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HSV wirft Spahic raus und muss Badstuber-Hoffnung begraben

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Stefan Walther
HSV-Neuzugang Mergim Mavraj stellt sich vor

HSV-Neuzugang Mergim Mavraj stellt sich vor

Video: Abendblatt.TV
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Bruchhagen und Gisdol greifen durch: "Bad Boy" Spahic liegt ein Auflösungsvertrag vor. Clébers Abgang gerät zur Nebensache.

Hamburg. 38 Pflichtspiele trug Emir Spahic in seinen zwei Jahren in Hamburg die Raute auf der Brust, ein weiteres wird nicht mehr hinzukommen. Wie der HSV am Dienstagmorgen mitteilte, ist der 36-Jährige ab sofort vom Trainingsbetrieb freigestellt. Der Innenverteidiger spielt in den Planungen des Clubs keine Rolle mehr und fehlte auch beim am Vormittag angesetzten Laktattest. Vorstandsboss Heribert Bruchhagen hat Spahic deshalb sogar einen Auflösungsvertrag angeboten.

"Wir haben hier in den vergangenen Wochen einen Veränderungsprozess innerhalb des Kaders angeschoben. Dieser Prozess beinhaltet nun unter anderem, dass wir künftig ohne Emir planen und es demzufolge für das Beste halten, wenn die Wege von Verein und Spieler sich trennen", sagt Trainer Markus Gisdol zu der Personalie. Gegen Spahic spricht sein fortgeschrittenes Alter sowie seine Jahresgage von stolzen 2,5 Millionen Euro. Zum Saisonende wäre sein Vertrag ohnehin ausgelaufen.

Emir Spahic ist beim HSV freigestellt – die richtige Entscheidung?

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In der Pressemitteilung gab der HSV außerdem bekannt, dass der Wechsel des brasilianischen Abwehrspielers Cléber zum FC Santos perfekt ist. Der 26-Jährige kehrt für kolportierte 2,5 Millionen Euro plus Boni zurück in seine Heimat.

Badstuber kommt nicht zum HSV

Nach dem Transfer von Mergim Mavraj, der Clébers bisherige Rückennummer 3 erhält, will der HSV noch einen weiteren Abwehrspieler sowie einen defensiven Mittelfeldspieler verpflichten. Gehandelt werden unter anderem die Reservisten Kyriakos Papadopoulos (RB Leipzig) und Timm Klose (Norwich City) sowie Polens U21-Nationalspieler Jarosław Jach, an dem aber auch Borussia Mönchengladbach interessiert sein soll.

Entgegen anderslautenden Berichten wird Holger Badstuber nicht zum HSV wechseln. Sein Berater Prof. Dr. Peter Duvinage dementierte einen Bericht der "Sport Bild", wonach es bereits Gespräche mit dem ehemaligen Nationalspieler und den Hamburgern gegeben haben soll. "Es gab eine Anfrage des HSV an den FC Bayern, aber mit mir oder Holger hat keiner gesprochen", sagte Duvinage dem Abendblatt.

Zwar habe man sich nach "sehr guten Gesprächen" mit FCB-Präsident Uli Hoeneß und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge auf eine Ausleihe im Winter verständigt, die Wahrscheinlichkeit, dass Badstubers Weg im Winter zum HSV führen wird, sei aber "sehr gering", so Badstubers Berater.

Gisdol setzt auf HSV-Talente

Für Spahic ist bei den Transferplanungen des HSV kein Platz mehr im aktuellen Kader. Zudem setzt Gisdol neben Johan Djourou lieber auf die Talente Gideon Jung (22), Fiete Arp (16), Oliver Oschkenat (23), Jonas Behounek (18) und Vasilije Janjicic (18), die mit ins Trainingslager nach Dubai (5. bis 14. Januar) fliegen werden. Die drei Letztgenannten trainierten zuletzt immer mal wieder mit den Profis mit. Jung erhielt bereits im letzten Spiel vor der Winterpause aus Leistungsgründen den Vorzug in der Startelf vor Spahic.

Eine Woche zuvor lieferte Spahic bei der 1:3-Niederlage in Mainz eine indiskutable Leistung ab und rundete damit ein für ihn persönlich schwaches Fußball-Jahr ab. Der letzte Sieg mit ihm in der Startelf liegt ein Dreivierteljahr zurück und datiert vom 22. April 2016, als Werder Bremen mit 2:1 im Volksparkstadion bezwungen wurde.

Mit der Maßnahme Spahic freizustellen will der HSV den neu gefundenen Teamgeist nicht gefährden. Ob der Innenverteidiger sich ohne zu murren in der Rückrunde auf die Bank oder gar die Tribüne gesetzt hätte, soll intern angezweifelt worden sein.

Spahic wurde immer mal wieder handgreiflich

Spahic ist kein Kind von Traurigkeit. Rekordverdächtige 13-mal flog der robuste Abwehrspieler in seiner bisherigen Karriere vom Platz. Zum HSV wechselte er im Sommer 2015 ablösefrei, nachdem er zuvor in Leverkusen suspendiert worden war. Der Bosnier streckte nach dem DFB-Pokal-Halbfinale der Werkself gegen Bayern München einen Ordner mit einer Kopfnuss nieder, weil dieser seine Familienangehörigen zurückgewiesen hatte.

Während seiner Zeit beim HSV wurde der als unberechenbar geltende Profi ebenfalls mehrfach handgreiflich. Bekannt sind zwei Fälle: Im Februar 2016 ohrfeigte er den damaligen Leihstürmer Josip Drmic in der Kabinen-Dusche. Im Dezember 2015 erhielt Pierre-Michel Lasogga eine Backpfeife von Spahic, weil er mit der Trainingsleistung des bulligen Angreifers unzufrieden war. Damals soll die Abwehrkante intern eine Verwarnung kassiert haben, denn erst im August desselben Jahres hatte Spahic in der Halbzeitpause des Auswärtsspiels beim FC Bayern (0:5) Lewis Holtby mit Prügel gedroht.

Vorfälle solcherart gehören nun der Vergangenheit an, denn der HSV hat einen Schlussstrich unter das Kapitel Spahic gezogen.

HSV bittet seine Profis zum Laktattest:

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