Countdown HSV – Wolfsburg

Relegations-Endspiel: ZDF zeigt falsches Logo

| Lesedauer: 13 Minuten

HSV-Idol Uwe Seeler erstmals nach Herz-OP im Stadion. DFB verteidigt Schiedsrichter Manuel Gräfe. Spiel der "Zweiten" abgebrochen.

"Zweite" mit Unentschieden gegen Oldenburg

Die zweite Mannschaft des HSV trennte sich im letzten Saisonspiel 1:1 vom VfB Oldenburg. In dem Spiel, das kurz vor Schluss wegen Gewitters abgebrochen wurde, schoss Enes Küc (13. Minute) das HSV-Tor.

Falsches Logo bei "Heute" im ZDF

Die "Heute"-Sendung im ZDF um 19 Uhr hat am im Vorbericht auf das "Abstiegsfinale" (eher ein Relegations-Endspiel) zwischen dem HSV und dem VfL Wolfsburg am Sonnabend offenbar die Logos vertauscht. Wie Twitter-Nutzer zeigten und die ZDF-Zuschauerredaktion am späten Freitagabend bestätigte, war anstelle des Wolfsburger das Logo von Werder Bremen zu sehen. Der SV Werder bemüht sich noch um einen Platz in der Europa League.

Volle Besetzung bei der Generalprobe

Das lässt doch hoffen: Bis auf die verletzten René Adler (Rippenbruch) und Pierre-Michel Lasogga (Adduktoren) nahmen am Freitag alle HSV-Profis am Abschlusstraining in Rotenburg (Wümme) teil. Auch Nicolai Müller, der sich am Mittwoch am gerade erst verheilten Knie verletzt hatte, konnte die Einheit vollständig absolvieren.

Ganz komplikationsfrei blieb es auch am Freitag nicht. Kyriakos Papadopoulos ließ das abschließende Trainingssspiel aus und ließ sich stattdessen am Spielfeldrand behandeln. Auch bei Lewis Holtby musste die mitgereiste medizinische Abteilung Hand anlegen. Er bekam einen Verband unterhalb des linken Knies, konnte dann aber weitermachen. Holtby hatte sich beim 1:1 auf Schalke am vergangenen Sonnabend eine Fleischwunde am Fuß zugezogen, die ihn aber nicht mehr entscheidend behindern soll.

Noch am Nachmittag wird der HSV sein Kurztrainingslager beenden, nach Hamburg zurückkehren und im Teamhotel "Grand Elysée" einchecken.

Ein Verein, ein Trikot

Die HSV-Mitarbeiter werden beim Spiel um den direkten Klassenerhalt gegen den VfL Wolfsburg am Sonnabend (15.30 Uhr, Volksparkstadion/Sky, Liveticker auf Abendblatt.de) in einem speziellen Trikot "auflaufen", um ihre Verbundenheit mit dem Club und ihre Unterstützung für die Spieler auszudrücken. Auf dem Rücken steht "24/7" und "Nur der HSV".

Zeitschrift: HSV wollte Zagadou

Der HSV soll sich um das französische Abwehrtalent Dan-Axel Zagadou bemüht haben. Das berichtet die Fachzeitschrift "France Football". Demnach habe das Weben des Bundesliga-Dinos um den 17-Jährigen aber keinen Erfolg gehabt. Zagadous Vertrag bei seinem Ausbildungsverein Paris Saint-Germain endet im Sommer. Borussia Dortmund soll im Poker um den zwei Meter großen Abwehrmann gute Karten haben.

Junge Fans wünschen sich HSV-Abstieg

Eine Mehrheit junger Fußballfans wünscht sich, dass der HSV absteigt. Das hat eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts Mafo.de ergeben. Demnach befürworten 58,9 Prozent der Anhänger zwischen 18 und 30 Jahren das Aussterben des letzten Bundesliga-Dinos. Von allen Befragten sind es lediglich 41,4 Prozent, den den HSV gern in der Zweiten Liga sähen. Bei den über 45-Jährigen drückt eine klare Mehrheit von 65,6 Prozent den Hamburgern im Kampf um den Klassenerhalt die Daumen. Befragt wurden im Zeitraum vom 12. bis 17. Mai 642 Bundesliga-Interessierte.

