2. Liga

HSV-Spiel in Dresden abgesagt – wegen Lage in Chemnitz

Das Stadion von Dynamo Dresden/HSV-Vereinspräsident Bernd Hoffmann

Das Stadion von Dynamo Dresden/HSV-Vereinspräsident Bernd Hoffmann

Foto: picture alliance

Das sächsische Innenministerium hat die Absage der Partie gegen Dynamo Dresden verfügt. Bernd Hoffmann: "Wir sind enttäuscht."

Hamburg/Dresden. Das für Sonnabend angesetzte HSV-Spiel in Dresden ist wegen der heftigen Ausschreitungen in Chemnitz auf Weisung des sächsischen Innenministeriums abgesagt worden. Das teilte die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Freitagabend mit. Um die am Sonnabend bevorstehenden Versammlungen in Chemnitz personell stemmen zu können, hatte die sächsische Polizei um eine Verlegung gebeten. Andernfalls sei eine Absicherung des Spiels in der Dresdner DDV-Arena nicht zu gewährleisten.

"Um die Sicherheit der Fans in Dresden nicht zu gefährden, musste die DFL das Spiel auf Initiative des Freistaats Sachsen und der Landeshauptstadt leider absagen." Die DFL bedauere die Absage, respektiere gleichwohl die Entscheidung des Innenministeriums. Vertreter des DFB, der DFL, des sächsischen Innenministeriums und der Stadt Dresden haben das Anliegen zuvor telefonisch besprochen.

HSV-Fans bleiben auf Kosten sitzen

"Natürlich hätten wir gerne morgen in Dresden gespielt und sind sportlich vorbereitet gewesen", sagte HSV-Präsident Bernd Hoffmann. "Entsprechend enttäuscht sind wir von dieser Absage." Die HSV-Profis befanden sich bereits im Zug auf dem Weg in die sächsische Landeshauptstadt, als die Nachricht bekannt wurde. Gegen 19 Uhr sind die Spieler angekommen, um direkt wieder in den Mannschaftsbus zu steigen und zurück nach Hamburg zu fahren.

Trainer Christian Titz richtete sich noch in Dresden in einer Videobotschaft an die Fans. "Ich weiß, wie schwer das für euch wiegt, die hier eine weite Anreise auf sich genommen haben, die Anreisekosten, die Übernachtungskosten gehabt haben", sagte Titz. "Es tut mir unheimlich leid für euch." Das Zweitligaspiel war mit mehr als 30.000 Zuschauern, darunter 3000 Hamburger Fans, ausverkauft.

Zwar teilte der HSV mit, dass die Tickets gegen Dynamo Dresden ihre Gültigkeit behalten und zusätzliche Möglichkeiten zur Rückgabe von Karten zwischen den Vereinen geklärt werden. Nicht erstattet bekommen Fans jedoch ihre Anfahrts- und eventuelle Übernachtungskosten. "Es ist ein Armutszeugnis, dass in Dresden kein Fußballspiel stattfinden kann, weil in Chemnitz eine Demo stattfindet", sagte HSV-Supporters-Chef Timo Horn. "Das ist eine Katastrophe für die vielen Fans, die jetzt auf ihren Kosten sitzen bleiben." Ein neuer Termin steht noch nicht fest.

Auch Dynamo Dresden äußerte sich zu der Verlegung des Spiels. "In sportlicher Hinsicht ist das eine Vollkatastrophe", sagte Dresdens kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born bei Sky. "Wir hatten auf diese Entscheidung keinerlei Einfluss und bedauern die Spielabsage sehr, weil wir uns wie über 30.000 Fans auf ein Fußballfest gefreut hatten", so Born.

Polizei erwartet Tausende Demonstranten in Chemnitz

Statt eines Fußballfests dürften in Sachsen also weiter wüste Szenen dominieren. Die AfD und das ausländerfeindliche Bündnis Pro Chemnitz haben für Sonnabend eine Kundgebung angemeldet. Zudem soll es eine Gegendemonstration eines breiten Bündnisses unter dem Motto "Herz statt Hetze" geben. Die Polizei erwartet bei den Versammlungen eine Teilnehmerzahl "im unteren fünfstelligen Bereich".

Der Freistaat habe Unterstützung aus anderen Bundesländern angefordert und alle verfügbaren Kräfte bekommen. Auch Wasserwerfer und Reiter stünden bereit. "All denen, die Gewalt suchen oder ausüben, werden wir mit aller Konsequenz entgegentreten", sagte Landespolizeipräsident Jürgen Georgie.

Vor etwa einer Woche war ein 35-Jähriger am Rande eines Stadtfestes in Chemnitz durch Messerstiche getötet worden. Als Tatverdächtige sitzen ein 22-jähriger Iraker und ein 23 Jahre alter Syrer in Untersuchungshaft. In den darauffolgenden Tagen hatten Rechtsradikale dann bei fremdenfeindlichen Protesten Ausländer angegriffen. Bis zu 6000 Menschen nahmen an den Demonstrationen teil, darunter organisierte Neonazis, Hooligans und sogenannte Autonome Nationalisten, junge Rechtsextremisten. 20 Menschen wurden verletzt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte die fremdenfeindlichen Angriffe: "Wir haben Videoaufnahmen darüber, dass es Hetzjagden gab, dass es Zusammenrottungen gab, dass es Hass auf der Straße gab, und das hat mit unserem Rechtsstaat nichts zu tun."