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Fiete Arps Wechsel zu den Bayern ist offiziell

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Henrik Jacobs und Achim Leoni
HSV-Stürmer Fiete Arp (r.) im Duell mit Bayerns Renato Sanches. Das Testspiel im vergangenen August soll Teil des Transferdeals gewesen sein.

HSV-Stürmer Fiete Arp (r.) im Duell mit Bayerns Renato Sanches. Das Testspiel im vergangenen August soll Teil des Transferdeals gewesen sein.

Foto: Valeria Witters / WITTERS

Der Transfer des Sturmtalents zum Rekordmeister steht fest. Über den genauen Zeitpunkt entscheidet nur einer.

Hamburg. Heute wurde es offiziell: Stürmer Fiete Arp (19) wird den HSV verlassen und zum FC Bayern München wechseln. Das haben beide Clubs am Donnerstagabend gemeinsam erklärt. Arp hatte den Vertrag beim FC Bayern bereits im vergangenen Sommer unterschrieben. Gleichzeitig hatte er beim HSV bis 2020 verlängert.

Offen ist allerdings, wann genau der Transfer vollzogen wird, nur ein Enddatum ist bekannt: Spätestens zum 1. Juli 2020, wenn sein Vertrag beim HSV endet, geht Arp nach München. Die Entscheidung über das genaue Datum liegt entgegen anders lautenden Berichten allein bei Arp. Sollte er etwa bereits im kommenden Sommer zum Rekordmeister gehen wollen, würde automatisch der HSV-Vertrag erlöschen und der Bayern-Vertrag in Kraft treten.

Kommentar zu Arps Bayern-Wechsel

Die vereinbarte Ablöse von rund 2,5 Millionen Euro kassiert der HSV bereits im laufenden Geschäftsjahr. Sie wird als Einnahme im anstehenden Lizenzierungsverfahren verbucht. Der HSV hätte darauf auch Anspruch, wenn Arp seinen Vertrag erfüllt und dem Club ein weiteres Jahr die Treue hält. Dank branchenüblicher Prämienregelungen könnte noch eine Nachzahlung in etwa der gleichen Höhe fällig werden – etwa wenn Arp sich mit den Bayern für die Champions League qualifizieren sollte. Damit könnte die Ablöse auf rund fünf Millionen Euro steigen. Dass auch das kurzfristig vereinbarte Freundschaftsspiel im August vergangenen Jahres Teil des Deals gewesen ist, dementierte der HSV auf Nachfrage.

Arp wollte unbedingt beim HSV bleiben

Möglich ist, dass der Juniorennationalspieler nach einem Wechsel zunächst an einen anderen Bundesligaverein verliehen wird. Wäre es nach seinem künftigen Club gegangen, dann würde Arp schon jetzt erstklassig spielen. Im Fall von Serge Gnabry (23) hatte sich dies bewährt. Den Nationalstürmer hatten die Münchner nach seiner Verpflichtung 2017 für ein Jahr an Hoffenheim verliehen, bevor sie ihn im vergangenen Sommer in ihre Meistermannschaft aufgenommen haben. Arp bestand aber darauf, nach dem Abstieg beim HSV zu bleiben, der ihn seit 2010 ausgebildet und 2017 zum Bundesligaprofi befördert hatte.

In einem anderen Punkt soll sich der FC Bayern durchgesetzt haben: dass nämlich all dies nicht schon bei Unterzeichnung des Vertrags an die Öffentlichkeit gelangt war. Arp wurde für diese Geheimniskrämerei in den sozialen Medien angegriffen – möglicherweise zu Unrecht. Es gab allerdings auch grundsätzliche Kritik.

Spielerberater übt Kritik

Spielerberater Dirk Grosse, Mitinhaber der Agentur Vida 11, hat kein Verständnis für Arps Wechsel zum FC Bayern München. "Ich verstehe weiterhin nicht, warum Arp überhaupt zum FCB wechselt", schrieb der frühere Chef des Senders Sky Sport News HD im Kurzmitteilungsdienst Twitter: "Wenn er so gut wird, wie einige behaupten, kann er mit 25 immer noch hin. Mit 19 gehe ich erst mal zu anderen Clubs und spiele."

Auf den Einwand eines anderen Users, dass offenbar eine sofortige Leihe Arps zu einem dritten Club vorgesehen sei, antwortete Grosse: "Ich gehe doch dahin, wo ich spiele, und nicht zu dem Klub, der mich auf sicher weiterverleiht." Prominentester Klient von Vida 11 ist laut dem Portal "Transfermarkt" der Innenverteidiger und uruguayische Nationalspieler José Giménez von Atlético Madrid. Arp selbst wird vom früheren HSV-Profi Jürgen Milewski beraten.

In den sozialen Medien überwiegt unter den Fans die Enttäuschung – weniger über die Tatsache an sich, dass Arp zu den Bayern wechselt, als vielmehr darüber, dass Arp dies bei der Bekanntgabe seiner Vertragsverlängerung beim HSV im vergangenen Sommer unterschlagen hatte. "Die meisten hätten schon im Sommer Verständnis gezeigt für diesen Schritt. Ein so lukratives Angebot lehnt man nicht so einfach ab", findet HSV-Buch-Autor Daniel Jovanov ("Der Abstieg"): "Aber bei der Verlängerung seines Vertrages nur die halbe Wahrheit erzählen, dafür Applaus kassieren – fragwürdig."

Andere wollen es längst gewusst haben. "Wer von euch hat ernsthaft geglaubt, dass Fiete wegen der 'Liebe zum Verein' geblieben ist?", fragt "Mr. Best" bei Twitter. Es habe schon damals Indizien gegeben, "dass da was nicht gestimmt hat: zu langes Zögern, um ein Zeichen zu setzen; das plötzliche Testspiel gegen die Bayern."

Einige fordern nun Konsequenzen. User "Jan" schlägt bei Twitter vor, Arp bis zu seinem Wechsel auf die Tribüne zu setzen. Freilich war der HSV offenbar von Anfang an über den Bayern-Deal im Bilde. Sportvorstand Ralf Becker soll ihn im vergangenen Sommer persönlich mit ausgehandelt haben.

Sind 2,5 Millionen Euro Ablöse zu wenig?

Viele Fans halten die Sockelablöse von 2,5 Millionen Euro für deutlich zu niedrig. "Warum verschenken wir immer alles?", fragt Kallecool. "Invictum" macht eine andere Rechnung auf: "Wintzheimer gegen Arp 'getauscht' und noch knapp 2,5 Millionen Euro obendrauf bekommen. Das ist eigentlich gar nicht so schlecht. Auch wenn die Ablöse erst sehr niedrig erscheint." Facebook-User Nils Schumacher hält 2,5 Millionen Euro sogar "bei der Leistung im Moment" für eine "top Ablösesumme".

Aber wird Arp überhaupt jemals für die Bayern spielen, wenn er selbst in der Zweiten Liga nicht zum Stammpersonal gehört? Das muss er gar nicht, findet "Lokiko1887": "Beim FCB hat er die Chance, mit einigen Stars zu trainieren. Beim HSV darf er ja auch nicht mehr machen außer Training." Der selbst erklärte Bayern-Fan Jürgen Banse hät Arp denn auch sarkastisch für "eine gute Verstärkung für unsere 2. Mannschaft".

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