DFB verteidigt Ansetzung Gräfes

Der Deutsche Fußball-Bund hält an der Ansetzung von Schiedsrichter Manuel Gräfe für das Bundesliga-Abstiegsduell zwischen dem HSV und dem VfL Wolfsburg fest. Eine mögliche Auswechslung des Schiedsrichtergespanns stehe „in keiner Weise zur Debatte“, sagte ein DFB-Sprecher am Freitag der „Süddeutschen Zeitung“. Es sei zwar immer denkbar, Änderungen vorzunehmen – etwa bei Verletzungen oder Krankheit von Schiedsrichtern. Es bestehe aber keinerlei Notwendigkeit.

Die früheren Spitzenschiedsrichter Markus Merk und Bernd Heynemann hatten den DFB scharf kritisiert. Die Ansetzung sei „unglücklich“, da Gräfe angesichts der Bedeutung des Spiels enorm unter Druck geraten könne, sagte Heynemann dem Sender Sport1. „Man kann nur hoffen, dass nichts passiert. Wenn in einer entscheidenden Szene etwas passieren sollte, hat der DFB ein Problem“, sagte Heynemann (63), der bei der EM 1996 und der WM 1998 im Einsatz war.

Zuvor hatte auch Markus Merk sein Unverständnis geäußert. „Hätte man mich gefragt, welcher Schiedsrichter für dieses Spiel nicht in Frage kommt, wäre ich auf genau einen Namen gekommen“, sagte der ehemalige Fifa-Referee Merk der „Hamburger Morgenpost“. Und meinte Gräfe.

Der Berliner hatte vor zwei Jahren im zweiten Relegationsspiel des HSV beim Karlsruher SC in der Nachspielzeit einen umstrittenen Freistoß für die Hamburger gegeben, den Marcelo Díaz zum 1:1 nutzte. Nach dem Hinspiel-1:1 ging es dadurch doch noch in die Verlängerung, in der Nicolai Müller den HSV mit dem 2:1 zum Klassenverbleib schoss.

Gräfes Freistoßentscheidung wird seitdem kontrovers diskutiert, oft heißt es „kann, aber muss man nicht gegeben“. Bei jeder Ansetzung von Fifa-Referee Gräfe für ein HSV-Spiel kocht dieses Thema wieder hoch.

„Das Wichtigste ist immer, dass der Schiedsrichter nicht im Fokus steht, sondern das Spiel! Das ist hier, bei aller unbestrittenen Kompetenz von Manuel Gräfe, nicht möglich“, monierte Merk. Auch die DFB-Begründung, einige Top-Referees stünden derzeit nicht zur Verfügung oder sollen in Kürze andere wichtige Spiele leiten, lässt der 55-Jährige nicht gelten. „Es gibt in der Liga 20 Schiedsrichter. Man hätte auf einen anderen zurückgreifen müssen.“

HSV-PK vor dem Wolfsburg-Spiel
HSV-PK vor dem Wolfsburg-Spiel

Erstaunlich gelassen reagierten die Trainer der involvierten Clubs. „Ich hoffe, dass es keine engen Entscheidungen zum Ausgang des Spiels geben wird. Und wenn es so kommt, hoffe ich auf eine faire und klare Entscheidung eines gutes Schiedsrichters“, sagte HSV-Trainer Markus Gisdol. „Die Leute beim DFB machen ihren Job so gut wie möglich. Alles okay“, betonte sein VfL-Kollege Andries Jonker. Und ergänzte: „Er (Gräfe) hat uns in Frankfurt gepfiffen, da haben wir gewonnen.“

Mehrheit der Fans für Relegation

In der Diskussion über die Relegation in der Bundesliga sind sich auch die Fans in Deutschland nicht einig. In einer SID-Umfrage durch Bundesligabarometer.de zum Saisonende gaben 60 Prozent der 5800 befragten Teilnehmer an, dass die Duelle zwischen dem Drittletzten der Bundesliga und dem Dritten der Zweiten Liga beibehalten werden sollen. 40 Prozent hingegen sprachen sich für eine Abschaffung aus.

