HSV

Spors' Hoffnung starb mit der Trennung von Peters

Sportvorstand Ralf Becker (l., 48) wurde am 28. Mai als Sportvorstand verpflichtet – zwei Tage nachdem Bernd Hoffmann (56) zunächst kommissarisch und später fest die Rolle des Vorstandsvorsitzenden übernahm.

Sportvorstand Ralf Becker (l., 48) wurde am 28. Mai als Sportvorstand verpflichtet – zwei Tage nachdem Bernd Hoffmann (56) zunächst kommissarisch und später fest die Rolle des Vorstandsvorsitzenden übernahm.

Foto: ThorstenWagner / WITTERS

Kaderplaner durfte eigentlich auf Sportdirektor-Amt spekulieren. Als solcher profitiert nun Mutzel einmal mehr von Spors' Vorarbeit.

Hamburg.  Am Dienstagabend durfte Ralf Becker den großen Fußball genießen. Champions League. Liverpool gegen Bayern. „Die Crème de la Crème. Ganz großer Sport“, schwärmt der Sportvorstand des HSV am Tag nach dem TV-Leckerbissen. „Bis wir dahin kommen“, scherzt der Schwabe, „brauchen wir wahrscheinlich noch ein bisschen.“


Dass Becker aber auch Ernst machen kann, hat der 48-Jährige ebenfalls am Liverpool-Bayern-Tag bewiesen. Nur wenige Stunden vor dem Anpfiff an der Anfield Road hatten Becker und der HSV in einem Kommuniqué bekannt gegeben, dass der Club zum 1. April Michael Mutzel als neuen Sportdirektor verpflichtet.

Der 39-Jährige, mit dem Becker seit Jahren freundschaftlich verbunden ist, solle die Bereiche Nachwuchs, Scouting und Kaderplanung verantworten, hieß es in der Pressemitteilung. Was dort allerdings nicht stand: Mit Johannes Spors hatte der HSV bereits vor gut einem Jahr einen Kaderplaner verpflichtet, der auch das Scouting verantwortet. Unter dem Strich blieb also die Frage: Was soll das?

Mutzel und Spors sollen zusammenarbeiten

Becker atmet einmal tief durch. Er weiß, dass diese unbequeme Frage gestellt wird. „Gerade wegen unserer wirtschaftlichen Situation müssen wir im Bereich Sport optimal aufgestellt sein“, sagt Becker, der zudem bekräftigt, dass Mutzel und Spors zukünftig gemeinsam arbeiten sollen. Dies hatte Becker dem zunächst enttäuschten Spors auch in einem Vieraugengespräch mitgeteilt. „Wir wollen die Besten“, sagt Becker.

Wer aber diese Besten sind, darüber kann man natürlich streiten. Fast auf den Tag ein Jahr ist es her, als Bernd Hoffmann kein Blatt vor den Mund nahm: „Die wichtigen Positionen im Club sind nicht bestmöglich besetzt“, hatte der damalige Präsidentschaftskandidat Hoffmann am 18. Februar auf der Mitgliederversammlung in der Kuppel der Trabrennbahn Bahrenfeld ins Mikrofon gerufen – und aufgezählt, welche sieben Positionen aus seiner Sicht in jedem funktionierenden Club optimal besetzt werden müssten: Clubchef, Sportvorstand, Finanzvorstand, Trainer, Chefscout, Nachwuchschef und Aufsichtsrat.

Nur Wettstein überlebte die Revolution

Zwölf Monate später ist beim HSV kaum einer dieser Positionen noch genauso besetzt wie seinerzeit. Hoffmann selbst übernahm von Heribert Bruchhagen (und interimsweise Frank Wettstein) die Rolle des Clubchefs, Becker wurde sein Sportvorstand. Gemeinsam haben sie nach dem Abstieg kaum einen Stein auf dem anderen gelassen. Bis heute hat nur Finanzvorstand Wettstein, der wegen der desaströsen Finanzlage zuletzt stark in der Kritik stand, die Hoffmann-Becker-Revolution überlebt.

Allein im sportlichen Bereich haben sich Becker und Hoffmann von elf Mitarbeitern getrennt, darunter Trainer Christian Titz, die früheren Co-Trainer Soner Uysal und Matthias Kreutzer, Sportdirektor Bernhard Peters, der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums Dieter Gudel und Allrounder Marinus Bester. „Es ist doch normal, dass es nach einem Abstieg Bewegung gibt. Es wird auch weiterhin Bewegung geben“, sagt Hoffmann. „Und bei so vielen Abgängen ist es auch normal, dass wir uns einen anerkannten Fachmann dazuholen.“

Mutzel soll nach England und Frankreich schauen

Tatsächlich genießt Mutzel, Hoffenheims bisheriger Chefscout, in der Szene einen guten Ruf, soll neben dem deutschen Markt auch die üppig besetzten Ersatzbänke in England und den Nachwuchs in Frankreich im Fokus haben. Allerdings: Auch Spors konnte sich einen exzellenten Namen erarbeiten.

Zuletzt hatten der 1. FC Nürnberg, der VfB Stuttgart, Ingolstadt und mehrere auslän­dische Clubs loses Interesse bekundet. Auch weil Spors, der nie einen Hehl daraus gemacht hat, früher oder später gerne als Sportchef arbeiten zu wollen, schon in Hoffenheim fast aus dem Nichts eine Scoutingabteilung aufgebaut hatte, mit der in den vergangenen Jahren nun Mutzel erfolgreich arbeitete.

Spors winkte der Sportdirektor-Posten

Dies könnte sich nun in Hamburg wiederholen . Spors hat im vergangenen Jahr die Scoutingabteilung grundlegend reformiert, hat sich als Erster den „Pro­blemfällen“ der „verdienten“ Spieler wie Harald Spörl und Michael Schröder angenommen. Die Abteilung hat Spors um zwei feste Scouts verstärkt, zudem hat er sieben Honorarkräfte angeworben. Ob diese komplett neue Abteilung nun erneut auf links gedreht wird, muss ab dem 1. April Michael Mutzel entscheiden.

Was kaum einer weiß: Im Sommer durfte Spors noch hoffen, dass ihm die Rolle des Sportdirektors anvertraut wird. Doch obwohl Becker, er und Ex-Trainer Titz den Kader für die Zweitligasaison noch gemeinsam zusammenstellten, soll für Vorstand Becker schon bald klar gewesen sein, dass er nach der Trennung von Bernhard Peters die Rolle des Sportdirektors gerne extern besetzen möchte.

„Wir müssen unabhängig von einem möglichen Aufstieg planen. Mit Michael Mutzel sind wir nun gut aufgestellt“, sagt Becker, der doch eigentlich das gleiche Ziel wie Spors, Mutzel und auch Hoffmann hat: Großen Sport. In Hamburg.