0:3 in Dortmund

HSV trauert verpasster Chance und zwei Verletzten hinterher

Matz ab live nach dem Spiel in Dortmund

Die HSV-Experten Marcus Scholz und Uli Pingel analysieren das Spiel beim BVB gemeinsam mit Ex-Profi Marcell Jansen.

Video: abendblatt.tv
Beschreibung anzeigen

Wood scheitert kläglich kurz vor dem Gegentor, bei dem Adler alt aussieht. Ekdal und Adler vergrößern die Defensivsorgen.

Dortmund. Gut mitgespielt und doch verloren: Der HSV hat die erste Niederlage nach vier ungeschlagenen Spielen in Folge kassiert. Die Hamburger verloren nach den Treffern von Gonzalo Castro (13.), Shinji Kagawa (81.) und Pierre-Emerick Aubameyang (90.+2) 0:3 bei Borussia Dortmund. Zu allem Überfluss bangt der HSV auch noch um zwei Spieler der ohnehin personalgebeutelten Defensive.

Beim zweiten Gegentor zog sich Aushilfsverteidiger Albin Ekdal auch noch eine Muskelverletzung zu, wodurch sich die Defensivsorgen beim HSV vergrößern. Der Schwede merkte noch im Zweikampf mit Aubameyang, wie der Muskel nachgab, weshalb er den Gabuner vorbeiziehen lassen musste, der ohne Gegenwehr mühelos für Kagawa auflegte. "Es sah nicht gut aus", sagte Markus Gisdol, der in René Adler auch noch einen zweiten angeschlagenen Profi verkraften muss. "Beide Spieler sind für das Spiel am Wochenende gegen Hoffenheim fraglich. Eine Diagnose kommt heute aber noch zu früh."

Bis zum 0:2 von Kagawa waren die Hamburger, bei denen in Mergim Mavraj nur ein gelernter Innenverteidiger zur Verfügung stand, gut im Spiel und drückten zeitweise sogar auf den Ausgleich. Doch der BVB sorgte vor allem durch seinen quirligen japanischen Spielmacher immer wieder für Gefahr und siegte letztlich verdient, wenngleich die Niederlage für den HSV zu hoch ausfiel. Darin waren sich alle Beteiligten aufseiten der Hamburger einig. "Das Ergebnis fällt zu happig aus, wir haben das Spiel 80 Minuten offen gestalten können", bilanzierte Sportchef Jens Todt. "Wir hatten ein paar Möglichkeiten, das 1:1 zu machen", ergänzte Dennis Diekmeier.

"Wenn wir eine unserer Chancen machen, sieht das Spiel anders aus", trauerte Gisdol 16 vergebenen Torschüssen nach. Zum Vergleich: Dortmund feuerte 17-mal aufs Tor, traf aber auch dreimal. "Wir waren kurz davor, einen Punkt mitzunehmen", so Gisdol.

HSV mit nur einem Innenverteidiger

Gisdol musste nach den Verletzungen von Kyriakos Papadopoulos (Adduktoren-Verhärtung) sowie Gideon Jung und Johan Djourou (beide muskuläre Probleme) in der Defensive improvisieren und funktionierte Mittelfeldspieler Albin Ekdal kurzerhand zum Innenverteidiger um. „Es gibt keine Innenverteidiger der Welt, die Aubameyang und Dembele gewachsen sind. Wir dürfen sie ohnehin nicht ins Eins-gegen-Eins lassen“, gab Gisdol vor dem Spiel Einblicke in seine Taktik.

Wood diesmal glücklos

Nach wenigen Minuten wäre Gisdols Matchplan beinahe schon verworfen worden. Julian Weigl schickte Aubameyang, der den Turbo anwarf und nicht mehr zu stoppen war, aber an Adlers Knie scheiterte (4.). Kurz darauf spielte sich eine ähnliche Szene genau auf der anderen Seite ab. Bobby Wood stürmte alleine auf Roman Bürki zu, brachte den Ball aber nicht am BVB-Torhüter vorbei (11.).

Einzelkritik: Wood hätte Star des Abends werden können

Die vergebene Großchance sollte sich rächen, denn auf der Gegenseite schlug der Ball im Netz ein. Castro verwandelte einen Freistoß aus 20 Metern in die Torwartecke (13.). HSV-Schlussmann René Adler, der ansonsten ein starkes Spiel macht, sah beim Gegentor nicht gut aus, weil er kurz vor der Ausführung einen Schritt in die falsche Richtung machte. "Er spekuliert ein bisschen, aber da gibt es nichts zu meckern", nahm Todt seinen Torwart in Schutz. "Er ist seit Wochen in Topform."

