Antrag

AfD-Anhänger sollen nicht Mitglied beim HSV werden

Eine Abstimmung bei der HSV-Mitgliederversammlung 2016

Eine Abstimmung bei der HSV-Mitgliederversammlung 2016

Foto: ValeriaWitters / WITTERS

Langjähriger Chef des HSV-Seniorenrats will Vorbild von Eintracht Frankfurt folgen. AfD-Fraktionschef Wolf nennt Antrag "skandalös".

Hamburg.  Die HSV-Mitglieder könnten bei ihrer Versammlung am 18. Februar darüber abstimmen, ob Anhänger der rechtspopulistischen Partei AfD gleichzeitig dem Hamburger Traditionsclub angehören dürfen. Einen entsprechenden Antrag hat Peter Gottschalk, langjähriger Vorsitzender des Seniorenrates, gestellt.

Die Mitgliederversammlung solle das Präsidium auffordern, dafür zu sorgen, dass „AfD-Mitglieder oder gleichgesinnte Personen nicht Mitglied im Hamburger Sport-Verein e. V. werden oder der HSV Fußball AG angehören“, schreibt Gottschalk, der seit 1954 HSV-Mitglied ist, in seinem Antrag. Seine Begründung: „Kein Platz für Rassismus! Toleranz und Solidarität sind Werte, die innerhalb jeder Sportart zählen.“

Kiezlegende Kalle Schwensen warf Gottschalk in einem Facebook-Post „Gesinnungsrassismus“ vor. „Ob man die AfD mag oder nicht (ich mag sie nicht!), so ist sie doch mit 12,6 Prozent als drittstärkste Partei in den Bundestag gewählte worden und damit ein legitimer politischer Faktor“, schrieb Schwensen: „Der Herr Peter Gottschalk merkt vermutlich gar nicht, dass ER der Radikale ist.“

AfD-Wolf spricht von "undemokratischer Ausgrenzungspolitik"

Der Fraktionsvorsitzende der AfD in der Hamburger Bürgerschaft, Alexander Wolf, bezeichnete Gottschalks Vorstoß als "skandalös" und zog einen weit reichenden Vergleich: "Diese undemokratische Ausgrenzungspolitik erinnert an ganz dunkle Zeiten der deutschen Geschichte."

Wolf war im vergangenen November in die Schlagzeilen geraten, weil er als Student ein Liederbuch herausgegeben hatte, in dem unter anderem die Hymne der Hitlerjugend abgedruckt war. Der damalige Hamburger Landesvorsitzende Bernd Baumann stellte sich demonstrativ vor seinen Parteifreund: Er zweifele nicht "an der Gesinnung" Wolfs.

Frankfurts Präsident stieß die Debatte an

Ende vergangenen Jahres hatte Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer mit seinem Vorstoß die Debatte um den Umgang mit AfD-Anhängern in der Bundesliga angeheizt. Wähler einer Partei, „in der es rassistische und menschenverachtende Tendenzen gibt“, sollten nicht Mitglieder des Bundesligaclubs werden können, sagte er seinerzeit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Eintracht-Profi Kevin-Prince Boateng unterstützte den Vorstoß.

Fischer hatte in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk nachgelegt: „Es gibt für die braune Brut keinen Platz. Solange ich da bin, wird es keine Nazis bei Eintracht Frankfurt geben.“ Die AfD zeigte ihn aufgrund dieser Formulierung wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung an.

Auf Anfrage der „Frankfurter Rundschau“ vermied der HSV Anfang Januar eine klare Absage an AfD-Anhänger. Man sei „generell klar gegen Ausländerfeindlichkeit, Fremdenhass, Rassismus und jede Form der Diskriminierung. Wir übernehmen als multikultureller Verein Verantwortung, zum Beispiel mit verschiedenen Sportangeboten für Geflüchtete und über gelebte Integration im Verein. Unsere Mitglieder tragen und leben diese Grundwerte im HSV. Sollten Mitglieder mit ihrem Handeln dagegen verstoßen, gehen wir gegen ein solches Verhalten bis hin zu einem Ausschluss aus dem Verein konsequent vor.“