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Gisdol vor dem Nordderby: "Bleibt doch mal cool!"

"Bleibt doch mal cool!" HSV-Trainer Gisdol vor Nordderby

Der HSV will am Sonnabend im Nordderby gegen Werder Bremen seinen Negativtrend stoppen. Wie, das erklärt Trainer Markus Gisdol vor der Presse.

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Wiese spricht HSV-Torwart Mathenia Erstligareife ab. Bode steht zu Nouri. Thiago Neves wird in Brasilien zum Pokalhelden.

Jansen: Druck auf Wood ist groß

Hamburg. Nach vier Spielen des HSV ohne Torerfolg wächst laut Ex-Nationalspieler Marcell Jansen der Druck auf Stürmer Bobby Wood. "Die Last, die Bobby Wood jetzt tragen muss, ist schon immens groß", sagte Jansen am Rande eines PR-Termins mit dem Sportwettenanbieter Tipico dem Sport-Informations-Dienst: "Letztes Jahr hat er fünf Tore erzielt. Jetzt hat er zwar eine dreifache Gehaltserhöhung bekommen, aber davon werden die Tore nicht mehr."

Man müsse bei den Erwartungen an den 24 Jahre alten US-Amerikaner realistisch bleiben, sagte der frühere HSV-Profi Jansen. Dennoch hält er Wood für den größten Offensivtrumpf des HSV im anstehenden Bundesliga-Nordderby gegen Werder Bremen am Sonnabend (18.30 Uhr, Volksparkstadion/Sky, Liveticker auf Abendblatt.de): "Wood hat eine Veranlagung, er ist schnell, hat Technik und macht die Bälle gut fest. Gerade er muss jetzt aus seinem Schatten wieder raus, die Last beiseitelegen und geil auf Tore sein. Er bringt die Qualität mit sich."

Werder-Kapitän meldet sich fit

Werder Bremen kann im Nordderby beim HSV am Sonnabend wieder auf Kapitän Zlatko Junuzovic bauen. „Er hat alles Trainingseinheiten absolviert, er ist auf jeden Fall eine Option“, sagte Werder-Trainer Alexander Nouri am Donnerstag. Junuzovic litt seit der Sommervorbereitung an Achillessehnenproblemen und konnte am Dienstag erstmals mit dem Team trainieren. Ob der Österreicher von Beginn an spielen wird, ließ Nouri offen.

Unsicher sind dagegen die Einsätze von Ludwig Augustinsson und Lamine Sané. Der Abwehrspieler aus dem Senegal hat weiter Kniebeschwerden. Augustinsson bekam beim 0:0 gegen Freiburg einen Schlag auf das Knie. „Wir halten uns die Option weiter offen“, erklärte Nouri. „Wir entscheiden am Freitag, ob es Sinn hat.“

Die bislang noch sieglosen Bremer wollen im Derby beim ebenfalls kriselnden HSV den ersten Saisonerfolg. „Wir sind bereit, den Fight anzunehmen“, stellte Nouri klar. Sportchef Frank Baumann ergänzte: „Ich erwarte ein hitziges Spiel, vor allem wegen der aktuellen Situation. Wir müssen auf alles gefasst sein.“

HSV-Personallage entspannt sich

Pünktlich zum Bundesliga-Nordderby entspannt sich auch beim HSV die Personallage. Offensiv-Allrounder Aaron Hunt und Defensiv-Spezialist Albin Ekdal können am Sonnabend auflaufen. Dies teilte HSV-Coach Markus Gisdol bei einer Pressekonferenz mit.

"Aaron und Albin könnten gute Optionen für das Wochenende sein", sagte Gisdol. Der Ex-Bremer Hunt hatte aufgrund eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel bei den vergangenen vier Spielen gefehlt, Ekdal musste wegen Rückenproblemen zuletzt zweimal aussetzen.