Kommentar: Schafft die Relegation endlich ab!

In den vergangenen Wochen hatten sich auch einige Verantwortliche aus der Bundesliga gegen die Relegation ausgesprochen. "Wenn man als Zweitligist eine richtig gute Saison spielt und dann so knapp scheitert, ist das extrem bitter", sagte HSV-Sportdirektor Jens Todt und plädierte für eine Abschaffung. Niko Kovac, Trainer von Eintracht Frankfurt, ist "ein absoluter Gegner der Relegation". Coach André Breitenreiter vom Zweitliga-Dritten Hannover 96 meint: "Die Relegation ist ungerecht, der Bundesligist ist klar im Vorteil."

Seeler: "Ich hoffe auf ein Wunder"

Uwe Seeler wird beim Endspiel um den direkten Klassenverbleib nach einer Herzoperation erstmals wieder im Volksparkstadion dabei sein. „Ja, ich will mir das antun. Ich hoffe auf ein Wunder, aber es wird ein schweres Spiel“, sagte der 80-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. „Ich kann ja nur die Daumen drücken.“

Matthäus glaubt an HSV-Rettung

Lothar Matthäus sieht im Relegationsvermeidungsduell den HSV im Vorteil. "Sie haben nicht nur die Erfahrung aus zwei vorhergegangenen Relegationen, sondern vor allem ihr Publikum beim Heimspiel im Rücken", schreibt der Rekordnationalspieeler in seiner "Sport-Bild"-Kolumne. "In diesen Momenten kann der HSV seine Heimstärke ausspielen, die er oft auch gut hinter mäßigen Leistungen zu verstecken weiß." Zudem sei es der neuen Führungsmannschaft mit dem Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen, Sportchef Jens Todt und Trainer Markus Gisdol gelungen, Ruhe ins Umfeld zu bringen.

Für die Wolfsburger sei die Ausgangslage dagegen schwieriger. Sie hätten das drohende Relegationsduell gegen den ungeliebten Nachbarn Braunschweig schon "im Hinterkopf". "Während die Eintracht nichts im Derby zu verlieren hätte, würde das den Druck auf die Wolfsburger noch stärker erhöhen. Der HSV konnte ihm zweimal standhalten, beim VfL bin ich mir da ehrlich gesagt nicht so sicher." Matthäus' Tipp für Sonnabend: Der HSV gewinnt 2:1.

"Beim HSV wurde fast jeder Spieler schlechter"

Über die Saison gesehen stellt Lothar Matthäus beiden Clubs ein vernichtendes Zeugnis aus. Sie hätten sich mit ihrer Transferpolitik "verzockt". Als HSV-Beispiele nennt Matthäus die Brasilianer Douglas Santos und Walace, die zusammen 17 Millionen Euro Ablöse kosteten und zuletzt häufig nur auf der Bank saßen, sowie Filip Kostic. Der Serbe, als Hoffnungsträger vom VfB Stuttgart gekommen,bestätige "wieder einmal eine These, die inzwischen in der ganzen Liga kein Geheimnis mehr ist und die sich jeder Profi vor einem Wechsel vor Augen führen sollte: Beim HSV wurde fast jeder Spieler schlechter!"

Beim VfL dagegen zeige der Verlust deutscher Leistungsträger wie Julian Draxler, André Schürrle und Max Kruse, "dass es in dieser Truppe an Charakter fehlt".

