Bundesliga

Bernd Hollerbach leitet erstmals das Training beim HSV

Der frühere Profi hat am Montag seine Rettungsmission gestartet. Einer seiner beiden Assistenten war bis 2017 beim Erzrivalen.

Hamburg.  Um kurz nach 12 Uhr am Montag wurde offensichtlich, was ohnehin längst kein Geheimnis mehr war: Bernd Hollerbach (48) fuhr an seinem ersten Arbeitstag als HSV-Trainer am Volksparkstadion vor. Der frühere Profi der Hamburger tritt die Nachfolge von Markus Gisdol an, der am Sonntag nach einer Serie von sechs Spielen ohne Sieg und der 0:2-Niederlage gegen den Tabellenletzten Köln freigestellt worden war.

Um 15 Uhr leitete Hollerbach erstmals das Training. Bemerkenswert: Die Teamkleidung mit seinen Initialen (BH) hatte der HSV offenbar vorsorglich schon produzieren lassen. Anschließend soll er den Medien vorgestellt werden. An der Pressekonferenz, die um 17.15 Uhr beginnt, nehmen auch der HSV-Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen und Profifußball-Direktor Jens Todt teil. Zuvor hatte Hollerbach beim Tabellenvorletzten der Fußball-Bundesliga einen bis 2019 gültigen Vertrag unterschrieben. Das gab der HSV am frühen Nachmittag bekannt. Der Vertrag soll auch für die Zweite Liga gelten.

Ein Co-Trainer war bei Werder Bremen

Als Co-Trainer werden Steffen Rau (47) und Matthias Kreutzer (35) Hollerbach unterstützen. Rau, langjähriger Verbandssportlehrer in Sachsen-Anhalt, trainierte bis zum Sommer vergangenen Jahres die Bundesliga-Frauen von Werder Bremen. Nach Abstieg und Wiederaufstieg wurde er im vergangenen Sommer beim Erzrivalen vor die Tür gesetzt – wohl nicht aus sportlichen Gründen. Kreutzer wirkte bisher beim HSV als Individual- und Übergangstrainer zwischen Nachwuchsleistungszentrum und Profibereich.

Die Erwartungen an den neuen Trainer hatte Vorstandschef Bruchhagen schon am Sonntag klar formuliert: „Wir erhoffen uns durch den Trainerwechsel, dass die Verunsicherung der Mannschaft gelöst wird und zusätzlich einzelne Dinge, die nach unserer Einschätzung dazu geführt haben, dass wir in diese prekäre Situation gekommen sind.“

Kann Bernd Hollerbach den HSV vor dem Abstieg bewahren?

Am Montagnachmittag begann dann Hollerbachs Rettungsmission. Die Hände tief in den Jackentaschen vergraben, mit der blauen Vereinsmütze auf dem Kopf und einer Pfeife im Mund beobachtete der neue HSV-Hoffnungsträger die erste Übungseinheit seines neuen Teams. Mehrmals ertönte ein schriller Pfiff, damit unterbrach Hollerbach vor 200 Fans die Übungen und korrigierte seine tief im Abstiegskampf steckenden Spieler. Auf dem Programm standen Pässe sowie ein Trainingsspiel mit Schwerpunkt mit Schwerpunkt Angriff über die Flügel.

Irgendwoher müssen die Tore ja kommen. Ganze 15 haben die Hamburger in dieser Saison erzielt, nur Schlusslicht 1. FC Köln (14) ist noch harmloser. In diesem Jahr ist der HSV als einziger Club noch torlos. Lediglich 15 Punkte auf der HSV-Habenseite und der direkte Abstiegsrang 17 sind die beinahe logische Folge. Den Ausfall von Schlüsselspieler Nicolai Müller, der in der Vorsaison bester Hamburger Scorer war, aber am ersten Spieltag einen Kreuzbandriss erlitt, konnte der HSV nicht kompensieren. Andere Offensivakteure wie Filip Kostic, André Hahn (je 2 Tore) und Bobby Wood (1) laufen ihrer Form hinterher.

Allein das 18 Jahre alte Toptalent Fiete Arp (2) macht Hoffnung. Arp, den zuletzt eine hartnäckige Erkältung niedergestreckt hatte, nahm am Montag immerhin wieder am Aufwärmprogramm teil, bevor er individuell mit Rehabilitationscoach Sebastian Capel weiterarbeitete.

Gisdol hatte offenbar vergeblich Ersatz für Müller gefordert. Sein Nachfolger dürfte zumindest einen Personalwunsch frei haben. „Der neue Trainer kann jetzt mit Todt über Transfers sprechen“, sagte Vorstandschef Bruchhagen. HSV-Investor Klaus-Michael Kühne war beim Trainerwechsel zwar nicht involviert, aber „komplett informiert“, berichtete Bruchhagen. Könnte heißen: Kühne stellt erneut frisches Geld zur Verfügung. Aus eigener Kraft könnte sich der HSV derzeit einen teuren Transfer kaum leisten.

Hollerbach, gelernter Metzger, steht für harte und ehrliche Arbeit auf dem grünen Rasen. Während seiner Zeit als Spieler beim HSV (1996 bis 2004) war der ehemalige Linksverteidiger der Mann fürs Rustikale und Publikumsliebling, er erarbeitete sich mit seiner Spielweise den Spitznamen "Holleraxt". Ein Spruch von damals ist an der Elbe längst Kult: "An mir kommt entweder der Ball vorbei oder der Gegner. Aber niemals beide zusammen."

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Freier Tag gestrichen

Beim HSV waren sie schon im Winter 1996 stolz, genau dieses Krieger-Image verpflichtet zu haben. Der damalige Präsident Uwe Seeler sagte nach dem Transfer-Coup: "Ich meine, dass er zu seinem Berufssport eine positive und super Einstellung hat." Die Videosequenz geistert nun wieder durch das Internet. "Solche Typen" wie Hollerbach, sagte Seeler, "können unsere Mannschaft nach vorne bringen".

Als erste Maßnahme hatte er den Spielern den freien Montag gestrichen. Am kommenden Sonnabend (15.30 Uhr) wird er im Spiel bei Vizemeister RB Leipzig sein Debüt auf der HSV-Bank geben. Auch die folgenden Spiele haben es in sich: Hannover, Dortmund, Leverkusen und Bremen.

Kommentar: Alle beim HSV haben versagt

Bernd Hollerbach verbrachte fast seine gesamte Profikarriere in Hamburg, zunächst beim FC St. Pauli (1991–1995), nach einem Intermezzo in Kaiserslautern dann beim HSV. 2005 begann er beim VfL 93 Hamburg seine Trainerlaufbahn. Als Assistent von Felix Magath feierte er mit dem VfL Wolfsburg 2009 den Gewinn der deutschen Meisterschaft.

Auch als Cheftrainer war Hollerbach erfolgreich: Seinen Heimatverein Würzburger Kickers führte er von 2014 an auf direktem Wege von der viertklassigen Regionalliga Bayern in die Zweite Bundesliga. Den Wiederabstieg konnte er allerdings nicht verhindern und trat deshalb im Mai vergangenen Jahres zurück. Seitdem war er ohne Verein.

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