerdings auch nicht. "Es ist schnuppe, wir haben in der Halbzeit mit der Hereinnahme von Gideon Jung eh nochmal umgestellt."

Was Papierkugeln angeht, ist der HSV vorbelastet. 2009 versprang Michael Gravgaard im Halbfinale des Uefa-Cups der Ball durch den "Fremdkörper" auf dem Platz. Die anschließende Ecke brachte dem Erzrivalen Werder Bremen den vorentscheidenden Treffer zum 3:1 ein.

Arp nach Schädelprellung zurück

An anderer Stelle lichtet sich das Lazarett: Beim Spielersatztraining am Dienstagvormittag wirkte Fiete Arp wieder voll mit. Das Sturmtalent war gegen Fürth kurzfristig wegen einer Schädelprellung ausgefallen. Die HSV-Ärzte hatten sich gegen einen Einsatz des Youngsters ausgesprochen. Nun scheint er aber seine Verletzung überwunden zu haben.

Ebenfalls wieder auf dem Platz stand Innenverteidiger Kyriakos Papadopoulos (Knorpelschaden). Der Grieche hatte zuletzt pausiert, weil sein Problem-Knie eine Reaktion zeigte.

Lasogga: "Mickel hat uns den Arsch gerettet"

Es war sein größter Traum. Tom Mickel wollte unbedingt einmal bei einem Heimspiel für den HSV zwischen den Pfosten stehen. Weil Julian Pollersbeck das Warmmachen wegen muskulärer Probleme abbrechen musste, schlug plötzlich Mickels große Stunde. "Es war ein kurzes knackiges Aufwärmen", sagt der 29-Jährige, dessen bisherige drei Einsätze für die Profis (zweimal in der Bundesliga in Augsburg und einmal in der ersten Pokalrunde bei Erndtebrück) allesamt auswärts waren.

Bei seinem ersten Auftritt im Volksparkstadion spielte Mickel gleich zu null und musste wohl häufiger eingreifen, als ihm lieb war. "Ein paar Sachen hätte ich mit dem Fuß besser machen können, ich habe aber auch ein paar Dinger gehalten", sagte er bescheiden. Deutlicher wurde Torjäger Lasogga: "Er hat uns zweimal den Arsch gerettet – Hut ab und ein Riesenkompliment vor seiner Leistung.“

Diagnose bei Polle und Hwang erwartet

Wie lange fallen Julian Pollersbeck und Hee-chan Hwang aus? Während Torhüter Pollersbeck bereits das Warmmachen wegen muskulärer Probleme abbrechen musste, griff sich der Südkoreaner kurz vor der Pause an den Oberschenkel und konnte anschließend nicht mehr laufen. Hwang dürfte mit Verdacht auf Muskelfaserriss mehrere Wochen ausfallen und das Stadtderby (10.3.) definitiv verpassen.

Bei Pollersbeck, der gegen Fürth tadellos von Tom Mickel vertreten wurde, besteht dagegen noch Hoffnung auf einen Einsatz gegen St. Pauli. "Ich glaube, dass es bei Julian nicht so schlimm ist, bei Hee-Chan sieht es nicht gut aus", sagte Wolf, der für beide Profis eine Diagnose am heutigen Dienstag erwartet.