HSV-Nullnummer

Titz verteidigt seine Analyse gegen Kritik der Fans

Nach dem 0:0 gegen Bochum überrascht Hamburgs Trainer etliche Zuschauer. Zinnbauer und Ex-Aufsichtsrat unter den Kritikern.

Hamburg.  Das 0:0 des HSV gegen den VfL Bochum war nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig. Vor allem offensiv lief wenig zusammen. Und das nicht zum ersten Mal. Der ehemalige HSV-Chefcoach Joe Zinnbauer kritisierte bei „Sky“ daher bereits vor dem Spiel das System des aktuellen HSV-Trainers Christian Titz. „Ich halte nicht viel von Titz‘ System. Es ist schnell zu durchschauen und im letzten Drittel fehlen die Ideen“, sagte Zinnbauer, der in der Saison 2014/15 wie auch Titz vom Regionalliga- zum Bundesligatrainer befördert wurde, nach 24 Spielen und einem überschaubaren Punkteschnitt von 1,0 aber wieder entlassen wurde. Das hinderte Zinnbauer aber nicht daran, Kritik an Titz zu äußern. „Wenn er das Gefühl hat, so spielen zu wollen, ist das sein Recht. Aber er muss am Ende auch den Kopf dafür hinhalten. Vielleicht wäre für das heutige Spiel Lasogga geeigneter, aber ich habe auch die Trainingswoche nicht gesehen. Das muss jeder Trainer selber wissen.“

Titz selbst äußerte wenig Verständnis für die Aussagen seines Vor-Vor-Vor-Vor-Vorgängers. „Ich kann den Menschen ihre eigene Meinung nicht verbieten. Ich kann Ihnen aber sagen, dass ich es nicht so machen würde“, sagte Titz, der bereits vor zwei Wochen beim 2:1-Sieg in Darmstadt bei Sky ins Fadenkreuz geraten war, als Clublegende Felix Magath sich einen verbalen Tiefschlag erlaubte.

Becker nimmt Titz gegen Kritik in Schutz

Nach der neuerlichen Kritik eines ehemaligen HSV-Trainers nahm auch Sportdirektor Ralf Becker seinen Coach in Schutz. „Gerade ehemalige Trainer sollten sich vielleicht ein bisschen zurückhalten mit irgendwelchen Vorschlägen. Jeder weiß, wie schwer der Job ist und dass alle bemüht sind, das Beste zu machen“, sagte Becker über Zinnbauer. „Wir haben alle nichts davon, wenn die Trainer sich untereinander kritisieren, was man bessermachen könnte.“

Einzelkritik: Nur Jatta brachte etwas Schwung

Deutliche Worte fand auch Mittelfeldspieler Lewis Holtby, der vor drei Jahren unter Zinnbauer selbst noch gespielt hatte. Schon damals hatte der HSV große Probleme, Torchancen zu erspielen. „Das ist seine Meinung. Er war auch mal hier und musste selber Fragen beantworten, warum er dieses oder jenes gemacht hat“, erklärte Holtby, der eher die fehlende Präzision als die offensive Struktur als Problem anführte: „Systemfrage hin oder her. Wenn wir mit zwei Stürmern spielen und drei Spiele nicht treffen, heißt es dann: Wieso spielt ihr nicht mit dreien vorne?“

HSV-PK nach 0:0 gegen Bochum

HSV-Fans schießen sich auf Titz ein

Unterdessen scheint auch in der Anhängerschaft der Unmut über den Spielstil des Aufstiegsfavoriten zu wachsen. Zumindest in den sozialen Netzwerken wird der Ton gegen Titz rauer, nach der erneuten Nullnummer stören sich viele Beobachter vor allem an der Analyse des Trainers und dabei wiederum an einem bestimmten Satz. "Ich fand, es war ein Unentschieden der besseren Art", hatte Titz in der Pressekonferenz nach dem Spiel "gegen einen gut verteidigenden Gegner" gesagt.