Die "schlimmsten Zeiten" der Personalmisere seien vorbei, sagte Gisdol: "Wir rechnen jetzt Woche für Woche mit Rückkehrern." Gegen Werder muss er weiter auf den Langzeitverletzten Nicolai Müller (Kreuzbandriss) und auf Filip Kostic (Muskelfaserriss), Rick van Drongelen (Knochenödem im Becken) und Sven Schipplock (Hexenschuss) verzichten.

Gisdol: "Bleibt doch mal cool!"

Zum 130. HSV-Geburtstag, der am Freitag ansteht, wünscht sich Gisdol einen Heimsieg, den 500. der Vereinsgeschichte. "Es wären schöne Zahlen für das Wochenende", sagte der 48-Jährige. Der HSV liegt mit sechs Punkten nach zuletzt vier Niederlagen ohne Tor auf dem 15. Platz. Bremen ist mit drei Zählern Tabellenvorletzter und wartet noch immer auf den ersten Sieg. "Das Duell elektrisiert immer enorm", sagte Gisdol. Wegen der aktuellen Situation beider Teams sei etwas mehr Brisanz in der Partie. "Der HSV wird alles daran legen, nach dem Spiel neun Punkte auf dem Konto zu haben", sagte Gisdol.

Auf die Frage, ob er besondere Maßnahmen ergriffen habe, reagierte der HSV-Trainer leicht gereizt. "Bleibt doch normal, bleibt mal cool, und lasst uns normal weiterarbeiten." Auch einmal bei Durststrecken die Ruhe zu bewahren, genau das machten dem HSV andere Clubs wie Köln vor, die zuletzt erfolgreich gearbeitet hätten. Ihm werde in Hamburg immer zu schnell von Krise gesprochen. Gisdol: "Alle sind noch eng beisammen. Wir haben die Chance, die Tendenz wieder zu unseren Gunsten umzukehren."

Bode stärkt Nouri den Rücken

Werder Bremens Aufsichtsratsvorsitzender Marco Bode sieht vor dem Nordderby beim HSV am Sonnabend keine Trainerdiskussion bei dem kriselnden Bundesligisten. „Natürlich kann man die Ergebnisse nicht dauerhaft außer Acht lassen, aber wir schauen intern, wie die Leistung und die Entwicklung der Mannschaft ist. Und wir halten da mit dem Trainer alle zusammen“, sagte der ehemalige Nationalspieler dem „Weser-Kurier“. Werder hat mit seinem Trainer Alexander Nouri in dieser Saison noch nicht gewonnen und ist 17. der Tabelle. Bode sprach von einer „schwierigen Situation“.

Bode berichtete, er spüre in Werders Umfeld eine „gewisse Unruhe und Unzufriedenheit“. Für die Pfiffe einiger Fans nach dem 0:0 gegen Freiburg am vergangenen Wochenende habe er Verständnis. Die Anhänger hätten das Gefühl gehabt, dass die Mannschaft nicht den „allerletzten Willen“ gezeigt habe. „Das sollte die Mannschaft als Zeichen nehmen, um noch etwas mehr zu investieren, um sich zu überprüfen: Bringen wir wirklich alles ein?“, sagte Bode. „Vielleicht kitzelt die Derbyatmosphäre das letzte Bisschen heraus.“

HSV leichter Wettfavorit

Für den Sportwettenanbieter Bwin geht der HSV als leichter Favorit in das 107. Nordderby gegen Werder Bremen am Sonnabend. Bei einem Sieg der Mannschaft von Trainer Markus Gisdol, die zuletzt vier Spiele in Folge verlor, ist eine Quote von 2,5 notiert. Schaffen die in dieser Saison noch sieglosen Werderaner den Auswärtssieg, dann schlägt eine Quote von 2,65 zu Buche. Am wenigsten wahrscheinlich ist demnach ein Unentschieden, für das es eine Quote von 3,4 gibt.