VfL kündigt Neuausrichtung an

"Endspielgegner" VfL Wolfsburg will seine Neuausrichtung im Sommer unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit "intensiv vorantreiben". Dabei gelte es, "alles kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen, um am Ende eines solchen Analyseprozesses Entscheidungen treffen zu können, die dafür sorgen, dass wir sportlich und wirtschaftlich erfolgreich sind", sagte VfL-Geschäftsführer Wolfgang Hotze vor dem wegweisenden Spiel beim HSV. Im Falle einer Niederlage droht den Niedersachsen der Gang in die Relegation.

"Es wird eine Idee, ein Gesamtkonzept entstehen, wie die Zukunft des VfL Wolfsburg aussehen soll – und darin werden sich neben unseren eigenen strategischen Zielen sowohl die Interessen von Volkswagen, unseren weiteren Partnern und Sponsoren als auch natürlich die unserer Fans und Unterstützer in Wolfsburg und der Region wiederfinden", sagte Hotze.

Hotze vom Klassenerhalt überzeugt

Eine zentrale Rolle in den Plänen der VfL-Bosse spielt Stürmer Mario Gomez. Die Hoffnung, dass der Toptorjäger in Wolfsburg bleibt, sei laut Hotze "durchaus berechtigt". Bei Gomez habe er "wie bei nur wenigen anderen das Gefühl, dass er sich sowohl im Verein selbst als auch in unserer Stadt wirklich rundum wohlfühlt und in Wolfsburg vom ersten Tag auch genau das gefunden hat, was er gesucht hatte. Mario Gomez bringt alles mit, das Gesicht eines neuen VfL-Teams zu werden."

Vom Klassenerhalt ist Hotze überzeugt. "Weil gleich mehrere Faktoren für uns sprechen: zum einen die Ausgangsposition, die für uns besser ist als für den HSV. Wir wären bereits bei einem Unentschieden direkt gerettet und haben rein rechnerisch sogar noch die Möglichkeit, je nach Ausgang der Partie Hoffenheim gegen Augsburg selbst bei einer Niederlage weiter auf Platz 15 zu stehen", sagte der Manager: "Zum anderen – und das ist das, was für mich überwiegt – macht unsere Mannschaft einen sehr fokussierten Eindruck. In jedem Training wird hochkonzentriert, aber auch mit der erforderlichen Lockerheit und Freude gearbeitet."

Olic setzt auf Wolfsburg

Ivica Olic setzt im „Spiel um Platz 15 oder besser“ seiner beiden Ex-Clubs nicht auf den HSV. „Die Qualität der Einzelspieler spricht für Wolfsburg“, sagte der kroatische Stürmer der „Bild“-Zeitung. „Der VfL wird Fußball spielen wollen und versuchen, mindestens ein Tor zu erzielen.“ Nach seinem Gefühl werde Wolfsburg den einen Punkt holen, der reichen würde um die Relegation zu verhindern. Auch im Trainerduell sieht Olic die Autostädter vorn: Andries Jonker sei „ein echter Fuchs, der sehr gute Lehrmeister hatte. Und er hat unglaublich viel Erfahrung.“

Für den HSV seien die vielen angeschlagenen Leistungsträger ein Problem. Chancenlos seien die Hamburger aber nicht. „Sie agierten gerade in der Rückrunde zu Hause gegen spielerisch starke Teams, wie es auch der VfL ist, beeindruckend erfolgreich.“ Ein Plus könne auch sein, dass der Bundesliga-Dino den Wolfsburgern die Erfahrung von vier Jahren Abstiegskampf voraushabe.

Olic (37) spielte von 2007 bis 2009 sowie 2015/16 für den HSV und erzielte in 103 Bundesligaspielen 31 Tore. 2015 brachte er die Hamburger am letzten Spieltag gegen Schalke in Führung und ebnete so den Weg in die Relegation. Für den VfL Wolfsburg war er zwischen 2012 bis 2015 in 78 Bundesligaspielen im Einsatz und traf 28-mal. Im vergangenen Sommer wechselte er zum Zweitligisten 1860 München. Olics Söhne Toni und Luka seien „glühende HSV-Fans“ und werden bei der Partie im Stadion sein. Olic selbst begnügt sich mit einem Platz vor dem Fernseher.

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