Ein Urteil, das offenbar nur wenige Fans teilen wollten – darunter auch prominentere wie das ehemalige Aufsichtsratsmitglied Frank Mackerodt (2002 bis 2009). "Dem Zitat von Herrn Titz kann ich so gar nicht zustimmen", schrieb der 55 Jahre alte ehemalige deutsche Volleyball-Meister bei Twitter.

Ähnliche Sätze wie von Zinnbauer

"Puh...bei den Sätzen fällt es schwer, Titz nicht zu kritisieren... Wenn das ein 'Unentschieden der besseren Art' war, dann möchte ich nicht wissen, was er für schlechtere Unentschieden hält", twitterte derweil ein anderer Fan. "Titz lebt irgendwo in seiner eigenen Auffassung und Welt. Mit Fußball hat das nichts zu tun", zwitscherte ein weiterer.

Kommentar: So laufen die HSV-Fans weg

Und "LaPulga10" konstatierte stellvertretend für etliche verstimmte Nutzer: "Bei diesen Analysen des Trainers darf dieser sich nicht wundern, wenn über ihn diskutiert wird und er in Frage gestellt wird."

Andere User wie "Paul" schlugen nach dem enttäuschenden Auftritt gegen Bochum in die gleiche Kerbe wie Kritiker Zinnbauer. "Das war jetzt das zehnte Saisonspiel und es gab darunter nicht ein Spiel, wo der HSV überzeugt hat, "kommentierte "Paul" und folgerte daraus: "Titz‘ Spielidee ist längst durchschaut und entschlüsselt worden. Man muss ehrlich sein. Das, was die Mannschaft seit Wochen auf den Platz bringt, ist einfach zu wenig."

Titz erklärt seine 0:0-Analyse

Am Montag setzte sich Titz gegen aufkommende Kritik zur Wehr und erklärte dabei auch, wie er seinen Satz gemeint hatte und weshalb er dem torlosen Spiel am Vortag auch etwas Positives abgewinnen konnte. Beide Mannschaften hätten nicht nur hinten drin gestanden, sondern versucht, nach vorne zu spielen, sagte er nach dem HSV-Training am Vormittag.

"Wir hatten 17 Angriffe, wo bei uns jedes Mal entweder der richtige Laufweg oder der finale Pass gefehlt hat, wodurch es dann zu einer Torchance gekommen wäre", sagte Titz: "Das war dann eben das Problem."

Selbstredend hätte er gegen Bochum gewin wollen. "Aber es war einfach kein Null-zu-Null-Spiel, wie Sie es vielleicht mit anderen Null-zu-Null-Spielen abgeglichen haben. In diesem Spiel haben beide Mannschaft eine viel höhere Bereitschaft gehabt, ins Risiko zu gehen, um ein Tor zu erzielen."

HSV-Trainer Titz: "Unser Spielstil wird sich durchsetzen"

Dutt schmeichelt Titz und dem HSV

Doch es gibt auch noch einen Teil unter den Anhängern, der Besonnenheit anmahnt. User "Alex E." etwa schrieb bei Twitter: "Nun wollen also einige Titz entlassen, ihr wisst schon, dass das der Weg war, der den HSV in den Abstieg trieb? Sicher muss einiges wieder besser werden, aber diese junge Truppe braucht auch Zeit. Übrigens, man ist zwei Punkte hinter Platz 1."

Eine wohlwollende Sichtweise hatte schließlich auch der Trainer des Gegners parat. "Das Spiel insgesamt hätte vielleicht mehr Tore verdient gehabt", urteilte Bochums Robin Dutt. In den letzten Minuten sei seine Mannschaft noch einmal "richtig unter Druck" geraten. "Da haben wir Glück gehabt, dass nicht doch noch vielleicht ein Ball von Hamburg durchrutscht und wir sogar als Verlierer dastehen."

Einen "Durchflutscher" würden die HSV-Profis im kommenden Auswärtsspiel bei Aufsteiger Magdeburg am Freitag (18.30 Uhr/im Liveticker auf abendblatt.de) ganz sicher mit Kusshand nehmen. Schließlich dürften Titz, Holtby & Co. selbst am besten wissen, mit welchen Mitteln die Kritiker am einfachsten verstummen: mit Toren und Siegen.