Wiese lästert über den HSV und Mathenia

Zu seinen aktiven Fußballzeiten gehörte Tim Wiese in Hamburg zu den wohl bestgehassten Personen. Nach Siegen im Nordderby hat der frühere Werder-Torwart schon mal "Scheiß-HSV" ins Megafon gerufen. Besonders in Erinnerung geblieben ist, wie er 2008 HSV-Stürmer Ivica Olic mit einem Kung-Fu-Tritt niederstreckte. Inzwischen hat Wiese (35) konsequenterweise das Fach gewechselt und ist Wrestler geworden. Für den HSV allerdings kann er sich noch immer nicht erwärmen, wie ein am Donnerstag veröffentliches "Bild"-Interview verrät.

Darin lässt Wiese vor dem Nordderby am Sonnabend kein gutes Haar an den Hamburgern. "Die Transferpolitik passt im wahrsten Sinne des Wortes hinten und vorne nicht", sagt Wiese da. Und weiter: "Mit den finanziellen Möglichkeiten hätte ich einen besseren Job gemacht als die Manager beim HSV." Gut gearbeitet habe in Hamburg nur eine Frau: Kerstin Lasogga, die Mutter des soeben nach England verliehenen Stürmers Pierre-Michel Lasogga. "Ihr Sohn hat fast nichts geleistet, aber sie hat einen Millionenvertrag ausgehandelt."

Auch gegen HSV-Torwart Christian Mathenia teilt Wrestler Wiese – Kampfname "The Machine" – ordentlich aus: "Er ist keiner für die Erste Liga. Bei Darmstadt war das in Ordnung, aber er ist nur Durchschnitt." U-21-Europameister Julian Pollersbeck, den der HSV im Sommer aus Kaiserslautern geholt hat, sei erst recht keine Alternative. Von ihm "halte ich mal gar nichts", sagte Wiese: "Mein Eindruck: Er feiert lieber, als Leistung zu bringen. Mann, war der in der Vorbereitung schlecht."

Noch 4000 Tickets zu haben

Die Nordderbys waren für Wiese einst "das Größte", jetzt sehe er die Sache entspannter. Ist ja schon klar, wenn man nicht mehr auf dem Platz steht, aber den Fans der beiden tief gesunkenen Nordrivalen scheint es ähnlich zu gehen: Das Derby elektrisiert nicht mehr. Am Mittwoch waren noch 4000 der 57.000 Eintrittskarten für Sonnabend zu haben.

Schon in der Vorsaison war das Derby in Hamburg nicht ausverkauft, am 26. November 2016 sahen 55.237 Zuschauer im Volksparkstadion das 2:2-Unentschieden.

Thiago Neves wird zum Pokalhelden

Thiago Neves hat Cruzeiro Belo Horizonte zum Pokalsieg in Brasilien geschossen. Der frühere HSV-Profi verwandelte im Finalrückspiel gegen Flamengo Rio de Janeiro den entscheidenden Elfmeter. Die 90 torlosen Minuten hatten keine Entscheidung gebracht, nachdem das Hinspiel in Rio de Janeiro 1:1 geendet war.

Tragischer Held war der frühere Bundesliga-Star Diego (32), der als einziger Schütze im Elfmeterschießen scheiterte und somit die 3:5-Niederlage besiegelte. Bei Flamengo standen neben dem früheren Bremer und Wolfsburger Diego auch Ex-HSV-Stürmer Paolo Guerrero im Kader.

Thiago Neves (32) stand in der Saison 2008/09 in sechs Bundesligaspielen für den HSV auf dem Feld, konnte sich aber nicht durchsetzen und wechselte in der Winterpause leihweise zu seinem alten Club Fluminense Rio de Janeiro.

Mit dem Titelgewinn, dem fünften Pokalsieg in der Vereinsgeschichte, sicherte sich Cruzeiro zudem gut zwei Monate vor dem Saisonende bereits einen Startplatz im kommenden Libertadores Cup, dem südamerikanischen Pendant zur Champions League. Die 61.017 Zuschauer im Mineirão-Stadion bedeuteten zugleich Rekordbesuch seit dem Umbau für die WM 2014.