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Auch Nachwuchschef Bernhard Peters steht vor dem Aus

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Alexander Laux
Umfrage zum Beiersdorfer-Aus: "Schritt war überfällig"

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Direktor Sport gehört zum gescheiterten System Beiersdorfer. Erhält der Vorstandsboss noch eine stattliche Abfindung?

Hamburg.  Vergangenen Montag war Dietmar Beiersdorfer noch einmal in die Offensive gegangen, um Stärke zu demonstrieren: „Ich glaube, dass wir in der Gesamtentwicklung auf keinem schlechten Weg sind, im Gegenteil, eher auf einem positiven“, sagte der Vorstandsvorsitzende des HSV. „Man muss zu dem Punkt kommen, dass die Realität nicht immer das ist, worüber die Medien berichten. Es gibt auch andere Realitäten.“

Natürlich würde auch er die sportliche Situation kritisch sehen: „Wir haben keine Ergebnisse geholt, deswegen stehen wir im Kreuzfeuer der Kritik, das muss man so hinnehmen, damit komme ich ganz gut zurecht. Ich weiß, was ich kann und was wir getan haben. Deshalb bin ich mit mir total im Reinen.“

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Im Nachhinein ein letztes, verzweifeltes Aufbäumen des 53-Jährigen, dem es trotz etlicher Personalwechsel nicht gelang, seit seiner Amtsübernahme im Juli 2014 die sportliche Trendwende einzuleiten und so die Hoffnungen der Initiative HSVPlus enttäuschte, die die Ausgliederung durchgesetzt hatte.

Erhält Beiersdorfer noch drei Millionen Euro?

Seine Abfindung – der Vertrag lief noch bis Juni 2018 – dürfte sich bei einem Gehalt von rund 1,9 Millionen Euro bei drei Millionen Euro bewegen.

Das System Beiersdorfer erhielt bereits im Mai einen tiefen Riss, als Peter Knäbel (kam für den gefeuerten Oliver Kreuzer) seinen Hut als Direktor Profifußball nehmen musste. Beiersdorfer versäumte es, einen Nachfolger zu finden und widersetzte sich damit auch dem offen vorgetragenen Auftrag von Aufsichtsratschef Karl Gernandt. Mehrfach kamen Details zu den Verhandlungen mit Kandidaten (Nico Hoogma, Christian Hochstätter) an die Öffentlichkeit. Peinlich die Streitigkeiten, wer wem absagte.

Auch die Amtsführung von Nachwuchschef Bernhard Peters (Direktor Sport) wird im Verein nicht nur positiv beurteilt. Ob der 56-Jährige, der im August 2014 sein Amt antrat, in Hamburg noch eine Zukunft hat, ist mehr als zweifelhaft. Er steht vor dem Aus.

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Video: Abendblatt.tv

Zeitpunkt für Entlassungen verpasst

Negativ ins Gewicht fiel auch, dass es der HSV-Chef nicht schaffte, auf dem Trainerposten Konstanz zu schaffen – noch schlimmer, er verpasste sowohl bei Mirko Slomka als auch bei Bruno Labbadia den richtigen Zeitpunkt für eine Entlassung, nahm diese erst kurz nach Saisonbeginn vor, obwohl er schon längst nicht mehr von einer Fortsetzung der Zusammenarbeit überzeugt war.

Zum Verhängnis wurde Beiersdorfer aber vor allem seine Transfer­bilanz. Gab ihm der Boulevard während seiner ersten Funktionärszeit beim HSV als Manager (2002 bis 2009) aufgrund einiger Transfererfolge (Nigel de Jong, Khalid Boulahrouz) sogar den Spitznamen „Dukaten-Didi“, so lag er nun bei mehreren Transfers daneben (zuletzt Halivolic). Ihm gelang es weder, den Wert des Teams zu steigern noch eine gute Ba­lance im Kader herzustellen, obwohl er dank der Unterstützung von Investor Klaus-Michael Kühne 90 Millionen Euro in Neuverpflichtungen stecken konnte. Eklatant die Fehleinschätzung Beiersdorfers, nicht noch einen zentralen Defensivspieler für diese Saison zu verpflichten.

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