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China-Abenteuer: Was macht eigentlich Felix Magath?

Nirgends werden so gigantische Summen bewegt wie in Chinas Fußball. Auch Ex-HSVer Felix Magath mischt im Millionenspiel mit.

Was Felix Magath in der Bundesliga perfektioniert hat, klappt nun auch in China. Nach dem Ausrutscher in England mit Absteiger Fulham hat die HSV-Ikone nun auch dort Erfolg, wo Millionen keine Rolle spielen. Der 63-Jährige, der wie so oft als Feuerwehrmann zum Einsatz kam, sollte den Erstligisten Shandong Luneng vor dem Abstieg bewahren. Und es hat geklappt. Damit hat Magath nach einem halben Jahr seine erste wichtige Mission im Land der Mitte erfüllt.

Mission erfüllt

Seit seinem Start im Sommer führte Magath das abgeschlagene Tabellenschlusslicht bis zum Saisonende auf den rettenden 14. Platz. Ein Resultat, mit dem sein Arbeitgeber zufrieden ist. „Wir sind glücklich, ihn hier zu haben und werden unsere Zusammenarbeit fortsetzen“, lobte ein Sprecher von Luneng den ehemalige Meistercoach von Wolfsburg und Bayern München.

Karrieredelle Fulham

Vor zwei Jahren scheitere Magath noch krachend damit, den FC Fulham vor dem Abstieg aus der englischen Premier League zu retten - und wurde dafür von englischen Fans und Medien gegrillt. In China ist die Entwicklungsarbeit des Fußball-Lehrers dagegen mehr als willkommen.

Staatschef Xi Jinping hat Chinas Fußball-Revolution persönlich angezettelt. Er träumt von einem WM-Titel und hat dafür Fußballschulen im ganzen Land aus dem Boden sprießen lassen, um Chinas Kicker der Zukunft auszubilden.

Chinesischer Kaufrausch

Die chinesischen Clubs, hinter denen in der Regeln zahlungskräftige Konzerne und auch Staatsbetriebe stehen, folgen dem Wunsch ihres Präsidenten und kaufen wie im Rausch Know-how im Ausland ein.

Magaths schwedischer Kollege Sven-Göran Eriksson steht beim Shenzhen FC unter Vertrag. Der italienische Weltmeister-Trainer Luiz Felipe Scolari hat gerade mit Guangzhou Evergrande, dem chinesischen Dauermeister, den nächsten Meistertitel gewonnen. In der Nationalmannschaft gibt mit Marcello Lippi ebenfalls ein „​Laowai“ (Ausländer) seit Herbst den Ton an.

Oscar kommt für 70 Millionen

Mehr noch als Trainer aus Europa, sind westliche Star-Kicker in den Focus der chinesischen Vereine gerückt. Erst vergangene Woche folgte der brasilianische Nationalspieler Oscar dem Lockruf des großen Geldes aus Fernost: Der 25-jährige soll ab Januar in Shanghai SIPG mehr als 21 Millionen Euro im Jahr kassieren. Er kostete um die 70 Millionen Euro Ablösesumme.

Schon zuvor hatte Shanghai Oscars Landmann Hulk für rund 56 Millionen Euro verpflichtet. Jiangsu Suning holte den Brasilianer Ramires für 32 Millionen Euro. Auch Ivorer Gervinho wechselte für 18 Millionen vom AS Rom nach Fernost.

Genau diesem Wettkampf in der Super League ist es geschuldet, dass Shandong Luneng überhaupt in die Krise rutschte. „Luneng hat es verpasst, sich rechtzeitig zu verstärken und ist gnadenlos abgestürzt“, sagte der chinesische Sportjournalist Ma Dexing.

Retter Magath

Kein Wunder, dass es eine der erste Amtshandlungen von Retter Magath war, den Italiener Grazillo Pellè vom FC Southampton zu holen. Weitere Millionen-Transfers dürften folgen. Magath will sich aber nicht nur auf die dicke Brieftaschen des Hauptsponsors, des mächtigen Immobilienkonzerns Luneng, verlassen.

Hartes Training ist jetzt in Shandong angesagt - so wie man es von „Quälix“ kennt. Statt seine Spieler in den Urlaub zu schicken, ließ Magath sie im Trainingslager auf der Tropeninsel Hainan bei Dauerläufen am Strand schwitzen. Um den Klassenerhalt will er nicht mehr spielen. Magath hofft, die Fans „in naher Zukunft mit einem Titel belohnen zu können. Das ist unser klares Ziel.“