Der HSV ließ sich von dem Gegentor nicht beirren und versuchte über die gesamten 90 Minuten, Dortmund unter Druck zu setzen. Wood setzte immer wieder geschickt seinen Körper ein, womit er die Defensive der Borussia vor Probleme stellte. Auch die zweite Großchance des HSV im ersten Durchgang ging auf das Konto es US-Stürmers, der abermals mutterseelenallein diesmal am Tor vorbeiköpfte (38.) Das Schiedsrichtergespann um Markus Schmidt hatte aber ohnehin auf Abseits entschieden.

Adler, immer wieder Adler

Noch vor der Pause hieß das Duell gleich zweimal erneut Aubameyang gegen Adler: Zunächst wehrte Adler mit dem Gesicht einen Schuss gegen den frei stehenden Gabuner ab (27.), dann kratzte der HSV-Keeper einen Kopfball von Aubameyang, der den verletzten Marcel Schmelzer als Kapitän ersetzte, von der Linie (43.).

Nach dem Seitenwechsel war es weiterhin vor allem Adler, der sich gegen einen zweiten Dortmunder Treffer stemmte. Auch Raphaël Guerreiro konnte den 32-Jährigen, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, aus fünf Metern nicht überwinden. Wenig später wäre dann sogar Adler geschlagen gewesen, doch Ousmane Dembélé zielte zu hoch, nachdem er zuvor Diekmeier im Strafraum aussteigen ließ (58.).

HSV drückte auf den Ausgleich

Mit einer Doppelchance untermauerte dann wieder der HSV seine Ambitionen, einen Punkt aus Dortmund zu entführen. Der vor dem Tor diesmal glücklose Bobby Wood setzte einen Linksschuss aus guter Position am Tor vorbei (64.). Kostic traf nach einer Diekmeier-Flanke nur das Tornetz. Ein Raunen ging durchs Stadion.

Die Zuschauer mussten sich eingestehen, dass dieser HSV sich, anders als noch bei der 2:5-Pleite im Hinspiel, wehrte – und trotz einiger vergebener Großchancen nicht aufsteckte. Der sehr agile Kostic fand jedoch auch in seinem nächsten Versuch seinen Meister in Bürki (74.).

Aubameyang gelingt doch noch sein Tor

Weiter ging es mit dem Privatduell Aubameyang gegen Adler. Selbst wenn Adler nicht mehr eingreifen konnte, wollte dem Gabuner bis zur Nachspielzeit einfach kein Treffer gelingen. Frei vor Adler schob er den Ball links am Pfosten vorbei (73.) und scheiterte an der Fußabwehr des HSV-Keepers (76.). Dann brach aber jene Nachspielzeit an, in der Aubameyang zum wiederholten Male alleine auf Adler zulief, den Torhüter diesmal umkurvte und so doch noch zu seinem Tor kam. Zu allem Überfluss schien sich Adler bei seinem Rettungsversuch leicht verletzt zu haben. Anders als noch beim Remis auf Schalke verzichtete der exzentrische Stürmer diesmal auf einem Maskenjubeln.

Verstecken muss sich auch der HSV nicht. Auf die Leistung beim Vizemeister lässt sich aufbauen für die wichtigen Wochen im Abstiegskampf. "Von der Einstellung hat es gestimmt, so kommt man da unten raus!", weiß Lewis Holtby. "Wir müssen die Punkte woanders holen", sagte Todt.

Die Statistik

Dortmund: Bürki - Piszczek, Ginter, Bartra, Guerreiro (78. Sahin) - Kagawa, Weigl (78. Passlack), Castro - Dembele, Aubameyang, Mor (60. Pulisic). - Trainer: Tuchel

HSV: Adler - Diekmeier, Ekdal (83. Janjicic), Mavraj, Ostrzolek - Walace, Gotoku Sakai - Gregoritsch (60. Hunt), Holtby, Kostic - Wood (84. Lasogga). - Trainer: Gisdol

Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)

Tore: 1:0 Castro (13.), 2:0 Kagawa (81.), 3:0 Aubameyang (90.+2)

Zuschauer: 81.360 (ausverkauft)

Gelbe Karten: Ginter (3) - Ekdal (2), Kostic (3), Holtby (3)

Torschüsse: 17:16

Ecken: 6:4

Ballbesitz: 58:42 %