Nordderby

Janjicic darf nicht mal mit dem Bus nach Bremen

Vasilije Janjicic wurde am Freitag aus
dem Derby-Kader gestrichen

Vasilije Janjicic wurde am Freitag aus dem Derby-Kader gestrichen

Foto: Witters

Der HSV reagiert auf die Skandalfahrt des Jungprofis und überprüft alle Führerscheine. Welche Verantwortung trägt Berateragentur?

Hamburg.  Allzu viel ließ sich Vasilije Janjicic am Freitagnachmittag nicht anmerken. Der Schweizer, der in der Nacht zum Donnerstag alkoholisiert und ohne Führerschein einen Unfall auf der A 7 verursacht und sich anschließend sogar noch als sein Zwillingsbruder ausgegeben hatte, betrat mit seinen HSV-Kollegen um 14.57 Uhr den Trainingsplatz, lief sich warm und scherzte ein wenig. Nach rund 20 Minuten trennte sich dann die Spreu vom Weizen: Während die Profis für den Nordderby-Kader den Rest der Trainingseinheit hinter verschlossenen Türen im Volksparkstadion absolvierten, blieben Bjarne Thoelke, Sven Schipplock und eben Janjicic alleine auf dem verwaisten Trainingsplatz zurück. Ball- und Schusstraining – und nach gut einer Stunde: Feierabend.

Die Antwort auf die entscheidende Frage des Freitags war damit gegeben. Anders als am Vortag noch angedacht hat sich HSV-Trainer Bernd Hollerbach doch eines Besseren belehren lassen und Unfallfahrer Janjicic nicht für das Nordderby gegen Werder (Sa, 18.30 Uhr/Sky) nominiert. Als sich der Mannschaftsbus am späten Nachmittag Richtung Bremen auf den Weg machte, fehlte der 19 Jahre alte Nachwuchsprofi. Die Nichtberücksichtigung hatte allerdings keine disziplinarischen Gründe. Vielmehr dürften Hollerbach über Nacht Zweifel beschlichen haben, ob der Mittelfeldmann nach den Geschehnissen des Vortags dem Derbydruck noch gewachsen wäre.

Hat das Umfeld versagt?

Trotz der Nichtnominierung betonten Hamburgs Verantwortliche allerdings auch am Freitag, dass man Janjicic trotz seiner Verfehlungen nicht fallen lassen werde. Auch nicht, nachdem Janjicic offenbarte, dass er mit drei Kumpels im Anschluss an den Mannschaftsabend am Mittwoch weiterfeiern war. Grundsätzlich werde man aber die Führerscheine aller Profis überprüfen. Dies haben der VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt als Konsequenz aus dem Fall von Dortmunds Nationalspieler Marco Reus, der ebenfalls ohne Führerschein gefahren war, bereits hinter sich.

Unbeantwortet blieb am Freitag die Frage, warum es auch niemandem aus Janjicics näherem Umfeld aufgefallen ist, dass der introvertierte Jungprofi seit Monaten einen 382 PS starken Luxuswagen fährt, aber keinen Führerschein hat. Beraten wird der Schweizer Nachwuchsnationalspieler von der Agentur Rogon, die auf der eigenen Homepage mit einer ganzheitlichen Talentbetreuung wirbt: „Eine gut geplante Karriere gleicht dem Bau eines Hauses. Es macht keinen Sinn den Architekten erst für das Dach dazuzuholen. Schon im Fundament darf es keine Fehler geben“, steht dort geschrieben.

Juristische Konsequenzen

Ob die Riesenagentur, die laut dem Portal "Transfermarkt" 115 Spieler unter Vertrag hat (darunter Topstars wie Roberto Firmino oder Julian Draxler), von Janjicics Spritztouren ohne Führerschein wusste, wollte Rogon auf Nachfrage am Freitag nicht beantworten.

Ebenfalls unbeantwortet blieb am Tag nach der Crashfahrt die Frage nach den juristischen Konsequenzen. Beim HSV geht man von einer empfindlichen Geld- sowie einer möglichen Bewährungs-, aber keiner Gefängnisstrafe aus. Janjicics Versuch, sich nach dem Unfall als sein Zwillingsbruder auszugeben, dürfte allerdings als strafverschärfend bewertet werden. Zeit genug, um über all das in Ruhe nachzudenken, hat Janjicic an diesem Wochenende.

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